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Ein Seenotretter erzählt

In Regensburg berichtet ein Seenotretter von Sea Watch, wie die Mission mit Carola Rackete ablief, bei der er an Bord war.
Von Sarah Höger

Der gebürtige Forchheimer Lorenz Schramm war bei der Mission mit Carola Rackete dabei. Foto: Höger
Der gebürtige Forchheimer Lorenz Schramm war bei der Mission mit Carola Rackete dabei. Foto: Höger

Regensburg.Während Menschen auf ihrer Flucht aus den libyschen Flüchtlingscamps in Richtung Europa im Mittelmeer ertrinken, sitzt die Sea Watch 3 der gleichnamigen privaten Seenotrettungsorganisation gleichzeitig auf Sizilien fest. Seit der illegalen, spektakulären Hafeneinfahrt der Kapitänin Carola Rackete auf Lampedusa im Juni dieses Jahres ist das Schiff von den italienischen Behörden beschlagnahmt.

Die Mission hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Während die EU noch immer um eine politische Lösung ringt, hat ein Crew-Mitglied in Regensburg von seinen Erlebnissen auf dem Mittelmeer erzählt.

Auf fünf Sea-Watch-Missionen dabei

Der 29-jährige Lorenz Schramm war bereits auf fünf Missionen an Bord: „Noch ist unser Schiff beschlagnahmt, doch ich hoffe, dass wir im Januar wieder auslaufen können.“ In unaufgeregtem Ton erzählte der gebürtige Forchheimer in den Räumlichkeiten des Regensburger „LiZe“ eindrücklich vom Alltag auf einem Rettungsschiff.

Sea Watch

  • Ausgangslage

    : Als sich die damalige Kapitänin der Sea Watch 3, Carola Rackete, in der Nacht zum 29. Juni 2019 dazu entschied, trotz des Dekrets des damaligen italienischen Innenministers Matteo Salvini in den Hafen von Lampedusa einzufahren, ist sie von der italienischen Polizei festgenommen worden.

  • Stand:

    Inzwischen ist sie frei, das Schiff allerdings ist noch immer als Beweismittel auf Sizilien beschlagnahmt und darf nicht auslaufen.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bündnis gegen Abschiebelager Regensburg. Ursprünglich hatte der gelernte Krankenpfleger für eine mobile Aktionsküche auf Camps gekocht, bevor er zum Sea-Watch-Aktivisten wurde. Auf der Mission mit Rackete war Schramm als sogenannter Gästekoordinator tätig. Er hat sich um die Kommunikation mit den Geretteten gekümmert, dafür gesorgt, dass die Stimmung nicht kippt. Der Aktivist äußerte scharfe Kritik an der libyschen Küstenwache, die von der EU mitfinanziert wird.

Zusammenstöße mit der libyschen Küstenwache

Immer wieder habe es Zusammenstöße mit den Schiffen der Libyer gegeben, bei denen in einem Fall gar Menschen ertranken, berichtet Schramm: „Die kann man eigentlich auch als Miliz bezeichnen. Die machen die Drecksarbeit für Europa“. Die libysche Küstenwache rettet zwar Menschen aus Seenot, bringt sie allerdings wieder zurück nach Libyen. „Libyen ist die Hölle für die Menschen, mit menschenunwürdigen Lagern“, sagt der Aktivist. „Dort herrscht außerdem ein sehr starker Rassismus gegen schwarze Menschen. Sie werden teilweise verschleppt, versklavt oder zur Sexarbeit gezwungen“. Dass es immer noch keine politische Lösung und keine staatliche Seenotrettung gibt, sei ein Skandal.

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Ermittlungen zu Angriff auf „Alan Kurdi“

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet. Ende Oktober griffen libysche Milizen das Sea-Eye-Rettungsschiff an.

„Wir machen im Moment die Arbeit, die die EU eigentlich leisten müsste. Und werden sogar noch daran gehindert. Vor drei Woche wäre die Sea Watch 3 zum Auslaufen bereit gewesen. Doch vor der Abfahrt kam ein Brief rein, dass das Schiff immer noch als Beweismittel beschlagnahmt ist“. Wenn die Sea Watch im Winter auslaufen darf, wolle auch Lorenz Schramm wieder mit an Bord sein und Leben retten.

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