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Regensburg
Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Musical

Ein König Artus zum Wiehern

Der Cantemus-Chor erhielt mit „Monty Pythons Ritter der Kokosnuss – Spamalot“ im ausverkauften Velodrom Standing Ovations.
Von Angelika Lukesch

„Das schrägste Musical der Welt“ um König Artus (Rico Skarban) war auch im Velodrom ein Feuerwerk an Gags und ein Riesenerfolg. Fotos: altrofoto.de
„Das schrägste Musical der Welt“ um König Artus (Rico Skarban) war auch im Velodrom ein Feuerwerk an Gags und ein Riesenerfolg. Fotos: altrofoto.de

Regensburg.König Artus und die Ritter der Tafelrunde – ein würdiges und ernstes Bild. Das war einmal! Seit Samstagabend hat der hehre König Artus samt Ritter Lancelot und der Fee aus dem See den verklärenden Hauch einer todernsten Legende verloren. Der Cantemus-Chor unter der Gesamtleitung von Matthias Schlier und der Musik der PiuPiu-Band (Leitung Ulli Forster und Thomas Basy) zeigten einen anderen König Artus, eine andere Tafelrunde, eine andere Geschichte: Skurril, abstrus, paradox, selbstironisch und respektlos waren John du Prez und Eric Idle mit den alten Legenden umgegangen, als sie 2004 „Spamalot – das schrägste Musical der Welt“ komponierten und schrieben.

Den Sängern des Cantemus-Chors schien dieses Musical wie auf den Leib und eine sehr lachbereite Seele geschrieben worden zu sein. Matthias Schlier, der das Musical ausgesucht hat, tat hier einen Glücksgriff. Im Musical Spamalot wird auf verschiedenen Ebenen agiert. Die Geschichte von König Artus befindet sich innerhalb einer Rahmengeschichte, in der Artus als Darsteller eines Musicals agiert. Er und seine Gefährten treffen auf ihrer Suche nach dem heiligen Gral wiederum auf die wirkliche Welt und auch auf Personen in ihrem Zeitkontinuum.

Etwas begriffsstutzige Gefährten

•Schon bei den Proben des Cantemus-Ensembles wurde getanzt, gelacht und natürlich gesungen. Foto: Lukesch
•Schon bei den Proben des Cantemus-Ensembles wurde getanzt, gelacht und natürlich gesungen. Foto: Lukesch

Rico Skarban gibt einen wunderbaren König Artus mit schwarzem Rauschebart und einer Mischung aus sorgsam gehüteter Ehrwürdigkeit und dem Charme von Don Quichotte. Sein Knappe Patsy (Felice Arp) imitiert mit zwei leeren Kokosnusshälften das Hufgetrappel eines Pferdes, während König Artus im Pferdchensprung über die Bühne hüpft und seine „Abenteuer“ besteht. Die etwas geltungssüchtige Fee (Sarah Niebauer), die auch schon mal eine Arie darüber singt, wieso sie nur so selten einen Einsatz auf der Bühne hat, schickt Artus auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Es verwundert auch nicht, dass König Artus seinen Gefährten Robin (Michael Schamberger), Lancelot (Lara Wiegand), Sir Galahad (Linus Kamper) und Sir Bedevere (Michael Schuier) erst einmal erklären muss, was ein Gral überhaupt ist.

Einen Eindruck vom Musical sehen Sie in unserem Video:

Cantemus Chor inszeniert das Musical "Spamalot"

Das Musical Spamalot ist voll schwarzen Humors, der Leichen tanzen und eine Kuh fliegen lässt. Zum Schreien komisch ist es, als „die Franzosen“ aus ihrer Burg vertrieben werden sollen. Ähnlich, wie Odysseus mit seinem trojanischen Pferd die griechischen Helden nach Troja hineinschmuggelte, wollen die Gefährten die Burg mithilfe eines kleinen hölzernen Kaninchens erobern. Doch leider kommt zwar das Kaninchen in die Burg, die Gefährten leider nicht, denn Sir Bedevere hat den Trick nicht richtig verstanden.

Vorsicht mit der Handgranate

Anders verhält es sich mit der heiligen Handgranate von Antiochia, die gegen das mordlüsterne Kaninchen helfen soll, das sich in einer Grube verbirgt. Die Anwendung der Handgranate wird gleich mitgeliefert: Nachdem man den Abreißzünder gezogen hat, solle man maximal bis drei zählen. Denn: „Die fünf scheidet völlig aus“.

Die „Ritter der Kokosnuss“ überzeugten das Publikum. Foto: altrofoto.de
Die „Ritter der Kokosnuss“ überzeugten das Publikum. Foto: altrofoto.de

König Artus und seine Gefährten „galoppieren“ auf Kokosnussschalen unermüdlich von einem schrägen Abenteuer zum nächsten. Für Artus klappert Patsy, die Gefährten müssen selber klappern. Immer wieder schreit der Regisseur des Musicals (Julian Esser), das auf der zweiten Ebene der Rahmenhandlung inszeniert werden soll, dazwischen: Die Hauptdarsteller mögen sich bitte mehr bemühen und mehr Einsatz zeigen. Am Ende müsse es auf jeden Fall eine Hochzeit geben und der Heilige Gral müsse endlich gefunden werden.

Mehr Bilder von den Darstellern sehen Sie hier:

Es war ein wahrer Hochgenuss, die jungen Sänger des Cantemus-Chors agieren und singen zu sehen, denn das Musical „Spamalot“ bot dem Ensemble alle Möglichkeiten der Darstellung und des musikalischen Anspruchs. Der Spaß, den die jungen Sänger bei der Aufführung hatten, war so offensichtlich und auch so ansteckend, dass diese Inszenierung nur ein sehr großer Erfolg werden konnte. Jeder einzelne Darsteller war mit vollem Einsatz dabei und wuchs auf der Bühne noch einmal über sich hinaus – mit viel Begabung zur Komik und Selbstironie.

Ein Gagfeuerwerk mit viel schwarzem Humor

Die Inszenierung unter der musikalischen Gesamtleitung von Matthias Schlier, die auch auf der einfallsreichen Regie von Christina Hommel und der Choreografie von Heidi Huber sowie dem Bühnenbild und den Kostümen von Bianca Leonie Bauer beruhte, gab dem Gagfeuerwerk des Musicals perfekt Raum und bot alle Möglichkeiten, um den schwarzen Humor des Musicals aufs Beste zu entfalten.

Stimmbildner Uli Groeben und Annika Fischer verhalfen den jungen Chor- und Solosängern zu bemerkenswerten Leistungen.

Diese Inszenierung des Musicals „Monty Pythons Ritter der Kokosnuss – Spamalot“ wurde beim Publikum zu einem Riesenerfolg, der der Originalität des Musicals und vor allem dem Einsatz der Protagonisten und der Piu Piu Band zu verdanken war. Standing Ovations zum Lohn für das Vergnügen, diese Inszenierung gesehen zu haben, waren daher fast schon Pflicht.

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Alles selbst gemacht

  • Proben:

    Die Proben für das Musical „Die Ritter der Kokosnuss – Spamalot“ begannen bereits im Dezember 2017. Der Cantemus Chor probte im Haus der Musik.

  • Hinter der Bühne:

    Die musikalische Gesamtleitung hatte Matthias Schlier inne. Regie führte Christina Hommel, für die Choreographie sorgte Heidi Huber. Für Bühnenbild und Kostüme war Bianca Leoni Bauer zuständig. Als Stimmbildner kümmerten sich Annika Fischer und Uli Groeben um die Sänger.

  • Die Band:

    Die PiuPiu Band mit Klaus Beder, Robert Prill, Stefan Brunner, Dirk Pätzold, Christoph Weighard, Sebastian Wurzer und Reinhard Greiner unter der Leitung von Thomas Basy und Ulli Forster spielten live auf der Bühne.

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