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Begegnung

Ein Kultur-Spektakel mit Gottes Segen

Eine Woche lang war Bayern in Pilsen zu Gast. Auch die Regensburger möchten nun die Freundschaften weiter ausbauen.
Von Daniel Steffen, MZ

Der deutsch-tschechische Gottesdienst war einer der Höhepunkte der Bayerischen Kulturtage. Mehr als 1000 Besucher kamen, als die Bischöfe Voderholzer und Radkovský die Messe zelebrierten.
Der deutsch-tschechische Gottesdienst war einer der Höhepunkte der Bayerischen Kulturtage. Mehr als 1000 Besucher kamen, als die Bischöfe Voderholzer und Radkovský die Messe zelebrierten. Fotos: Daniel Steffen

Pilsen.Bunt, bunter, Pilsen. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich in der Ruß in der westböhmische Metropole wie ein dichter Schleier über die Stadt legte. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Pilsen touristisch hinter der Hauptstadt Prag verstecken musste. Als sprichwörtlich blühende Kulturhauptstadt Europas hat sich die 170 000 Einwohner zählende Stadt mittlerweile fein herausgeputzt – und zieht auch gerade aus der Region Ostbayern immer mehr Besucher an. Und es waren viele Tausend, die sich in der vergangenen Woche auf den Weg nach Böhmen gemacht hatten. Mit den „Bayerischen Kulturtagen“ zogen die Organisatoren vom Centrum Bavaria Bohemia Schönsee gleichermaßen das Interesse tschechischer und deutscher Besucher auf sich.

Mit zahlreichen kulturellen Aktionen stellten sich Vereine, Organisation und Künstler den böhmischen Nachbarn vor – und machten den Freistaat in seiner ganzen Bandbreite erlebbar. Mit der Aktion „Blumen für Pilsen“ bedankten sich die Besucher aus Bayern dafür, an den Feierlichkeiten zu „Pilsen 2015“ teilnehmen zu dürfen. Um diesen Dank sichtbar zu machen, hatten sich die Gäste etwas Besonderes ausgedacht: Unter der Projektleitung von Gabi Gilch fertigten sie auf dem zentralen Platz der Republik aus 9000 Tulpen das „Pilsen 2015“-Logo an. Ferner verteilten Buben und Mädchen aus tschechischen und böhmischen Schulen ihre Blumengrüße an die Pilsener Bevölkerung.

Die Akteure der Doktor-Eisenbarth-Festspiele Oberviechtach traten mit Jonglage und anderen Künsten in Aktion.
Die Akteure der Doktor-Eisenbarth-Festspiele Oberviechtach traten mit Jonglage und anderen Künsten in Aktion.

„Das ist Europa, das ist die Freiheit“

OB Joachim Wolbergs und Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle zeigten ihrerseits, dass ihnen an einer guten deutsch-tschechischen Nachbarschaft viel gelegen ist. „Früher war es ganz schwer, überhaupt in die Tschechoslowakei zu kommen. Jetzt setzten wir uns ins Auto – und sind in eineinhalb Stunden hier. Das ist Europa, das ist die Freiheit“, sagte Wolbergs unter dem Jubel der Menge.

Dr. Spaenle betonte indes: „Es ist ein wunderbares Ereignis, wenn wir hier 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein bayerisch-tschechisches Kulturfest feiern.“ Die „längste Grenze“, die der Freistaat mit jener Tschechischen Republik teile, sei „längst keine mehr“.

Die Brauerei Kneitinger schenkte in Pilsen ihr Bier aus.
Die Brauerei Kneitinger schenkte in Pilsen ihr Bier aus.

„Ich freue mich, wie unsere Regionen zusammengewachsen sind“, betonte Regierungspräsident Axel Bartelt. Dem Konzert der Regensburger Domspatzen am Donnerstag maß er eine besondere Bedeutung bei: „Es war das erste Mal überhaupt, dass die Domspatzen in einer Synagoge gesungen haben. Gerade vor dem geschichtlichen Hintergrund ist dies ein ganz besonders Zeichen des Zusammenwachsens in Europa“.

Ihr Band der Freundschaft festigten am Samstag auch die Regensburger und Pilsener Diözese. Rund tausend Gläubige waren aus verschiedenen Teilen Bayerns nach Pilsen gereist, um ihren gemeinsamen Begegnungstag zu feiern. Allein zehn Busse rollten aus Regensburg an. Höhepunkt war gegen 16 Uhr der deutsch-tschechische Gottesdienst, den die Bischöfe Rudolf Voderholzer und František Radkovský zweisprachig zelebrierten.

Das Jugendblasorchester St. Konrad musizierte am Sonntag Vormittag auf dem Platz der Republik.
Das Jugendblasorchester St. Konrad musizierte am Sonntag Vormittag auf dem Platz der Republik.

Über der Stadt thront das Kreuz

„Wohl der Stadt, deren schönste und wertvollsten Gebäude nicht die Fabriken, die Hochhäuser und die Einkaufszentren sind“, sagte Bischof Voderholzer – und hatte hierbei Pilsen im Blick. Wohlgefallen fand er auch daran, dass das Kreuz der St.-Bartholomäus-Kathedrale, in der die Messe gefeiert wurde, hoch über der Kulturhauptstadt thront. Dies biete den Menschen Orientierung und stifte Identität. Das 103 Meter hohe Gotteshaus war zudem in architektonischer Hinsicht begehrt – und gemeinsam mit den umliegenden Häusern am Platz der Republik ein beliebtes Fotomotiv.

„Der Platz sucht seinesgleichen“, befand Renate Zimmerer aus Wiesent, die an der Busreise nach Pilsen teilgenommen hatte. „Er ist schön groß und weit – aber es fehlt an Grün.“ Insbesondere die „herrlichen Fassaden“ der Häuser hätten sie beeindruckt.

Auch Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (3.v.r.) und OB Joachim Wolbergs (3.v.l.) richteten ihre Blumengrüße aus.
Auch Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (3.v.r.) und OB Joachim Wolbergs (3.v.l.) richteten ihre Blumengrüße aus.

Am Sonntag wartete die Oberpfalz auf dem Platz der Republik mit einem üppigen kulturellen Programm auf. Zwar war der Further Drache als Attraktion nicht zu schlagen, doch mischten auch Regensburger Vereine fleißig mit. Unermüdlich trommelte sich die Samba-Formation „Sarará“ in die Herzen, munter spielte das Jugendblasorchester St. Konrad auf. Die Sozialen Initiativen und die Brauerei Kneitinger sorgten für Speis und Trank.

Das sonnige Wetter machte durstig: Bis zu 30 Meter standen die Menschen am Stand Schlange, um sich ein Bier „Made in Bavaria“ zu gönnen. „Dass auch die Pilsener unser Bier gern mögen, da können wir schon stolz drauf sein“, freute sich Brauerei-Geschäftsführer Martin Sperger.

Die Bayerischen Kulturtage

  • Veranstaltungen:

    Bayern ist mit über 40 Veranstaltungen und Projekten im Rahmen des Projekts „Regio2015“ am Kulturhauptstadtprogramm in Pilsen beteiligt.

  • Kulturhauptstadt:

    Die „Bayerischen Kulturtage“ vom 20. bis 26. April stellten den Höhepunkt der bayerischen Beiträge des Programms zur Kulturhauptstadt dar.

  • Projekte:

    Unter der Leitung des Centrums Bavaria Bohemia wurden die Projekte gemeinsam mit der Stadt Regensburg und dem Büro „Plzen 2015“ organisiert. (mds)

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