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Oper

Ein Mädchen setzt sich durch

Die Premiere von „Die drei Rätsel“ wurde minutenlang bejubelt. Cantemus Chor und Theater Regensburg arbeiteten zusammen.
Von Angelika Lukesch

Prinz Scharado (Moritz Preis, links) und Lasso (Charlotte Haber) brechen auf eine ungewisse Reise auf. Fotos: Angelika Lukesch
Prinz Scharado (Moritz Preis, links) und Lasso (Charlotte Haber) brechen auf eine ungewisse Reise auf. Fotos: Angelika Lukesch

Regensburg.Ein bisschen Turandot, ein wenig Hänsel und Gretel, eine Reihe von skurrilen Figuren und im Mittelpunkt ein selbstbewusstes Mädchen und ein hübscher Prinz: Das ist die Erfolgsmischung der Oper von „Die drei Rätsel“ des zeitgenössischen Komponisten Detlef Glanert (58).

Der Cantemus Chor und das Theater Regensburg feierten am Samstagabend mit diesem musikalischen Werk eine umjubelte Premiere im Velodrom. Die musikalische Leitung hatte Matthias Schlier. Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche waren von der Darbietung, die scheinbar mühelos von Kindern und Erwachsenen präsentiert wurde, hingerissen – der Applaus wollte minutenlang nicht enden. Denn das ist eine Besonderheit an dieser zeitgenössischen Oper: Das Konzept sieht vor, dass Laien und Profis zusammenarbeiten, in diesem Fall die jungen Sänger des Cantemus-Chores, Erwachsene aus dem Umfeld des Chores und Profis des Theaters Regensburg. Das Konzept betrifft auch die Akteure im Orchestergraben. Mitglieder des Cantemus-Chores musizierten zusammen mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Regensburg unter der Leitung von Angelika Achter.

Premiere

Ein selbstbewusstes Mädchen

Die Oper „Die drei Rätsel“ stellte große Anforderungen an die Chorkinder von Cantemus, vor allem jedoch an die beiden Hauptdarsteller Charlotte Haber und Moritz Preis. Charlotte hatte die Hauptrolle des Mädchens Lasso übernommen. Lasso ist ein sehr selbstbewusstes Mädchen, das genau weiß, was es will. Sie hört, dass in dem fernen Land Busillis Prinz Scharado (Moritz Preis) das Mädchen heiraten wird, das ihm drei unlösbare Fragen stellt.

Schnell ist für sie klar, dass sie das sein will. Leider ist ihre Mutter – wunderbar böse und bedrohlich von Ruth Müller gespielt – mit ihrem Vorhaben nicht einverstanden. Sie will Lasso davon abhalten und gibt ihr einen vergifteten Kuchen mit auf die Reise. Doch der Kuchen wird nicht von Lasso gegessen, sondern von einem sehr penetranten Wildschwein, das sie im Wald trifft und von Räubern, die sie überfallen. Lasso trifft den schrillen Galgenvogel, den Juan Carlos Falcón skurril und liebenswert spielte, und findet in ihm einen Kameraden für ihre Reise. Als sie in Busillis ankommt, und auf Prinz Scharado trifft, stellt sie ihm drei Rätsel, die er tatsächlich nicht lösen kann.

Der intrigante Hofstaat will dies jedoch nicht gelten lassen und setzt Lasso unter Druck. Doch das Mädchen gewinnt die Zuneigung des Prinzen, bringt ihm wieder bei zu lachen, und triumphiert schließlich auch über Scharados böse Mutter und deren boshafte Untergebenen.

Die Oper

  • Komponist:

    Detlef Glanert schrieb die Oper „Die drei Rätsel“ für das Opernhaus in Halle.

  • Uraufführung:

    Zum ersten Mal wurde die Oper 2003 aufgeführt.

  • Text:

    Das Libretto schrieb Carlo Pasquini, die deutsche Übersetzung stammt von Erdmuthe Brand.

  • Zuschauer:

    Detlef Glanert betont, dass „Die drei Rätsel“ keine „Kinder-Oper“ sei, sondern eine Oper für Kinder wie auch Erwachsene.

  • Hauptfiguren:

    In der Originalversion geht es um den Jungen Lasso, der Prinzessin Scharada heiraten will. In Regensburg wurden die Geschlechterrollen vertauscht.

  • Die Geschichte:

    Es geht um den Weg zweier Jugendlicher in das Erwachsenenalter.

  • Märchen:

    In der Oper „die drei Rätsel“ wurden Elemente aus Turandot und Hänsel und Gretel verarbeitet.

  • Das pädagogische Ziel:

    Detlef Glanert will, „dass sowohl Jugendliche als auch Erwachsene ohne musikalischen Beruf etwas über den Kern des Musiktheaters erfahren.“(Mitteldeutsche Zeitung, 8. März 2003)

Detlef Glanerts Oper ist ein Stück, bei dem ein spannendes Auf und Ab der Gefühle musikalisch dargestellt wird. Es ist ein Kampf zwischen Alt und Jung, der – und das ist das Besondere daran – nur auf der Bühne stattfindet. Hinter den Kulissen bietet diese Oper in der Zusammenarbeit zwischen erwachsenen Profis und jugendlichen Laien eine wunderbare Chance, generationenübergreifend zusammenzuarbeiten. Die Darsteller auf der Bühne des Velodroms kann man nicht genug loben. Charlotte Haber zeigte eine überaus gute und sehr ansprechende schauspielerische Leistung. Man nahm ihr die selbstbewusste, lässige und optimistische Lasso zu jeder Minute ab.

Noch mehr zu loben und hervorzuheben ist ihre gesangliche Leistung, die sich in höchst anspruchsvollen Liedern und Arien manifestierte. Moritz Preis faszinierte ebenso. Er gab dem Prinzen eine anrührende Verletzlichkeit, die der seiner Stellung im Land Busillis geschuldeten Freudlosigkeit entsprang. Auch er brillierte mit seiner Stimme und ließ ebenso wie Charlotte Haber vergessen, dass hier zwei Kinder auf der Bühne standen.

In der Oper „Die drei Rätsel“ gibt es eine Reihe von Gruppen, die von den Kindern der Grundschulen Prüfening, Königswiesen, Gerhardingerschule, Waldorfschule und der Montagschorgruppe dargestellt wurden. Die rund 200 Chorkinder sangen mit Emphase und großem Ausdruck und stellten die Räuber, den Mondchor, die Alchimisten, das Volk, die Kneipenbesucher und die Sterndeuter dar. Der Off-Chor, der das Geschehen auf der Bühne musikalisch unterstützte, bestand aus Cantemus Sängern aus Chor C und Cantemus Neo.

Mörderisch und skurril

Die böse Frau Knochen (Esther Baar) mit ihren treuen Helfern.
Die böse Frau Knochen (Esther Baar) mit ihren treuen Helfern.

Die erwachsenen Sänger auf der Bühne lieferten Bestleistungen ab. Ruth Müller zeigte feixende Bosheit als böse Mutter von Lasso. Juan Carlos Falcón brillierte als bunter Galgenvogel. Daniel Kidd als Tartarus und Philipp Blank als Avernus zogen alle Register der schrägen Skurrilität. Einen darstellerischen Augen- und Ohrenschmaus bot Esther Baar als mörderisch-wütende Frau Knochen, ebenso wie Antonia Bach als süße Muschel. Roman Klare gab den naiven Kontrapart zur Frau Knochen als dekadenter König Zefalus. Detlef Glanerts Oper bot dem Cantemus Chor und dem Theater Regensburg eine wunderbare Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu sein.

Aus der Spannung zwischen Profis und Laien ergab sich eine gegenseitig befruchtende Inszenierung. Die Regie hatte Marie-Christine Lüling. Für die Dramaturgie zeichnete Christine Schmidt verantwortlich und für die Kostüme Maria Preschel.

MEHR INFORMATIONEN UNTER:

www.mittelbayerische.de

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