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Auszeichnung

Ein Preis für Zwei, die gerne anecken

Pater Clemens Habiger und Alexander Probst wurden mit dem Pax Christi, einem Preis für Zivilcourage, ausgezeichnet.
Von Florian Sendtner, MZ

Die Preisträger Alexander Probst (r.) und Pater Clemens Habiger im Leeren BeutelFoto: Florian Sendtner
Die Preisträger Alexander Probst (r.) und Pater Clemens Habiger im Leeren BeutelFoto: Florian Sendtner

Regensburg.Wenn eine Festrede, eine Laudatio, von „Störenfrieden“ handelt, von „Nestbeschmutzern“, von „Verrätern“ – dann ist man bei der Verleihung des Preises für Zivilcourage, den Pax Christi Regensburg seit 16 Jahren an Personen vergibt, die anecken, die ausscheren, die gegen den Strom schwimmen – und denen damit ein Befreiungsschlag gelingt, von dem auch viele andere profitieren. Die Preisträger diesmal: Pater Clemens Habiger und Alexander Probst.

Kampf für einen Gott im Staub

Pater Clemens muss man nicht vorstellen. Ganz Regensburg kennt den Kapuzinerpater, der den „Hochwürden“ schon lange an den Nagel gehängt hat und stattdessen für seinen Gott im Staub kämpft. In seinem alten R4 sieht man Pater Clemens durch die Stadt tuckern, und meistens ist er auf dem Weg in die Justizvollzugsanstalt. Für diejenigen, die von der Gesellschaft fallengelassen werden wie eine heiße Kartoffel, ist Pater Clemens, der gerade 75 geworden ist, oft der Einzige, der sich noch ernsthaft mit ihnen abgibt.

Pax Christi

  • Die Bewegung Pax Christi ist eine internationale katholische Friedensbewegung. Die Bistumsstelle Regensburg verleiht seit 2001 den mit 1000 Euro (pro Preisträger) dotierten Preis für Zivilcourage. Das Preisgeld wird aus privaten Spenden finanziert.

  • Die Preisträger Der erste Preisträger war Otto Schwerdt von der Jüdischen Gemeinde, der für seine unermüdlichen Lesungen aus seinem Buch „Als Gott und die Welt schliefen“ ausgezeichnet wurde. 2017 wurde der Preis zum siebten Mal verliehen.

  • Die Auswahl Die Jury für den Preis bestand aus Prof. Konrad Baumgartner, Dr. Ingrid Dobroschke, Prof. Josef Eckstein, Helmut Heiserer, Siegfried Höhne, Max Hutzler, Christa Meier, Elisabeth Reinwald, Dr. Jörg Skriebeleit sowie Dr. Paul Winkler. (fjs)

Was das mit Zivilcourage zu tun hat? Es ging damit los, dass Pater Clemens drei Jahre mit seinem Orden streiten musste, bis dieser ihn aus dem Kloster rausließ. „Ins Leben!“ habe es ihn damals gedrängt, zu den Obdachlosen, Drogenabhängigen, Gefangenen. Und Pater Clemens, vielen noch bekannt aus seiner Zeit als Stadtjugendseelsorger 1976 bis 1982, setzte sich durch, ähnlich wie der Jesuit Alfred Welker.

Kämpferherz brach das Schweigen

Ein ebenso „großes Kämpferherz“ bescheinigte Festrednerin Sabine Demel dem zweiten Preisträger Alexander Probst, der die Mauer des Schweigens bei den Domspatzen durchbrach. Probst, Jahrgang 1960, war einer der Ersten, die 2010 ihr jahrzehntelang verdrängtes Leid bei den Domspatzen öffentlich machten: systematische physische und sexuelle Gewalt durch priesterliche Erzieher. „Von der Kirche missbraucht“ heißt sein gerade erst erschienenes Buch (die MZ berichtete), in dem er eindringlich beschreibt, „wie aus fröhlichen Jungen gebrochene Menschen wurden, die sich den Tod wünschen“, wie es Sabine Demel ausdrückte. Die Professorin für Kirchenrecht weiß, wovon sie spricht, wenn sie über „geschlossene Machtsysteme wie Kirchen und Orden“ redet. Sie hat selbst schon mehr als einmal „Mut vor dem Freund“ bewiesen, wie Pax-Christi-Vorsitzender Max Hutzler sagte.

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