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Sanierung

Ein Fachwerkhaus ist verschwunden

Die Rote-Hahnen-Gasse hat ihr Wahrzeichen verloren. Schuld daran ist nicht der Investor sondern die Denkmalpflege.
Von Claudia Böken, MZ

Das Haus Rote-Hahnen-Gasse 3 nach der Sanierung ohne FachwerkFoto: Böken

Regensburg.Eingesessene Regensburger, die von der Gesandtenstraße in die Rote-Hahnen-Gasse einbiegen, stutzen seit einigen Tagen: Ihr Blick fällt auf ein großes spitzgiebeliges Haus, das es so früher nicht gab. Ein Neubau ist es nicht, soviel steht fest. Aber irgendetwas hat sich grundlegend geändert. Als vergangene Woche das Gerüst nach der Sanierung verschwand, fehlte das charakteristische Fachwerk.

Wenn ein denkmalgeschütztes Objekt gravierend verändert wird, hat man meist den Investor in Verdacht. Peter Trepnau weist das weit von sich. Er hatte ein Fachwerkhaus gekauft und wollte ein Fachwerkhaus sanieren, wie es auch die Baubeschreibung vorsah. Dann kam die Denkmalpflege: Das Haus sei gar kein echtes Fachwerkhaus, habe man ihm gesagt. Die Holzbalken seien verputzt gewesen, bis in die 1930er-Jahre habe das Haus eine barocke Stuckfassade gehabt.

Die energetische Sanierung, die erforderlich war, wollte Trepnau mittels einer Innendämmung vornehmen. Da allerdings stellte sich die Denkmalpflege quer. Dadurch könnten die Holzbalken beschädigt werden, sagte man ihm. Und außerdem hatte man inzwischen auch Reste von barocker Wandmalerei entdeckt. Die sollte zwar nicht freigelegt werden, aber auch nicht durch die Isolierung beschädigt werden. Trepnau fügte sich und ließ eine neue Baubeschreibung machen – für ein Haus ohne Fachwerk. „Ich wäre sogar bereit gewesen, eine Fachwerk-Attrappe an der Fassade anzubringen“, gestand er gestern.

Peter Trepnau hat inzwischen die neun Eigentumswohnungen verkauft. An den Anblick des Hauses, das er 18 Monate lang saniert hat, hat er sich noch nicht gewöhnt. „Ich bin ein Regensburger, und ich finde, zu dem Haus gehört eine Fachwerkfassade.“

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