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Jubiläum

Einblicke in die Welt der Mathematik

Die OTH Regensburg feierte den 40. Geburtstag des Studiengangs Mathematik mit einem Science Slam und interessanten Kurzvorträgen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Am Stand der OptWare GmbH versuchten Besucher, verschiedene Zauberwürfel zu lösen. Foto: Knobloch
  • Im P-Seminar Mathematik hatten Schüler diese Modelle gebaut. Foto: Knobloch
  • Dr. Markus Meiringer überprüft mit dem Scanner die Barcodes, die die Besucher vervollständigt hatten. Foto: Knobloch

Regensburg.Was das Handy von Angela Merkel, Schokoriegel und ein Fußball mit Mathematik zu tun haben, erfuhren Besucher am Mittwochabend bei der „Langen Nacht der Mathematik“ an der OTH Regensburg. Mit dieser Veranstaltung feierte die Hochschule den Start des Studiengangs Mathematik im Jahr 1974. Regensburg war die dritte Fachhochschule in Deutschland und erste FH in Bayern, die einen solchen Studiengang einrichtete – eine mutige Entscheidung, wie Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer betonte.

Heute sind rund 250 Studierende im Bachelor und weitere 35 Studierende im Master eingeschrieben. „Unsere Absolventen werden vom Arbeitsmarkt intensiv nachgefragt“, so Dekan Prof. Dr. Thomas Waas. Mit der „Langen Nacht der Mathematik“ wolle man die zahlreichen Anwendungen der Mathematik in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken, sagte OTH-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Baier. Eine erste Kostprobe davon bekamen die Besucher beim anschließenden Science Slam: In jeweils acht Minuten gaben drei Professoren Einblicke in ihre Forschung. So zeigte Prof. Dr. Georg Illies, dass die Innenwelttheorie von Cyrus Reed Teed, der zufolge wir auf der Innenseite einer hohlen Erde leben, theoretisch unwiderlegbar ist, da es sich rein mathematisch um eine Inversion der Erdoberfläche handelt. Prof. Dr. Michael Fröhlich erläuterte, anhand welcher mathematischen Parameter Rückversicherungsverträge bewertet werden und Prof. Dr. Martin Weiß erklärte zum Thema Optimierung, dass der kürzeste Weg nicht unbedingt auch der schnellste Weg ist.

Barcode wird entschlüsselt

In halbstündigen Vorträgen bekamen die Besucher weitere Einblicke in die Welt der Mathematik. „Wie Primzahlen dabei helfen könnten, dass Frau Merkel nicht abgehört wird“, verriet Prof. Dr. Oliver Stein. Ein Problem bei der Verschlüsselung von Handy-Telefonaten ist es, die Schlüssel zwischen den Gesprächspartnern sicher auszutauschen. Hier kommen große Primzahlen mit mehreren Hundert Stellen ins Spiel. Zahlentheorie, Exponentialfunktionen („Das kennen Sie aus der Schule“) – Stein brachte den Zuhörern das komplexe Thema anschaulich näher und bekam dafür viel Applaus. „Was macht der Zebrastreifen auf dem Schokoriegel?“, fragten Prof. Dr. Susanne Rockinger und Dr. Markus Meiringer in ihrem Vortrag. Sie erläuterten zunächst, welche Informationen in der 13-stelligen Artikelnummer versteckt sind – nämlich das Land, der Betrieb, der genaue Artikel und eine Prüfziffer. Anschließend zeigten sie, wie diese Nummer mittels dreier verschiedener Zeichensätze in die schwarzen und weißen Streifen des Barcodes übersetzt wird. Die Besucher durften auch selbst aktiv werden und einen Barcode vervollständigen – zur Belohnung gab es Schokoriegel.

Passend zur Fußball-WM erläuterte Prof. Dr. Rainer Löschel, dass ein klassischer Fußball mathematisch gesehen eigentlich ein Polyeder, also ein Vielflächner, ist. Mit Hilfe der Euler'schen Polyederformel errechnete Löschel zudem, dass der Fußball aus 12 Fünfecken und 20 Sechsecken besteht. „Als Mathematiker zählt man nicht ab – man rechnet aus“, so Löschel.

Wie passt das Blatt Papier ins Ü-Ei?

Im Foyer konnten sich die Besucher über die Zusammenarbeit des Studiengangs Mathematik mit Firmen wie Continental oder OptWare sowie mit Schulen wie dem Goethe-Gymnasium, der FOS/BOS Regensburg und der FOS/BOS Straubing informieren. Dr. Markus Meiringer, selbst Lehrer am Goethe-Gymnasium, lobte die gute Zusammenarbeit mit der OTH Regensburg bei den W- und P-Seminaren. „Die Dozenten helfen uns bei der Literaturrecherche, halten Vorträge oder sind bei der Durchführung von Projekten behilflich.“ Auch Stefan Papp und Christian Spannfellner von der FOS/BOS Straubing haben vergangenes Jahr ihre Seminararbeiten zum Thema Spieltheorie in Kooperation mit der OTH Regensburg geschrieben und stellten diese nun bei der „Langen Nacht der Mathematik“ vor. Interessiert blätterte Kassian Börner in den Arbeiten. Der Schüler, der die 10. Klasse des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums besucht, ist aus Interesse für die Mathematik zur Veranstaltung gekommen. Was er studieren will, weiß er noch nicht genau – „auf jeden Fall etwas Technisches“, sagt er. Einen Tisch weiter, am Stand der FOS/BOS Regensburg, versuchten mehrere Besucher, ein DIN A3-Papier so klein zu falten und zu rollen, dass es in die gelbe Kapsel eines Überraschungs-Eis passt. „Hier geht es um Optimierung“, erklärte die Mathe- und Physiklehrerin Gisela Greß-Polednik. Darico und seine Schwester Toquina haben das Papier erfolgreich auf Ü-Ei-Größe gefaltet. Aber mathematisches Talent scheint hier in der Familie zu liegen: Ihre älteste Tochter studiert bereits an der Universität Mathematik auf Lehramt und auch der älteste Sohn Jamico könnte sich ein Mathe-Studium vorstellen, erzählte Mutter Alexandra Schade. Die „Lange Nacht der Mathematik“ findet sie gut: „Die Kinder profitieren von solchen Veranstaltungen, sie können hier nur etwas lernen.“

Vor dem Gebäude sorgte unterdessen die Band „Blueshaltestelle“ für Stimmung. Musikalisch war auch der Abschluss des Abends mit dem „Mathematischen Cabaret“ von Dr. Dietrich „Piano“ Paul.

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