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Literatur

Ein Traktor war ihr erster Held

Die Regensburgerin Sabine Eva Rädisch ist Bauingenieurin und Autorin. „Brot und Bitterschokolade“ ist ihr erstes Buch.
Von Angelika Lukesch

Autorin Sabine Eva Rädisch findet Inspirationen für ihre Geschichten auch im Café. Foto: Lukesch
Autorin Sabine Eva Rädisch findet Inspirationen für ihre Geschichten auch im Café. Foto: Lukesch

Regensburg.Wie sieht ein Mensch aus, der auf dem Land aufgewachsen ist, als Bauingenieur arbeitet und sich selbst als Schriftsteller erlebt? Sabine Eva Rädisch (43) ist eine zurückhaltende, dunkelhaarige Frau, die genau überlegt, ehe sie antwortet und weit davon entfernt ist, sich selbst anzupreisen. Das Beeindruckendste an ihr sind ihre Augen, in denen sich ganze Welten widerspiegeln: Welten der Fantasie, in denen alles passieren kann, Welten des glücklichen Alleinseins in der Natur – als Kind ganz mit sich im Reinen, Welten, in denen die vordergründige Last des Alltags verschwindet und in einem Meer der glücklichen Selbstvergessenheit verschwindet. Vor Kurzem veröffentlichte die gebürtige Niederbayerin ihr erstes Buch mit dem Titel: „Brot und Bitterschokolade“. Es handelt „natürlich“, lächelt die Autorin, von der Liebe, von den Beziehungen zweier Menschen zueinander, doch auch von Selbstfindung, Selbstzweifeln und Rätseln. Natürlich gibt es ein Happy End, denn „das Leben ist so schon schwierig genug“, sagt Rädisch.

Ein Traum als Initialzündung

Die Leidenschaft für das Schreiben war schon immer in ihr vorhanden. Schon damals als Kind in Niederbayern auf einem abgelegenen Bauernhof ist sie ihren Fantasien nachgehangen, denn „man kann sich dann überallhin bewegen“. Die Leidenschaft zum Buch hat sie von ihrer Mutter geerbt, ihr Talent wurde zuhause gefördert.

Dennoch spricht die Autorin von einer Initialzündung. Als Kind habe sie einmal einen wunderschönen Traum gehabt. Als sie aufgewacht sei, habe sie den Traum weiter gesponnen und zu Ende gedacht. Das sei ein Schlüsselerlebnis für sie gewesen. „Ich habe geschrieben, noch ehe ich Buchstaben kannte“, sagt sie. Während ihrer ganzen Kindheit dachte sie sich Geschichten auch, schrieb sie nieder. Die Erlebniserzählungen in der Schule mochte sie besonders. Mit zwölf Jahren schrieb sie für das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt, eine Zeitung, die ihr Vater gelesen hatte, eine Geschichte. Der Titel lautete „Ein Traktor macht sich selbstständig“. Darin ging es um einen Traktor, dessen Bremsen nicht angezogen worden waren, der anfing zu rollen und dem dabei so allerlei passierte. Die Veröffentlichung war ein Erfolgserlebnis, Rädisch ist ihren Eltern dankbar. „Ich konnte mich völlig frei entfalten“, sagt sie heute.

Eine weitere bekannte Autorin aus Regensburg ist Alexandra Reinwarth. Mit „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ hat sie es in die Top Ten geschafft.

„Was in der Stadt als Dreck bezeichnet wird, ist auf dem Land Erde. Das habe ich immer gemocht.“

Sabine Eva Rädisch

Im Laufe der Jahre entstanden viele Gedichte, Naturbeschreibungen, auch solche, in denen sie das Landleben romantisierte – fast schon mit Absicht. „Ich habe es immer genossen, draußen zu sein. Was in der Stadt als Dreck bezeichnet wird, ist auf dem Land Erde. Das habe ich immer gemocht“, sagt die Autorin.

Rädisch ist ein stimmungsreicher Mensch, deshalb liebt sie es, Stimmungsbilder zu entwerfen und Gefühle auszudrücken. Beim Schreiben „kann man alles sein, was man will“. Dass sie letztendlich das Bauingenieurwiesen zu ihrem Beruf gemacht hat, ist eine Facette ihrer Persönlichkeit, die scheinbar nicht zum Schriftstellertum passt. „Das technische Zeichnen habe ich schon immer sehr gerne gemacht“, stellt sie fest – auch wenn sie von klein auf immer Schriftstellerin hatte werden wollen. Ihre Persönlichkeit dreht sich um zwei Pole: „Die Struktur und die Fantasie“. Und außerdem muss man sich auch von etwas ernähren. Der Begriff „Brotberuf“ fällt.

Autoren leben mehrere Leben

Der Wunsch, sich schriftlich auszudrücken ist jedoch in jeder Faser ihrer Person verankert. Sie liebt Liebesromane und das Entwickeln neuer Figuren. „Hier kann ich das tun, was ich vielleicht selber gerne mal ausprobieren würde. Ich habe viele Möglichkeiten und kann mehrere Leben leben“, erklärt sie.

Neben der Schriftstellerei hat sie sich im Schreiben auch weiterbilden lassen. Sie ist zertifizierte Schreibpädagogin und Schreibberaterin. Sie hält bei der Volkshochschule Kurse, die den Titel haben: „Mit Worten auf die Reise gehen“. „Ich bin eine Expertin für Inspiration und helfe den Teilnehmern, zur eigenen Kreativität zu finden“, sagt sie dazu. Den Teilnehmern Spaß beim Schreiben zu vermitteln, ist ihr Ziel.

Über die Autorin

  • Das Buch

    „Brot und Bitterschokolade“ von Sabine Eva Rädisch ist im SüdOst Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.

  • Kindheit auf dem Bauernhof

    Die Autorin wurde 1973 in der Nähe von Deggendorf geboren und verbrachte ihre Kindheit auf einem Bauernhof mit Blick auf den Brotjackelriegel.

  • Erste Kurzgeschichte

    1986 erschien ihre erste Kurzgeschichte im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt.

  • Bauingenieurin und Schreibpädagogin

    Sabine Eva Rädisch studierte Bauingenieurwesen und ließ sich in Wien zur Schreibpädagogin ausbilden. Sie lebt in Regensburg und leitet Kurse für kreatives Schreiben. Ihre Schreibwerkstatt befindet sich im Künstlerhaus KUSS.

Für Sabine Eva Rädisch ist das Schreiben ein Abtauchen aus dem Alltag. Sie schreibt meistens in ihrer „Schreibwerkstatt“ im Künstlerhaus KUSS in der St. Leonhards Gasse. Seit fünf Jahren arbeitet sie nur noch halbtags als Bauingenieurin, um genug Zeit für Schriftstellerei und ihre Kurse zu haben, denn das Schreiben ist ihr Lebenselixier: „Es macht mich ruhig, ich sinke ab und kann mich auf eine einzige Sache konzentrieren. Ich genieße das Zusammensein mit meinen Figuren.“

Video: Lukesch, MZ

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