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Architektur

Ein neues Leben für die Villa Boin

Ein Arbeitskreis schöpft nach dem Abriss des Gärtnerhauses im Regensburger Königswiesen-Park neue Hoffnung.
Von Daniel Steffen

Stefan Ebeling (l.) und Joachim Buck erinnern mit einem Plakat an das abgerissene Gartenhaus.  Foto: Steffen
Stefan Ebeling (l.) und Joachim Buck erinnern mit einem Plakat an das abgerissene Gartenhaus. Foto: Steffen

Regensburg.Der „Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger“ steckt nicht auf: Auch gut zwei Monate, nachdem das historische Gartenhaus im Königswiesen-Park (mit Ausnahme der Rückwand) dem Erdboden gleich gemacht worden ist, pocht der Arbeitskreis darauf, dass zumindest die Erinnerung an das geschichtlich wertvolle Gebäude aufrecht erhalten bleibt.

Darum schritt er zur Tat und verzierte den Absperrzaun mit einem Plakat von einem historischen Stich aus dem Jahr 1895, der das dreistöckige Gebäude noch in seiner früheren Form mit einem kleinen Teich und einem Springbrunnen zeigt. Damals, so weiß der Arbeitskreis-Vorsitzende Joachim Buck, befand sich dort das Königswiesener Gut, auf dessen Areal ab Ende der 60er-Jahre die Neubausiedlung Königswiesen-Nord entstand.

„Sanierung wäre möglich gewesen“

Das Gartenhaus war das letzte erhaltene Gutsgebäude und architektonisch mit dem berühmten Weimarer Gartenhaus verwandt. Neben dem Stich erinnert der Arbeitskreis an einen berühmten Gast des Gartenhauses, den Komponisten Max Reger. „In den Jahren 1887 bis 1889 verweilte er in den Sommermonaten in dem Haus“, sagt Arbeitskreis-Mitglied und Architekt Stefan Ebeling. Auch beruflich beschäftigt er sich mit Sanierungen und Bauforschung und sagt, dass eine Sanierung des Gebäudes „sehr wohl möglich“ gewesen sei.

Immobilie

Villa Boin dem Erdboden gleich gemacht

Das Gärtnerhaus im Königswiesen Park in Regensburg ist gefallen. Die Schützer des Anwesens sind enttäuscht.

Auch wenn die Stadt zunächst die nun frei gewordene Fläche neu begrünen will, bleibt dem Arbeitskreis die leise Hoffnung, dass zumindest Vorschläge für eine gärtnerische Neugestaltung aufgenommen werden. Ihm schwebt vor, hierbei Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule mit ins Boot zu nehmen und eine Freiflächenplanung anzugehen, die an jenes Gartenhaus erinnert. Die Studenten hätten sich bereits im Vorfeld des Abrisses sehr für das historische Gebäude engagiert, betonen Buck und Ebeling.

Stadtrat beschloss den Abriss

Aber auch sie konnten den Abriss des ehemaligen Gärtnerhaus nicht verhindern. „Vermutlich wollte die Stadt eine einmal getroffene Entscheidung nicht mehr revidieren“, mutmaßt Buck, der darauf verweist, dass der Grundstückssauschuss den Beschluss zum Abriss des Gärtnerhaus bereits 2017 gefasst hatte – in nicht öffentlicher Sitzung. Anders könne er sich das spätere „Nein“ des Ferienausschusses zum Erhalt des Gebäude nicht erklären.

Die Villa Boin

  • Lage:

    Im Königswiesenpark liegt unweit der Kleingartenanlage Georg Hehr das ehemalige Gärtnerhaus der Stadt.

  • Zukunft:

    Das romantische Anwesen steht seit 2015 leer.

Edmund de Boutteville hatte das Königswiesener Gut 1829 zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb samt Gartenhaus und Park ausbauen lassen. Bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude als landwirtschaftliches Gut genutzt, drei Jahrzehnte zuvor war es in städtischen Besitz übergegangen. Und: „Es war das letzte Zeugnis einer früheren Besiedlung in Königswiesen“, betont Buck.

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