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Projekt

Einblicke in die Regensburger Synagoge

Hinter Gerüsten und Bauplanen tut sich gerade viel in der Straße Am Brixener Hof. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen.
Von Heike Haala

So sieht es im zukünftigen Gebetsraum gerade aus. Der traumhafte Ausblick auf die Domspitzen wird mit Holzlamellen verkleidet. Foto: Haala
So sieht es im zukünftigen Gebetsraum gerade aus. Der traumhafte Ausblick auf die Domspitzen wird mit Holzlamellen verkleidet. Foto: Haala

Regensburg.Warum braucht die jüdische Gemeinde in Regensburg eigentlich die neue Synagoge in der Straße Am Brixener Hof?

In der Pogromnacht am 9. November 1938 brannten die Nazis die neue Synagoge nieder. Erst im Jahr 1950 wird die Jüdische Gemeinde Regensburg wiedergegründet. Sie hatte damals 288 Mitglieder. Durch Zuzüge von Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ist die Zahl der Gemeindemitglieder auf heute über 1000 gewachsen. Im Gebetsraum gibt es derzeit allerdings lediglich Platz für 80 Menschen. Der neue Gemeindesaal wird Platz für 200 Gläubige haben.

So sieht der aktuelle Gebetsraum aus: Auf dem 360-Grad-Bild können Sie sich umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Der aktuelle Gebetsraum - Spherical Image - RICOH THETA

Wie wird es an der Stelle Am Brixener Hof einmal aussehen, wenn diese neuen Gebäude erst einmal fertig sind?

So wird die Synagoge einmal aussehen. Simulation: Staab Architekten
So wird die Synagoge einmal aussehen. Simulation: Staab Architekten

Die Umsetzung des Projekts liegt in den Händen des Berliner Architekturbüros Stab. Auf dem Reißbrett dieser Architekten entstand unter anderem auch das Neue Museum in Nürnberg. Die Rahmenbedingungen erwiesen sich als Herausforderung für die Planer: Er sollte ein offenes, aber dennoch gesichertes Haus, das sich mit zeitgemäßer Architektursprache in die zum Weltkulturerbe gehörende Regensburger Altstadt einfügt. Am Brixener Hof entsteht ein gestaffelter Baukörper aus Synagoge und Gemeindezentrum.

Hier wird die neue Synagoge gebaut

An der Synagoge wird gerade fleißig gebaut: Aber wann werden die neuen Gebäude Am Brixener Hof fertig sein?

So wird die Fassade einmal aussehen. Foto: Haala
So wird die Fassade einmal aussehen. Foto: Haala

Eröffnet werden soll die neue Synagoge im Frühjahr 2019. Deutlich Form nimmt sie derzeit aber lediglich im Inneren an. Gründlich in eine Schicht Bauplanen und ein riesiges Gerüst verpackt, lässt sich bisher nur an der Südecke des Gebäudes erahnen, wie die Fassade einmal aussehen wird. Hier steht ein Stück Musterfassade mit einem Fenster. Große Fenster und Reihen aus schmalen Klinkerrechtecken werden die Fassade dominieren, die ab Ende Juli Stück für Stück sichtbar werden.

Das wird die Bibliothek: Auf dem 360-Grad-Bild können Sie sich umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Der Bibliotheksraum - Spherical Image - RICOH THETA

Werden lediglich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Zutritt zur Synagoge haben oder alle Menschen?

Es gibt einen Bereich, den alle Regensburger nutzen können. Das wird beispielsweise die Bibliothek sein. In diesen Beständen gibt es etwa russische Literatur, Romane sowie Medien zu religiösen oder geschichtlichen Themen geben. Weiterhin gibt es im Erdgeschoß einen Gemeindesaal, in dem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihre Feiertage zelebrieren werden. Hier wird es aber auch kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen geben. Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, kündigt zudem ein großes Begleitprogramm in diesem Saal zum Eröffnungsjahr an.

Das wird der Gebetsraum: Auf dem 360-Grad-Bild können Sie sich umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Der Innenraum der Synagoge - Spherical Image - RICOH THETA

Von außen sind nur Bauplanen und Gerüste zu sehen: Was passiert aber gerade im Inneren der Synagoge?

Es herrscht emsiger Baustellenbetrieb. Die Kassettendecke im Synagogenraum selbst hängt bereits. Das umlaufende Fensterband unter dem Dachgeschoß gibt den Blick auf den Dom frei. Diese Aussicht wird aber nicht bleiben. Wie der Raum einmal wirken soll ist jetzt schon zu erahnen. Warm brechen sich die Lichtstrahlen an der Holzdecke.

Der Gebetsraum wird das Herzstück des Gebäudes sein: Wie wird er aussehen, wenn er erst einmal fertig ist?

So soll der Innenraum einmal aussehen. Simulation: Staab Architekten
So soll der Innenraum einmal aussehen. Simulation: Staab Architekten

Das Fensterband soll einmal mit Holzlamellen verkleidet werden. In diesen Lichtschlitzen soll das Tageslicht spielen. Die Lamellenverkleidung des Innenraums wird sich einmal bis zum Erdgeschoß fortsetzen. Das hat aber nicht nur optische Gründe, sondern auch akustische. Denn der Raum hat gerade noch ein gewaltiges Echo. Bis zu sechs Mal führt es allen, die in der Mitte stehen und sprechen, das Gesagte noch einmal zu Gehör. Diesen Effekt werden die Holzlamellen einmal auffangen.

Sicherheitsmaßnahmen sind ein großes Thema bei Synagogen: Wie wird das in Regensburg einmal gehandhabt werden?

Hier entsteht der Eingangsbereich mit einer Pforte. Foto: Haala
Hier entsteht der Eingangsbereich mit einer Pforte. Foto: Haala

Zu den Sicherheitsmaßnahmen in der Synagoge wird eine Pforte zählen, an denen die Besucher ihren Ausweis vorzeigen müssen. „Wie werden niemanden abweisen, aber wir wollen wissen, wer da ist“, sagt Danziger von der jüdischen Gemeinde. Weiterhin bestehen die riesigen Fensterscheiben, die das Gebäude zur Straße hin öffnen aus Sicherheitsglas.

So ein Gebäude im Regensburger Zentrum, kostet viel Geld: Wie wird die Synagoge eigentlich finanziert?

Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins, und Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Foto: Haala
Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins, und Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Foto: Haala

Der Neubau schlägt laut Ausgangskalkulation mit fünf Millionen Euro zu Buche. Für diese Kosten kommt der Bund zu zwei Drittel auf und die Stadt zu einem Drittel. Der Altbau schlägt laut Ausgangskalkulation mit 2,5 Millionen Euro zu Buche. 50 Prozent dieser Kosten übernimmt der Freistaat. Für die restlichen 1,2 Millionen Euro muss die jüdischen Gemeinde aufkommen. Dafür gründeten Regensburger einen rührigen Förderverein, der Spenden sammelt. Den braucht es jetzt mehr denn je: Der Innenausbau fällt deutlich teurer aus als zunächst kalkuliert. Auch dieser Mehrbetrag wird nun durch Spenden finanziert. Wer für die Synagoge spenden möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun: Sparkasse Regensburg, Konto 265 954 39, BLZ 75050000, IBAN DE12 7505 0000 0026 5954 39.

So sieht der Eingangsbereich momentan aus: Auf dem 360-Grad-Bild können Sie sich umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Der Empfangsbereich - Spherical Image - RICOH THETA

In diesem Gebäude werden viele Gläubige zu tun haben: Welche Gedanken stecken hinter dieser Architektur?

So soll der Eingangsbereich einmal aussehen. Simulation: Tom Kirsten
So soll der Eingangsbereich einmal aussehen. Simulation: Tom Kirsten

Es soll offen sein. Zur Begrüßung umarmen den Besucher die Gebäudetrakte der Bibliothek und der Synagoge regelrecht. Über diesem Eingangsbereich wird sich eine goldene Spirale mit einem Gedicht von Rose Ausländer winden, das den Aspekt der Gemeinsamkeit in den Vordergrund stellt.

An welchen Gebäudeteilen macht sich der jüdische Glaube bemerkbar?

Auf der Empore werden die Damen Platz finden, unten die Herren. Foto: Mages
Auf der Empore werden die Damen Platz finden, unten die Herren. Foto: Mages

Wegen der Speisegesetze im jüdischen Glauben gibt es eine koschere Küche. Fleisch und Milch dürfen sich hier nicht berühren. Das macht eigentlich zwei Küchenzeilen und eine doppelte Küchenausstattung erforderlich. Die jüdische Gemeinde hat sich aber für eine „fleischige Küche“ entschieden. Weiter gibt es eine Küche, in der die Speisen für das Pessachfest zubereitet werden. Im Gebetsraum selbst gibt es eine Damenempore, das Erdgeschoß ist den Herren vorbehalten. Das Laubhüttenfest wird in einem Hof gefeiert.

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