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Kultur

Ein Wochenende voller Märchen

Dass poetische Geschichten nicht nur etwas für Kinder sind, zeigte sich beim „Märchen-Weekend“ in Regensburg.
Von Miriam Wulf

  • Toni Lauerer las seine ganz eigene bayerische Fassung „Mein Schneewittchen“ aus seinem Buch „Die schönsten Grimms Märchen auf Bairisch“ vor. Foto: altrofoto.de
  • Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer war es ein besonderes Anliegen, Teil des Märchenwochenendes zu sein. Foto: altrofoto.de
  • Auch eine Frau aus Syrien las zusammen mit ihrer Tochter Märchen vor. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Märchen sind längst nicht nur etwas für Kinder. Das zeigte das Märchen-Weekend dieses Wochenende im Mehrgenerationenhaus der Stadt Regensburg in der Ostengasse, veranstaltet vom Schriftstellerverband Ostbayern. Von Freitag bis Sonntag fanden tagsüber und abends Veranstaltungen rund um das Thema Märchen statt. Für Groß und Klein war in den verschiedenen Räumlichkeiten allerlei geboten: Kinderschminken, Rätsel, Spiele und natürlich allerlei Märchen in vielen Variationen. Auch ein Theaterstück gab es, das Märchen von „Timm Thaler“ wurde aufgeführt im Akademietheater und feierte damit auch Premiere dort.

Aber längs nicht nur bekannte Märchen wurden erzählt, gelesen und gespielt. Einige wurden auch ganz neu interpretiert, wie zum Beispiel von Toni Lauerer auf bairisch. Er las seine ganz eigene bayerische Fassung „Mein Schneewittchen“ aus seinem Buch „Die schönsten Grimms Märchen auf Bairisch“ vor. Auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer las ein Märchen vor, sie wählte für den Anlass ein Ukrainisches. „Ich sollte eigentlich mein Lieblingsmärchen lesen und ich habe auch eins, aber das wäre etwas zu lang. Deshalb habe ich ein anderes mitgebracht“, sagte sie den gespannten Zuhörern.

Bürgermeisterin las regelmäßig vor

Für sie war es ein besonderes Anliegen, Teil des Märchenwochenendes zu sein, denn „Märchen haben für mich immer eine wichtige Rolle gespielt. Als ich selber klein war, habe ich den Zauber geliebt, der diesen sagenhaften Erzählungen innewohnt.“ Auch ihren eigenen Kindern habe sie regelmäßig Märchen vorgelesen. Gerade in der Zeit von Smartphone und Tablet sei es besonders wichtig, sich Zeit füreinander zu nehmen und gemeinsam in die Welt der Märchen einzutauchen, betonte die Bürgermeisterin.

Etwas ganz Besonderes war auch die Lesung von Manar und Rama Farzat, Mutter und Tochter aus Syrien, die „Der Wolf und die sieben Geißlein“ abwechselnd auf Deutsch und Arabisch vorlasen. Märchen verbinden eben, und die Märchen der Gebrüder Grimm seien auch in Syrien nicht unbekannt, so Farzat.

Eom märchenhafte Wochenende

Die Autorin und Künstlerin Thyra Thorn vom Schriftstellerverband Ostbayern, die sonst Erzählungen für Erwachsene schreibt, schrieb extra zum Anlass ein Märchen über das „Holzfräulein“. „Ich habe das Märchen modern und für Kinder uminterpretiert“, so Thorn. Sie ließ sich vor allem von den Erzählungen und Märchen vom Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver Schönwerth (1810 - 1886) inspirieren, der in seiner Märchensammlung unter anderem das Märchen der „Druckerden Drud“ erzählte.

Inspiriert von einer Maske

Der verstorbene Regensburger Künstler Prof. Dr. Manfred Dinnes, der auch für die fantasievollen Buntglasfenster des Mehrgenerationenhauses zuständig war, hatte einst eine Maske zur „Druckerden Drud“ gefertigt, die nun von Thorn für ihre Märcheninterpretationen genutzt werden sollte. Mit dabei war auch die Schwester von Dinnes, Ingeborg Reymann. Ebenfalls inspiriert von einer Maske, die ihr Bruder gefertigt hatte, schrieb sie extra für den Anlass das Märchen vom „Blauen Rüssler“. „Die Maske hat mein Bruder eigentlich 2008 anlässlich des „Pesthauch 1348“ für die Stadt Regensburg gefertigt. Es war uns allerdings nicht mehr ganz klar, was die Maske da für eine Funktion hatte. Sie hatte ihre Funktion verloren und ich wollte ihr einen neuen Stellewert geben.“

So schrieb Reymann das Märchen des „Blauen Rüssler“. „Ich habe vorher nie geschrieben. Das ist mein erstes selbst geschriebenes Märchen. Die Idee war irgendwie sofort da, aber die Formulierung, vor allem des Endes, war schwierig“, sagte sie zum Schreibprozess. Durch den Schriftstellerverband Ostbayern habe sie aber ausreichend Hilfe erhalten und konnte so ein passendes Ende für das Märchen finden. „Märchen sind etwas für jede Altersgruppe, nicht nur für Kinder. Jeder kann Märchen lesen, man ist dafür nie zu alt“, so Reymann weiter. Sie habe zwar noch nie geschrieben, sei aber immer schon Teil der Theaterstücke und Interpretationen ihres Bruders gewesen. Daher sei ihr das Schreiben auch leicht gefallen.

Das schöne sonnige Frühlingswetter lockte allerdings eher an die frische Luft, weshalb die vielen Veranstaltungen nicht voll besucht waren. Trotzdem waren einige Familien erschienen und die Kinder hatten sichtlich Spaß. Kleine Löwen und Schmetterlinge liefen dank des Kinderschminkens durch die Flure des Mehrgenerationenhauses. Auch das dazugehörige Café Klara war geöffnet und gut besucht.

Ein Beitrag zur Erziehung

Eröffnet wurde das Märchen-Weekend am Freitag Abend erstmal für Erwachsene, mit einem Vortrag im „Märchensaal“ von Prof. Dr. Kurt Franz von der Universität zum Thema „Wie Dornröschen seine Unschuld gewann und wieder verlor“. Das ganze Wochenende über präsent war auch der professionelle Märchenerzähler Oliver Machander, der seine eigenen Märchen und Mitmachmärchen für die Kleinen darbot.

Wer sich als Erwachsener mit Märchen beschäftigt, dem fällt vielleicht auf, was er als Kind noch nie bemerkte. Nämlich dass vor allem die traditionellen Märchen wie Hänsel und Gretel oder Schneewittchen recht grausam sein können und gar nicht immer so märchenhaft. Dabei beinhalten sie doch oft eine Moral und wurden vor allem zur Erziehung genutzt. Trotzdem lesen viele Eltern ihren Kindern Märchen vor, denn sie sind ein Kulturgut. Und wer in den Märchen tugendhaft und gutherzig ist, dem steht ein gutes Ende zu.

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