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Ein Projekt verbindet zwei Schulwelten

Miracle Amadi präsentiert am Samstag in Pentling beim „Tag der offenen Tür“ ihre Lebensaufgabe in Benin City.
Von Claus-Dieter Wotruba

  • Ein Bild aus einem der Klassenzimmer in Benin City, in dem Stühle und Bänke aus der Montessori-Schule in Regensburg ihren Dienst tun. Foto: Wotruba
  • Am Samstag stellt Miracle Amadi ihren Verein beim „Tag der offenen Tür“ vor. Foto: cw

Regensburg.Der Lehrer hat die Tafel vollgeschrieben, die Schüler übernehmen sie konzentriert in ihre Hefte – der Live-Eindruck aus Benin City ist doch nur simpler Schulalltag – und dann auch wieder nicht. Denn einerseits ist so eine Schul-Alltagsszene in Regensburg nicht anders als in der Millionenstadt. Einen entscheidenden Unterschied gibt es dennoch: In Nigeria ist das vermeintlich gewöhnliche Bild durchaus besonders. Miracle Amadi stammt aus einer Großfamilie, in der sie schon mit 13 nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter zur Ersatzmama wurde. Jetzt ist Amadi schon lange in Regensburg zuhause und setzt ihren Ansatz um, wie sie in der Heimat helfen und die Weichen für eine bessere Zukunft stellen kann.

2007 kaufte Miracle Amadi ein Grundstück, 2011 begann der Schulbetrieb, 2012 wurde damals noch in München ihr Verein „Miracles Hilfsprojekt“ – das ist die Geschichte des Schulprojekts der „Rhenium International School“ in Amadis Heimatstadt Benin City im Zeitraffer. Eine Idee, die für ein Lebenswerk reicht und die Miracle Amadi ausschließlich mit vom Mund abgesparten Geld begann zu finanzieren. Ein Wunder – gleichbedeutend mit der Übersetzung von Amadis Vornamen – dass und wie es über die Jahre klappte. Inzwischen besuchen über 100 Schüler die Schule und die ersten davon nähern sich einem Abschluss.

NGO-Präsentation in Nigeria

Mit der Zeit wuchs die Verantwortung, mit der Verantwortung kamen neue Herausforderungen und mit den Herausforderungen neue Aufgaben. Miracles Hilfsprojekt musste (und muss sich noch) von einer Ein-Frau-Show zu einem Verein entwickeln, der internationalen Ansprüchen genügt und finanziell trotz der bisweilen fünfstelligen Unterstützung von namhaften Firmen für einzelne Projekte auf Jahre abgesichert ist. Anfang März wurde in Nigeria gerade mit hochrangiger Präsenz von regionalen Persönlichkeiten eine schon länger gegründete NGO der Öffentlichkeit vor Ort bei einem „Tag der offenen Tür“ präsentiert. NGO bedeutet Non-Government-Organisation, also eine regierungsunabhängige Form, ein privates Projekt.

Immer wieder bekommt Miracle Amadi bei ihren Heimatbesuchen zu spüren, wie erstaunt die Leute sind, dass eine so junge Frau sich getraut hat, ein so aufwendiges Werk ganz alleine in die Tat umzusetzen – und dabei natürlich immer wieder an ihre Grenzen stößt. Amadi, die inzwischen auf Stundenbasis bei ihrem Verein offiziell angestellt ist, hat sich längst Hilfe und Unterstützer geholt: Um alle rechtlichen Vorgaben zu erfüllen, hat jüngst Annette Halm den Vorstandsposten des deutschen Vereins übernommen und ist zum Beispiel im Begriff ein Patensystem für Schüler und Lehrer aufzubauen, um die Fixkosten kalkulierbarer zu machen. Mit Stephen von Roesgen sorgt ein Steuerberater für die Umsetzung aller Vorgaben der Finanzgesetze – und viel Transparenz. Denn Hilfsorganisationen brauchen Vertrauen, das heute so schwer zu gewinnen ist.

Miracle Amadi hat eine Aufgabe übernommen, die sie wohl ihr Leben lang begleiten wird. Ständig kommen neue Pläne, neue Visionen. Beim letzten Nigeria-Besuch mit drei Ehrenamtlichen des Vereins wurde ein Grundstück gefunden, auf dem auch behinderte Kinder in der Zukunft die Schule besuchen können sollen. Amadis Gedanke zielt besonders in diese Richtung, die Schwachen zu unterstützen. Die Schulgebühren werden so gering wie möglich gehalten, um auch Kindern aus armen Familien den Besuch zu ermöglichen. Der Blick geht auch auf die Förderung von Mädchen, die es in Nigeria immer noch besonders schwer haben, in den Genuss von Bildung zu kommen.

Ein Infotag, zwei Benefizkonzerte

In Regensburg trat Miracles Hilfsprojekt bisher vor allem mit einem Infotag im Donau-Einkaufszentrum und zwei Benefizkonzerten im Kolpinghaus in Erscheinung. Und in Benin City tun Bänke und Stühle, die die Montessori-Schule in Regensburg zur Verfügung, fleißig ihren Dienst und sind ein Zeichen der Verbindung von unterschiedlichen Welten. Die personifizierte Verknüpfung dieser Welten aber bleibt Miracle Amadi. Wer ihren Verein kennenlernen möchte, hat am Samstag Gelegenheit dazu, wieder bei einem „Tag der offenen Tür“, diesmal in Deutschland. Im von der Firma Stahl zur Verfügung gestellten Büro in Pentling (An der Steinernen Bank 1) gibt die Nigerianerin zwischen 11.30 und 16 Uhr bei afrikanischem Essen und afrikanischer Live-Musik Einblicke in die Vereinsarbeit.

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