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Zirkus

Ein Vogel, der bellt und Trump auslacht

Man trifft ja selten Vögel, mit denen man reden kann. Mit Totuga, Sprecherin der Papageien des Circus Krone, ging das prima.
Von Heinz Klein, MZ

Regensburg.Als Redakteur hat man in 35 Dienstjahren schon viele Gesprächspartner interviewt: Politiker, Sportler, Manager, Wissenschaftler, sogar einen Nobelpreisträger, Ornithologen und neben diesen Vogelkundlern auch Menschen, die einen Vogel haben (nicht persönlich). Einen Vogel selbst zu interviewen war nun aber schon etwas ganz besonderes.

Unter den Flugkundigen gibt es sehr interessante Wesen, unter anderem die belesene Eule, die schlauen Rabenvögel oder die frechen Spatzen. Sie hätten sicher viel zu krächzen und zu tschilpen, allein die Kommunikation erweist sich als schwierig. Denn wer versteht schon Spatzen-Tschilp?

Ein Besuch bei den Papageien des Circus Krone

Nun bot sich mit dem Circus Krone die einmalige Gelegenheit, mit einer weit gereisten Federkünstlerin zu sprechen, die sich auf Menschensprachen versteht. Die Amazonas-Papageien-Dame Totuga ist Superstar und Sprecherin der Papageien-Truppe von Alessio, einem charmanten Vogelflüsterer aus dem italienischen Vicenza. Der bot ein Interview mit Totuga an, die hauptsächlich italienisch und englisch krächzt, leider nicht bavarian. Wir verständigten uns also auf englisch, weil das Italienisch des Autors bedauerlicherweise nicht über den Spaghetti-Tellerrand hinausreicht.

Eifersuchtsattacken kommen auch bei Papageien vor

Totuga ist eine Dame, die offizielle Frage nach dem Alter wäre also auch ornithologisch gesehen unschicklich gewesen. Doch auch ungestellte Fragen werden beantwortet. „Zehn“ flüsterte Alessio indiskret, während Totuga eine Aria von Maria Callas schmetterte und den Verrat nicht hörte. Alsdann gratulierte sie in perfektem Englisch mit „happy birthday to you“, ließ einen Posaunensound hören, bellte, miaute, wieherte wie ein Pony und gab ihrem Chef völlig unvermittelt ein Busserl auf die Nase.

Die Papageiendame Sinthia ist technikinteressiert und landete sofort auf der Schulter von MZ-Volontär Philipp Froschhammer.
Die Papageiendame Sinthia ist technikinteressiert und landete sofort auf der Schulter von MZ-Volontär Philipp Froschhammer. Foto: Klein

Tief beeindruckt stellten wir weitere Fragen. „Are you married?“ Natürlich, Totuga ist mit ihrem Chef verheiratet, wobei Alessio sehr zum Missfallen des Papageis noch mit einem zweibeinigen blonden Wesen liiert ist, was bei Totuga Eifersuchtsattacken auslösen kann. Totuga liebt Bananen und Nüsse, ließ sie uns, assistiert von Alessio, wissen und sie liebt es, geduscht zu werden. Fliegen muss nicht unbedingt sein. Gerne hört sie ihrem Chef beim Telefonieren zu, krächzt mit „pronto“ und „ciao“ dazwischen und lässt jenes rhythmische Piepsen hören, das Lastwagen beim Rückwärtsfahren als Warnsignal ausstoßen.

Ein politisch interessierter Vogel

Sehr selten bei Papageien: Totuga ist auch politisch interessiert. Auf die Frage, was sie von Donald Trump halte, fragte sie mit einem Seitenblick kurz beim Chef nach und ließ dann ein direkt ein bisschen dreckiges Lachen hören. „Sie mag ihn nicht“, übersetzte Alessio. Totuga blieb aber politisch korrekt. Sie behauptete nicht, dass der rüpelhafte Präsidentschaftskandidat einen Vogel habe.

Etwa 20 Wörter spricht Totuga, krächzt dazu Melodien und überreicht einzelne Blumen an Damen. Mit diesem Grundwortschatz können die viel größeren Aras nicht mithalten. Sie schnäbeln zwar auch ein paar Wörter, begeistern aber hauptsächlich durch ihre Schönheit. Völlig vertrauensvoll landen sie auf Köpfen und Schultern, legen sich kopfunter in Armbeugen und sind sehr interessiert an Kameratechnik. Totuga hielt derweil den Schnabel und behielt ihren Chef im Auge. Der war schon perfekt für den Auftritt in der Manege gekleidet. So überprüfte Totuga auch noch mal das Gefieder. Ein bisschen was gab es noch zurechtzuzupfen.

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