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Neuerscheinung

Ein Maler im Auftrag Ihrer Majestät

Die Regensburgerin Carola Kupfer und Wolfgang Schröck-Schmidt ranken eine unterhaltsame Erzählung um Johan Zoffany.
Von Matthias Kampmann, MZ

Carola Kupfer vor einem Zoffany-Bild: Die Regensburger Kunsthistorikerin stellte mit Wolfgang Schröck-Schmidt einen historischen Roman über „den unglaublichen Zoffany“ vor.
Carola Kupfer vor einem Zoffany-Bild: Die Regensburger Kunsthistorikerin stellte mit Wolfgang Schröck-Schmidt einen historischen Roman über „den unglaublichen Zoffany“ vor. Foto: M. Koob

Regensburg.Tja, wer nicht weiß oder wissen will, der schmäht eben. Und das in derbem Oberpfälzisch. „Mei, so a Sauerei…“ Mit diesen Worten beginnt im Jahr 1791 die Handlung des neuen Romans von Carola Kupfer und Wolfgang Schröck-Schmidt über den Maler Johan Joseph Zoffany, den die Autorin am Dienstagabend im Rahmen einer Lesung im Café des Historischen Museums vorstellte.

Die Magd Rosl schimpft über ein Graffito, einen Satz aus dem Aphorismus des Hippokrates, den ein Schelm an die Hauswand der damaligen Wohnstätte der Thurn und Taxis geschmiert hat: „Ars Longa Vita Brevis“, was meint: Die Kunst währt, das Leben ist kurz. Dieser Satz besitzt Adlerschwingen. Er prägte spätestens seit dem Barock die Kunsttheorie. Er ziert ein Selbstporträt des „unglaublichen Zoffany“ – dessen Leitmotiv schlechthin mit Blick auf das reale Leben.

Das besagte Selbstporträt mit Stundenglas und Totenschädel von 1778, heute in den Florentiner Uffizien daheim, prangt auf dem Cover des Romans, in dem nicht nur Rosl, sondern auch Zoffanys Frauen, Gesandte oder gar der Großherzog Österreichs und HRR-Kaiser Leopold II. glanzvolle, aber auch bisweilen deftige Auftritte haben. Und natürlich darf Jacob von Bardenfleth nicht fehlen. Der Schelm, eine Kunstfigur von Kupfer, der uns die humorvolle Seite der Aufklärung zeigt, geistert ja stets durch die Zeilen der Autoren.

Dr. Hermann Reidel, Diözesankonservator, und Autorin Carola Kupfer
Dr. Hermann Reidel, Diözesankonservator, und Autorin Carola Kupfer Foto: M. Koob

Als Kunsthistorikerin steht Kupfer mit einem Bein in der normativen Welt des Faktischen, aber im Roman lässt sie ihrer Fantasie die Freiheit. Ob Zoffany, der 1791 ein letztes Mal in Regensburg auf diplomatischer Mission war, tatsächlich in Kalkutta Geliebte hatte, ist auch gar nicht die Frage. Ein Panoptikum im Jahrhundert der Französischen Revolution entfaltet sich, und man erinnert sich an Werner Hofmanns großartige Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle „Aufklärung, Verklärung, Verfall“, in der die Widersprüchlichkeit dieser Zeit in voller Breite offenbar wurde.

Mitbegründer der Royal Academy

Aber der tiefgründige Satz vom Beginn des unterhaltsamen Buchs lässt einen nicht los. Im Roman prangt er nicht nur in Versalien am damaligen Freisinger Hof, von 1748 bis 1792 Mietwohnstatt derer von Thurn und Taxis. Johan Zauffely, später John Zoffany, Jahrgang 1733, war ein Künstler zwischen den Stühlen. Böhmischstämmig, erlernte er in Regensburg das Malerhandwerk bei Martin Speer (1701-1765). Eine schöne Szene im Roman ist die frühlingshafte Adoleszenz, die sich unterleibsfixiert auf die Tändlergassen-Sibylle kaprizierte. Die Hübsche stand in der Werkstatt Modell, wurde aber einem Schmied versprochen. Die „Drei Grazien“, so will’s die schriftstellerische Freiheit, habe Zoffany nach ihr gemalt. Auf andere Gedanken sollte er kommen.

„Der unglaubliche Zoffany“: Carola Kupfer und Wolfgang Schröck-Schmidt haben ein Buch über den Künstler geschrieben, der in Regensburg das Malen erlernte und in London die Royal Academy mitbegründet hat.
„Der unglaubliche Zoffany“: Carola Kupfer und Wolfgang Schröck-Schmidt haben ein Buch über den Künstler geschrieben, der in Regensburg das Malen erlernte und in London die Royal Academy mitbegründet hat. Foto: M. Koob

Seinen Ruhm begründete Zoffany allerdings mit Porträts – aber in England. Selbst wenn er dort wesentlich bekannter ist als hierzulande, war er dort auch nicht wirklich beheimatet. Regensburg jedenfalls versäumte es 2010, angemessen an den 200. Todestag zu erinnern. Der Maler war immerhin Mitbegründer der Royal Academy zu London. Vielleicht braucht es ja die Kunst des Romans, damit die sie und ihre unvergesslichen Helden hierorts im Gedächtnis bleiben. Denn wer nicht weiß, oder wissen will, der schmäht oder verschmäht eben. Die Kunst schert das letztlich wenig: Sie „würde den momentanen Wandel der Gesellschaftsordnung überstehen – das Leben der Herrschenden hingegen war vielleicht nur noch kurz“.

Der unglaubliche Zoffany

  • Das Buch

    Das Buch trägt den Untertitel „Ein pralles Künstlerleben zwischen Regensburg, Rom, London und Kalkutta und ist im MZ Buchverlag im H. Gietl Verlag &Publikationsservice erschienen. Der Titel im festen Einband hat 167 Seiten und kostet 16,90 Euro.

  • Die Autoren

    Carola Kupfer, Regensburger Autorin, und Wolfgang Schröck-Schmidt, der die Fakten recherchiert hat, erzählen das Leben eines Malers im 18. Jahrhundert, in dem ein Künstler als Diplomat allerlei Verwirrungen zu durchleben hat und sogar in Indien lebte und liebte. Dabei bleibt der Roman eine Fiktion, die mit Fakten gespickt ist.

  • Der Maler

    Johann Joseph Zoffany, der bei Martin Speer in Regensburg das Malen erlernte, wurde vor allem in England mit seinen Porträts berühmt. Dass er Mitbegründer der Royal Academy war, ist einer der vielen Belege für die Bedeutung des hierzulande unterschätzten Künstlers. Der Künstler war fester Bestandteil der höheren Gesellschaft und kam zu Lebzeiten zu Reichtum.

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