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Aufstieg

Ein Riesenschub für die Sportstadt

Direkt profitiert Regensburg kaum vom Fußball-Erfolg. Doch als „Aufmerksamkeitsfaktor“ lässt er die Stadt weiter wachsen.
Von Julia Ried, MZ

Die Spiele gegen Nürnberg, Ingolstadt oder den FC St. Pauli könnten wohl in der kommenden Saison so viele Zuschauer ins Stadion locken wie zum Relegations-Heimspiel gegen den TSV 1860 München. Davon profitiert vor allem der Jahn – doch auch der Stadt nützt der Aufstieg. Foto: dpa
Die Spiele gegen Nürnberg, Ingolstadt oder den FC St. Pauli könnten wohl in der kommenden Saison so viele Zuschauer ins Stadion locken wie zum Relegations-Heimspiel gegen den TSV 1860 München. Davon profitiert vor allem der Jahn – doch auch der Stadt nützt der Aufstieg. Foto: dpa

Regensburg.Für den SSV Jahn bedeutet der Aufstieg finanziell einen Riesensprung nach vorn. Allein die Fernsehgelder bringen 6,5 Millionen Euro pro Saison, statt wie bisher gut 700 000 Euro. Die Stadt dagegen wird unmittelbar wirtschaftlich kaum profitieren: Die zusätzliche Stadionmiete verringert nur das Defizit, das der Betrieb der Arena bringt. Auch die touristischen Effekte dürften recht klein ausfallen, sagt der Volkswirt Markus Kurscheidt, der an der Universität Bayreuth als Professor für Sportwissenschaft im Grenzgebiet von Sport und Wirtschaft forscht. Doch könne der Jahn die Liga halten, werde die Stadt mittelfristig profitieren: Die zusätzliche Aufmerksamkeit kurble das Wachstum Regensburgs weiter an.

Der Mietvertrag des Fußballklubs mit der Stadt ist so angelegt, dass sich das Stadion auch nicht trägt, wenn der Jahn in der zweiten Liga spielt. Die Stadt rechnet mit Mehreinnahmen von etwa 200 000 Euro im Jahr, weil der Jahn nun pro Spieltag 15 000 Euro statt wie bisher 5000 Euro Stadionmiete zahlen muss. Zusätzlich kann die Stadt eine Umsatzbeteiligung von höchstens 500 000 Euro pro Saison verlangen. Doch das Defizit lag zuletzt bei 3,4 Millionen Euro. Und ob durch die erwartete höhere Auslastung höhere Nebenkosten entstehen, etwa für Müllentsorgung, Wasser und Strom, kann noch nicht beziffert werden, wie Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra mitteilt. „,Unterm Strich‘ geht der Regiebetrieb Arena Regensburg davon aus, dass die Mehreinnahmen eventuelle Mehrausgaben übersteigen werden“, sagt sie.

Mehr Arbeit für die Polizei

  • Die Vorbereitung:

    Die für die Einsätze rund um die Heimspiele zuständige Polizeiinspektion Regensburg-Süd bereitet bereitet sich auf die Zweitliga-Saison vor. Unter anderem analysiert sie in enger Zusammenarbeit mit den „szenekundigen“ Beamten aus den Städten der anreisenden Klubs und der Bundespolizei die Fanbeziehungen und das Auswärtsverhalten der erwarteten Gästefans, gibt Karin Paul Auskunft.

  • Die Einsätze:

    Nach einem ersten Blick auf die Zweitligavereine der kommenden Saison rechnet die Polizeiinspektion Regensburg-Süd „mit einer größeren Anzahl von Spielen mit erhöhtem/hohen Risiko“ und damit mit einem erhöhten Bedarf an Einsatzkräften. Das Verkehrskonzept in Abstimmung mit den Regensburger Verkehrsbetrieben, die auch Shuttle-Busse einsetzen, habe sich bewährt.

Polizisten im Einsatz bei dem Relegations-Heimspiel des SSV Jahn Foto: mds
Polizisten im Einsatz bei dem Relegations-Heimspiel des SSV Jahn Foto: mds

Die Zuschauerzahlen im städtischen Stadion werden deutlich steigen, prognostiziert Kurscheidt. Den Partien in der Arena mit gut 15 000 Plätzen sahen in der vergangenen Saison nach Angaben von Jahn-Sprecher Martin Koch im Durchschnitt etwas mehr als 6000 Menschen zu, in der Regionalliga-Saison vorher waren es durchschnittlich 6800. Kurscheidt rechnet damit, dass nun, in der zweiten Bundesliga, ein Schnitt von „an die 10 000“ erreicht werden kann.

Touristiker hoffen auf Zuwächse

Die Fans, die von außerhalb anreisen, bringen auch Geld in die Stadt, weil sie dort eventuell etwas trinken, essen oder vielleicht sogar übernachten. Darauf hofft auch die Stadttochter Regensburg Tourismus. „Die Heimspiele des SSV Jahn Regensburg werden der Hotellerie und Gastronomie mehr Umsatz bringen“, sagt Sprecher Michael Vogl. Davon ist auch Kurscheidt überzeugt. Doch dieser Effekt mache sich an einem starken Wirtschaftsstandort wie Regensburg nicht groß bemerkbar, sagt der Experte. Zwar habe Regensburg als ohnehin attraktives Reiseziel und wegen seiner Lage im Süden der Republik die Chance, dass Fans von Klubs aus dem Norden wie Hamburg oder Kiel „vielleicht ein Wochenende dableiben und sich noch ein bisschen die schöne Stadt anschauen und die Kneipendichte genießen“. Doch die weit überwiegende Zahl der Fußballfans reise an, kaufe sich im Stadion Bier und eine Wurst und reise dann wieder ab.

„Was mehr ins Gewicht fällt, über Folgeeffekte, ist die Aufmerksamkeits- und Werbewirkung.“ Kurscheidt erklärt: „Regensburg hat sowieso eine Leuchtturmfunktion für ganz Ostbayern. Aber jetzt auch im Profisport. Und da ist Fußball nun mal führend und hat die größte Außenwirkung, auch in der zweiten Liga.“ Auch der städtische Sportreferent Dr. Hermann Hage ist von dieser Wirkung überzeugt. „Die Bedeutung der wichtigsten Sportart in Regensburg hat einen Riesenschub gekriegt“, sagt er. Der Stellenwert von Regensburg als Sportstadt sei nun ist nicht mehr regional, sondern überregional. „Ich denke, das wird auf alle Sportarten ausstrahlen. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die Attraktivität von Sportveranstaltungen jeder Art steigt“, sagt er. Sicher ist er sich allerdings, dass ein Zweitliga-Fußballklub mittelfristig dazu beiträgt, dass das boomende Regensburg noch stärker wächst. „Die Attraktivität der Stadt in der subjektiven Wahrnehmung der Leute, vor allem der jungen Leute, nimmt zu.“

Kurscheidt bestätigt: Regensburg, das bisher vor allem in Süddeutschland bekannt sei, rücke nun bundesweit mehr in den Fokus. Der Erfolg des SSV Jahn locke so als „Aufmerksamkeitsfaktor“ Zuzügler an. „Das ist natürlich für Regensburg auch deshalb wichtig, weil es wirtschaftlich ein aufstrebender Standort ist.“

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Referent will Begeisterung nutzen

Sportreferent Hage erhofft sich auch, dass der Aufstieg mehr Regensburger im wörtlichen Sinn in Bewegung versetzt. Er glaubt, dass nun mehr Kinder Lust bekommen, Fußball zu spielen oder prinzipiell Sport zu treiben. Auch Kurscheidt sagt, nun sei die Chance größer, Menschen für aktiven Sport zu begeistern. Ein Selbstläufer sei das aber nicht. „Man muss Konzepte entwickeln und die Leute an die Hand nehmen.“ Daran arbeitet die Stadt. So würde Hage gern mit dem SSV Jahn kooperieren, um etwa Spieler in Schulen zu holen.

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