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Freizeit

Ein Hauch von Hawaii im Biergarten

Die Regensburger Ukulele-Fever-Band lässt im Prüfeninger Schlossgarten die Saiten erklingen. Für die 17 Musiker ist dabei Spaß das oberste Gebot.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Die Ukulele-Fever-Band übt im Prüfeninger Schlossgarten. Fotos: Strasser
  • Anders als die Gitarre verfügt die Ukulele nur über vier Saiten.

REGENSBURG. Es gibt kein Bier auf Hawaii, hat der Pianist und Orchesterleiter Paul Kuhn einst musikalisch behauptet. Das mag stimmen, wenn man bayerische Brauverhältnisse als Maßstab nimmt. Doch was, wenn man Hawaii kurzerhand in die Oberpfalz verlegt, die entspannte Südseestimmung in den Biergarten mitbringt und zum Obazden, Brezen und einer kühlen „gschmackigen“ Mass Bier hawaiianische Musik erklingen lässt? 12 270 Kilometer von Honolulu entfernt passiert das dieser Tage.

Im Prüfeninger Schlossgarten liegen auf den Bierbänken neben der bayerischen Brotzeit Notenhefte, am Tisch sitzen bunt gekleidete Musikanten, in der Hand Instrumente, die sich Ukulele nennen und bei den Biergartenbesuchern ein Urlaubs-Kopfkino auslösen.

Rund 90 Stücke im Repertoire

„Open-Air-Probe“, sagt Edmund Giebler zu der entspannten Session, die in den Sommermonaten regelmäßig im Prüfeninger Biergarten abgehalten wird und die Besucher die Ohren spitzen lässt. Was nach fröhlicher Runde klingt, ist ernsthafte Probenarbeit. Die Gruppe nennt sich Ukulele-Fever-Band und übt „Island in the sun“ bis „Hukilau“ – Südseeklänge inmitten bayerischer Traditionen und Brotzeitromantik. An die 90 Stücke haben sie im Repertoire, von Hawaii bis Bayern. Auch das „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ gehört dazu. „Das ist natürlich ein Klassiker, aber den spielen wir eigentlich nicht so gerne“, meint Bandchef Giebler. „Höchstens nach zwei Runden Freibier“, behauptet Herbert Niklas in seinem rot-blau-weiß-geblümten Hawaiihemd mit einem breiten Lächeln.

Die Band besteht aus 17 aktiven Mitgliedern, „mit Schwerpunkt auf Freundschaft“, betont Lydia Klinzner. Die Altersskala liegt zwischen 21 und 70 Jahren. Alter, Konfession, Geschlecht oder gesellschaftlicher Status spielen keine Rolle. Selbst musikalisches Talent nicht und Nationalitäten schon gar nicht. „Fast nicht“, schmunzelt Natascha Lindemann, die aus Russland stammt und „Obazda“ wie ein strammes russisches Nationalgericht ausspricht. „Wenn es um bayerische Lieder geht, haben Nichtbayern natürlich ein Singverbot“, sagt sie nicht ganz ernst gemeint. Apropos Spaß: „Das ist unser oberstes Gebot“, sagt Robert Huber, der Radiomann von Charivari und deutscher Rekordhalter im Ukulelespielen. Er war vor zwei Jahren mit dabei, als 155 Ukulele-Musiker in Regensburg zum gemeinsamen Spiel auftraten.

Kurt Meimer war der Ideengeber

Es ist eine bunte Truppe, die sich über einen gemeinsamen Geschmacksträger gefunden hat. Der heißt Kurt Meimer, fast schon ein Hawaiianer, 21 Jahre hat er in Hawaii verbracht. In Regensburger betreibt er in der Lilienstraße die Ukulele-Fieber-Company, gibt Kurse rund um die kleine Gitarre mit vorwiegend vier Saiten. „Bei einem dieser Kurse, haben wir uns alle kennengelernt und haben uns anstecken lassen vom Ukulele-Fieber“, sagt Josef Kraus, der nicht nur für den hausgemachten Obazden zuständig, sondern auch für alle Liederarrangements und Solo-Einsätze verantwortlich ist.

Irgendwann wurden die Fortgeschrittenen sanft, aber doch bestimmt, aus dem Paradies vertrieben, wie Edmund Giebler nachsichtig feststellt. „Wir störten die Kunden beim ständigen Ukulelespielen an den Samstagen.“ Aus der Not heraus habe man eine „Selbsthilfe-Gruppe“ gegründet, erklärt Lindemann. Zum gemeinsamen Musizieren sei man in die Gaststätte Rieger in Oberisling umgezogen und – in den Sommermonaten – in den Prüfeninger Schlossgarten. „Als Band sind wir noch sehr jung“, sagt Esther Dahm mit bunten Blumenkette um den Hals. Erst im September feierte die Fever-Band das einjährige Bestehen. „Trotzdem haben wir bereits Auftrittserfahrung sammeln dürfen“, ergänzt Lindemann und zählt das Sommernachtsfest im Schlossgarten Thurn und Taxis auf, das Hammerseefest in Bodenwöhr, den Auftritt beim Regensburger Altstadtfest, diverse Weihnachtsmärkte oder ein Benefizkonzert in Roding. Applaudierende Anerkennung inklusive.

Was aber ist so faszinierend an der kleinen Schwester der großen Gitarre, die so nach Urlaub und Fernweh klingt? Neben dem musikalischen Ausleben der Sehnsucht nach fernen Welten nennt Giebler die Leichtigkeit als Motivation. „Das Instrument ist klein, handlich und hat nur an die 350 Gramm Gewicht.“ Und sie ist leicht zu lernen, meint er. „Drei Sekunden und du kannst es auch“, sagt er und drückt dem MZ-Reporter die Ukulele aus Südseeholz in die Hand. Den Ringfinger am dritten Bund auf die unterste Saite, mit der rechten Hand den Rhythmus von oben nach unten und die Fever Band singt „Frère Jacques“ – fertig ist die perfekte Musikbegleitung in C-Dur.

Jedes Instrument klingt anders

Doch richtig gut wird es im Verbund. „Jedes Instrument klingt anders, je nach Typ und Holzart. Sopran, Tenor oder Bariton. „Das alles verwebt sich zu einem Klangbild, das einmalig ist“, schwärmt Robert Huber. In der Tat: Wenn die Gruppe „Unterm Kastanienbaum“, von Günther Sigl mit hawaiianischen Anleihen intoniert, vom Paradies singt und von weißen Wolken und blauen Himmel erzählt, dann ist man zuhause in der bayerischen Südsee.

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