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Glaube

Ein Tisch voller brennender Taufkerzen

Sechs Pfarrer haben am Sonntag in der Dreieinigkeitskirche 43 Regensburger getauft – vom Säugling bis zum Erwachsenen.
Von Michael Scheiner, MZ

  • Beim Abschlusslied waren die Dekane Roman Gerl (links) und Eckhard Herrmann bunt beschirmt. Foto: Scheiner
  • Dekan Roman Gerl (links) sichert die Osterkerze, während eine Taufkerze entzündet wird. Foto: Scheiner
  • Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet, links Dekan Eckhard Herrmann. Foto: Scheiner
  • Pfarrer Klaus Göldner von St. Johannes tauft einen von sieben Täuflingen aus seiner Kirchengemeinde. Foto: Scheiner
  • Pfarrerin Christiane Weber und Pfarrer Roland Türme waren die Initiatoren des Tauffestes. Foto: Scheiner

Regensburg.„Gut beschirmt“ sollen alle durchs Leben gehen, meinte Liedermacher Johannes Matthias Roth in der Dreieinigkeitskirche. Beim Tauffest im Jahr des Reformationsjubiläums stimmte der „singende Pfarrer“ deshalb am Ende sein Mutmachlied „Beschirmt, beschützt, in deiner Hand“ an. Tochter Christiana holte einige große Schirme in knallbunten Regenbogenfarben aus dem Chorgestühl und drückte sie dem Dekan und Taufpaten in die Hand. Das muntere Lied, das Roth noch in einen Rap verwandelte, unterstrich sie mit Kindern zusammen mit einfachen Gesten.

Unterm Schirm wippten derweil die beiden Dekane Eckhard Herrmann und Roman Gerl in bester ökumenischer Manier mit, als der kirchlich-zeremonielle Teil der ungewöhnlichen Tauffeier endete. Vorausgegangen war ein Gottesdienst, bei dem vom Säugling bis zum 40-jährigen Erwachsenen 43 Regensburger von Pfarrern aus sechs verschiedenen Kirchengemeinden getauft worden sind. In den Seitengängen der voll besetzten Kirche waren dazu zusätzlich zum fest installierten Taufstein fünf weitere mobile Taufbecken aufgebaut worden. Nach Farben geordnet sammelten sich die Täuflinge aus jeder Kirchengemeinde mit Paten und Angehörigen im Bereich ,ihres‘ Pfarrers.

„Was ist Taufe“ fragten der evangelische, Herrmann, und der katholische Dekan, Gerl, und gaben sich abwechselnd selbst Antworten zum Taufverständnis als „Ja Gottes zu uns Menschen“ und Aufnahme in die christliche Gemeinschaft. Anschließend traten die Familien nacheinander an die Taufbecken, um die Taufe mit Wasser als Symbol lebensspendender Kraft zu vollziehen. Meist war es ein Kind, das getauft wurde, bei einigen Familien waren es zwei, drei und einmal sogar vier Täuflinge. Danach entzündeten die Kinder oder Paten vorn im Altarbereich die traditionelle Taufkerze, die brennend von den Dekanen auf einem Tischchen aufgereiht wurden.

Der Anstoß für das Tauffest ging von Pfarrerin Christiane Weber aus, die es mit Roland Thürmel, Pfarrer für Dekanatsentwicklung, ins Rollen brachte. Für sie stand dahinter der Gedanke, „dass es in Regensburg rund 1000 Kinder mit einem evangelischen Elternteil gibt, die nicht getauft sind.“ Zudem wollten sie mit dem anschließenden, von der Kirche ausgerichteten Fest im gegenüberliegenden Alumneum auch Alleinerziehenden und Familien mit schmalem Haushaltsbudget die Möglichkeit zum entspannten und geselligen Feiern eröffnen.

Im Innenhof des Alumneums war ein Spielfeld für Kinder aufgebaut, das von Freiwilligen der Evangelischen Jugend betreut wurde, während es im Haus auch Spielmöglichkeiten für kleinere Kinder gab. Im ersten Stock waren in verschiedenen Sälen festlich dekorierte Tische aufgebaut, es gab Kaffee und Getränke. An einer beeindruckenden Kuchentheke bildete sich eine lange Schlange mit Tellern ,bewaffneter‘ Gäste, die teils misstrauisch, teils stoisch beobachteten, wie sich vor ihnen die Kuchentabletts zu leeren begannen.

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