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Kirche

Ein Smiley erinnert an die Solaranlage

Nach 20 Jahren musste die evangelische Gemeinde St. Lukas die Anlage am Kirchturm abbauen. Nun keimt neue Hoffnung auf.
Von Daniel Steffen

An den Abbau der Photovoltaikanlage am Kirchturm von St. Lukas erinnert nun ein Banner mit einem traurigen Smiley. Foto: Steffen
An den Abbau der Photovoltaikanlage am Kirchturm von St. Lukas erinnert nun ein Banner mit einem traurigen Smiley. Foto: Steffen

Regensburg.Ein trauriger Smiley auf einem Banner blickt oben vom Kirchturm St. Lukas auf die Menschen herab. In der vergangenen Woche haben Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde St. Lukas das Banner angebracht. Es soll versinnbildlichen, dass viele Gemeindemitglieder betroffen darüber sind, eine einst so innovative Errungenschaft verloren zu haben. Denn an jenem Ort, wo sich heute das Banner befindet, hatte die Gemeinde St. Lukas im Jahr 1997 eine Photovoltaikanlage errichten lassen.

Zu Zeiten ihrer Errichtung war die Anlage vorbildlich für ganz Regensburg, zumal die Solartechnik noch längst nicht so verbreitet war wie heute. Mehr als 20 Jahre hatte sie am Kirchturm ihren festen Platz, ehe sie im Frühjahr diesen Jahres abgerissen werden musste – gezwungenermaßen, wie Pfarrer Klaus Weber sagt.

Anlage war im guten Zustand

„Es ist ja nicht so, dass sie kaputt gewesen wäre oder sich die Gemeinde nicht länger mit so einem Projekt identifiziert hätte“, erklärt der Geistliche. Der Grund für die Abnahme liege viel weiter zurück. Weber: „Leider wurde es damals versäumt, bei dem Architekten eine urheberrechtliche Genehmigung für die Veränderung der Fassadengestaltung des Turms einzuholen.“ Da der Architekt zwischenzeitlich verstarb, liege das Urheberrecht bei der Witwe des Verstorbenen. Zunächst habe die Witwe einer Duldung der Solaranlage zugestimmt, sei aber später „nicht mehr bereit gewesen, diese Erlaubnis zu verlängern“.

Wie Weber erklärt, sah sich der Kirchenvorstand der Gemeinde nach der rechtlichen Klärung der Situation dazu verpflichtet, die Anlage „schweren Herzens abbauen“ zu lassen. Der Pfarrer macht keinen Hehl daraus, dass dies viele Gemeindemitglieder nur mit großer Enttäuschung und Unverständnis hinnahmen. Auch das solle das Banner zum Ausdruck bringen.

Der Pfarrer weiß um den „großen Enthusiasmus“, der in der Gemeinde vorherrschte, als die Anlage im Jahr 1997 errichtet wurde. Sowohl die Stadt als auch die Bayerische Landeskirche und der Bund Naturschutz hätten sich an den Kosten beteiligt, auch viele private Spenden habe es für das Projekt gegeben. Ganz bewusst sei die Photovoltaikanlage am Kirchturm angebracht worden – „weil damit weithin sichtbar für die Bewahrung der Schöpfung geworben werden konnte“.

Mehrere Lichtblicke am Horizont

Ein paar Lichtblicke gebe es nach dem erfolgten Abriss dennoch: „Noch kurz vor der Abnahme der Anlage wurde die Photovoltaikanlage in den Klimaschutzweg Regensburg mitaufgenommen“, sagt Pfarrer Weber. Die (nun nicht mehr vorhandene) Anlage bilde die zweite Station auf dem Weg durch den Stadtnorden. Einige Wochen soll das Banner noch an der Kirche hängenbleiben, ehe an der Kirche eine Schautafel an die Photovoltaikanlage erinnert. Weber schätzt, dass die Tafel „in den nächsten vier bis acht Wochen“ aufgestellt wird – als „Erinnerung an eine Pionieranlage der nachhaltigen Energiegewinnung im Stadtteil“.

Die Kirchengemeinde St. Lukas hat noch Größeres vor: „Wir klären momentan, ob auf dem Pfarrhausdach gleich neben der Kirchenwiese eine neue Photovoltaikanlage angebracht werden kann.“ Auf diese Weise wolle man „den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung in der Gemeinde lebendig halten“ und „tatsächlich nachhaltig im Kleinen wirtschaften“.

Die Anlage sei für den Eigenverbrauch des Pfarramts, der Pfarrwohnung und der Kirche gedacht. „Je nachdem, ob wir mit oder ohne Speicher arbeiten, würde die Anlage zwischen 12 000 und 20 000 Euro kosten“, sagt Pfarrer Weber. „Die Kosten lägen bei der Gemeinde. Wir hoffen aber auf Zuschüsse und Spenden.“ Zuvor müsse noch die Gesamtkirchenverwaltung der Stadt dem Bau zustimmen. Ein statisches Gutachten liege bereits vor. Demnach sei das Pfarrhausdach „für die Anbringung einer Anlage geeignet“, sagt Weber.

Besitzerwechsel nach 20 Jahren

  • Errichtung:

    Im Jahr 1997 ließ die evangelische Kirchengemeinde St. Lukas eine Solaranlage an ihrem Kirchturm anbringen. 20 Jahre hatte sie dort ihren festen Platz, ehe sie im Frühjahr diesen Jahres abgerissen werden musste.

  • Verkauf:

    Wie Pfarrer Weber sagt, war die Anlage all die Jahre in einem sehr guten Zustand. Deswegen sei es der Gemeinde St. Lukas gelungen, die Photovoltaikanlage an einen privaten Käufer zu veräußern. Dieser habe die Anlage bereits installiert. (mds)

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