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Verkehr

Ein Held und viele Sünder

Radfahrer und Senioren bereiteten der Regensburger Polizei 2018 Sorgen. Dafür bekam sie von einem Wrestler Unterstützung.
Von Heike Haala

Die Kreuzung an der Kumpfmühler Straße zählt zu den gefährlichsten in Regensburg. Foto: Wabra
Die Kreuzung an der Kumpfmühler Straße zählt zu den gefährlichsten in Regensburg. Foto: Wabra

Regensburg.Am Dienstag veröffentlichte die Polizei ihre Verkehrszahlen für das Regensburger Stadtgebiet aus dem Jahr 2018. Demnach gab es erstmals mehr als 6000 Unfälle in der Domstadt. Insgesamt ereigneten sich im Stadtgebiet Regensburg im vergangenen Jahr 6268

Verkehrsunfälle (2017: 5927), was einem Anstieg um 5,8 Prozent entspricht. Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden stiegen um 7,8 Prozent auf nunmehr 819 (2017: 760). Im Langzeitvergleich überstieg die Zahl der Verletzten erstmals die 1000er Marke. Lag diese Zahl im Jahr 2017 noch bei 945 Verletzten, schnellte sie jetzt auf 1005 in die Höhe.

Mit Alk am Steuer: Wrestler griff ein

Wrestler Waseem Azem sorgte für die Verkehrsmeldung des Jahres. Foto: Ried
Wrestler Waseem Azem sorgte für die Verkehrsmeldung des Jahres. Foto: Ried

Waseem Azem fackelte an einem heißen Julitag nicht lange, als er erkannt hatte, dass ein betrunkener Autofahrer auf der Nibelungenbrücke nicht zu stoppen war. Mit einer Eisenstange schlug er die Scheibe des Autos ein und verhinderte so, dass der Betrunkene seine gefährliche Fahrt fortsetzte. Später sagte die Polizei über die couragierte Aktion, dass sie wahrscheinlich Schlimmeres verhindert habe. Der Betrunkene, der von einem Wrestler gestoppt wurde, sorgte zwar für die Verkehrsnachricht des Jahres 2018, dennoch war er bei weitem nicht der Einzige, der sich unter Alkoholeinfluss ans Steuer setzte. Zu 88 Unfällen kam es im vergangenen Jahr, weil die Verkehrsteilnehmer zu viel intus hatten. Das bedeutet einen Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einen neuen Höchststand. 25 dieser Alkoholunfälle wurden von Radfahrern mit erhöhten Promille-Werten verursacht. Auch die Verkehrsunfälle, bei denen Drogen im Spiel waren, nahmen stark zu: 2017 waren es noch elf, vergangenes Jahr aber 20.

In unserem Video sehen Sie, wie der Wrestler die Autoscheibe zerschlug

Wrestler stoppte Betrunkenen

Senioren: weniger Unfälle, mehr Verletzte

Mehr Senioren verletzten sich. Foto: Felix Kästle/dpa
Mehr Senioren verletzten sich. Foto: Felix Kästle/dpa

Einer von zwei Menschen, die im vergangenen Jahr ihr Leben auf den Straßen im Regensburger Stadtgebiet lassen mussten, war ein 79-Jähriger, der am 24. April in der Alfons-Auer-Straße mit seinem Roller stürzte. Obwohl er einen Helm trug, erlag er zwei Wochen später seinen schweren Verletzungen. Die Zahl der Menschen über 65 Jahren, die sich im vergangenen Jahr in Regensburg bei Unfällen verletzten, liegt bei 94; vier mehr als noch im Jahr 2017. Und das, obwohl die Unfälle, in die Menschen in dieser Altersgruppe verwickelt waren, abnahmen – um 7,2 Prozent. Im Jahr 2017 lag diese Zahl noch bei 459, ein Jahr später bei 426. 37 der verletzten Senioren waren Radfahrer, 32 mit dem Auto unterwegs. Außerdem traf es 17 Fußgänger und acht Menschen, die auf einem motorisierten Zweirad unterwegs waren. Der Polizei sind das zu viele. Laut Hermann Hirsch, Sachbearbeiter für Verkehr bei den Regensburger Polizeiinspektionen, besteht deswegen jetzt Handlungsbedarf.

Bilanz

Unfälle auf Rekordniveau

Über 6000 Mal krachte es, dabei verletzten sich mehr als 1000 Menschen. Eine Idee der Polizei: Nachsitzen für Verkehrssünder.

Radler zählen weiter zu den Sorgenkindern

Die Kreuzung an der Kumpfmühler Straße zählt zu den gefährlichsten in Regensburg. Foto: Wabra
Die Kreuzung an der Kumpfmühler Straße zählt zu den gefährlichsten in Regensburg. Foto: Wabra

Immer mehr Regensburger sind laut Polizei mit dem Fahrrad unterwegs. Außerdem bescherte selbst den nicht so wetterfesten unter ihnen der Sommer 2018 eine ausgedehnte Saison. Das schlägt sich nun auch in den Unfallzahlen für die Radfahrer nieder. Demnach stieg die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern im Stadtgebiet im vergangenen Jahr um 21,7 Prozent. Waren im Jahr 2017 noch 341 Radfahrer an Verkehrsunfällen beteiligt, 2018 schnellte ihre Zahl auf 415 hoch. Auch die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Fahrer stieg – um 15,7 Prozent; von 318 im Jahr 2017 auf 368 im vergangenen Jahr. Allein 93 Radfahrer stürzten aufgrund von Fahrfehlern oder Unachtsamkeit. Immer wieder wurde ihnen dabei auch die Kreuzung der Kumpfmühler Straße mit der Fritz-Fend-Straße zum Verhängnis. Diese Kreuzung gilt als die gefährlichste für Radfahrer in Regensburg. Bald will die Stadt an der Schaltung drehen und diese Gefahrenstelle nach Jahren entschärfen.

Mit 99 Sachen durch die Straubinger Straße

Bei Kontrollen gingen der Polizei viele Sünder ins Netz. Foto: Alexander Körner/dpa
Bei Kontrollen gingen der Polizei viele Sünder ins Netz. Foto: Alexander Körner/dpa

Der dreisteste Raser, den die Polizei im vergangenen Jahr schnappte, gab fast doppelt so viel Gas, wie es innerorts erlaubt ist. In der Straubinger Straße war er statt der höchstens erlaubten 50 Stundenkilometer mit 99 Sachen unterwegs. Nicht angepasste Geschwindigkeit war der Grund für 58 Unfälle, zu denen es im Jahr 2018 in Regensburg kam. Dabei verletzten sich 37 Menschen. Ein Jahr zuvor belief sich die Zahl dieser Verletzten noch auf 27. Sie kamen bei 48 Unfällen zu Schaden, weil ein Fahrer zu sehr aufs Gas drückte. Um diesen Fahrern beizukommen, kontrollierte die Polizei und nahm ihnen an Ort und Stelle Bußgeld ab. 4095 Fahrer beanstandeten die Polizisten dabei. 86 davon waren im Nachgang dieser Aktion zumindest eine Weile ohne Führerschein unterwegs. Ein Bußgeld von 100 Euro gab es für 955 Fahrzeugführer, die selbst am Steuer nicht vom Smartphone ablassen konnten.

Mehr Unfälle mit jungen Erwachsenen

Es gab mehr Unfälle mit jungen Verkehrsteilnehmern.  Foto: Armin Weigel/dpa
Es gab mehr Unfälle mit jungen Verkehrsteilnehmern. Foto: Armin Weigel/dpa

Zu 631 Unfällen, an denen ein junger Erwachsener zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt war, kam es im Jahr 2018 im Regensburger Stadtgebiet. Das sind 41 Unfälle mehr, was einem Anstieg um sieben Prozent entspricht. Oberpfalzweit aber sank die Zahl der Unfälle mit jungen Erwachsenen im gleichen Zeitraum. Als Grund dafür nennt die Polizei die vielen Pendler in dieser Altersgruppe, die aus dem Umland zur Schule, zu Ausbildungsplätzen und zur Arbeit einpendeln. Dafür starb kein Mensch in dieser Altersgruppe auf den Straßen der Stadt. Das geschah zuletzt im Jahr 2012.

Schulwege so sicher wie lange nicht

Es gab weniger Unfälle auf den Schulwegen. Foto: Ried
Es gab weniger Unfälle auf den Schulwegen. Foto: Ried

Allen Problemen mit Elterntaxis zum Trotz: Die Zahl der Schulwegunfälle sank gegenüber dem Vorjahr. Bei zehn Unfällen verletzten sich zwölf Menschen unter 15 Jahren auf dem Weg zur Schule, einer Unterrichtsveranstaltung oder einem Hort. Acht dieser Kinder waren mit dem Fahrrad unterwegs. Die Polizei weist darauf hin, dass dies erst ab dem Verkehrsunterricht erlaubt ist. Im Jahr 2017 gab es 16 dieser Schulwegunfälle mit insgesamt 17 verletzten Schülern. Die gute Nachricht: Seit über zehn Jahren kam bei einem Schulwegunfall kein Kind mehr auf den Regensburger Straßen zu Tode.

Weitere Polizeimeldungen aus Regensburg finden Sie hier.

Weitere Polizeimeldungen aus der Oberpfalz lesen Sie hier.

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