MyMz
Anzeige

Historie

Eine Brücke führt jetzt in die Römerzeit

Regensburg ist um eine archäologische Attraktion reicher. Das „Freilichtmuseum“ Legionslagermauer ist fertig und wird am 6. März offiziell eröffnet.
Von Claudia Böken, MZ

Regensburg.Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat Regensburg eine neue Brücke bekommen. Begehbar ist sie bereits und führt vom Ernst-Reuter-Platz direkt ins römische Ratisbona. Auf diesem Steg können Regensburger und Welterbe-Besucher östlich der Maximilianstraße die Reste der Mauer des einstigen Legionslagers überqueren und dann an der Rückseite des IHK-Gebäudes in Richtung Parkhaus Dachauplatz schlendern, von dessen Untergeschoss die Römer ebenfalls Besitz ergriffen haben.

Rund um die Uhr geöffnet

Das dortige Teilstück der Römermauer wurde gesäubert, der Setzmörtel restauriert und das fast 2000 Jahre alte Relikt durch Rampenwände von Abgasen, Tageslicht und Lärm abgeschirmt. Moderne Lichttechnik lenkt den Blick jetzt auf die monumentale Mauer. Eine großflächige Computeranimation gibt Betrachten einen Einblick, wie die das Castra Regina in seiner Blütezeit ausgesehen haben könnte. Bildschirme erklären Interessenten interaktiv das römische Regensburg. Lebensgroße Schattenrisse römischer Legionäre laden am südlichen Eingang des Parkhauses und im Innern gegenüber dem Ausgang aus der Markthalle zum Besuch ein. Zum neuen „document Legionsmauer“ gehört auch noch die Nordost-Ecke des Lagers am Hunnenplatz.

Der Besuch des „Freiluftmuseums“ ist kostenlos und rund um die Uhr möglich, wie Kulturreferent Klemens Unger erklärt. Die offizielle Eröffnung findet am 6. März statt.

Finanziert werden konnte das anspruchsvolle Projekt, das von dem Regensburger Architekturbüro Peithner realisiert wurde, durch einen Glücksfall: Weil Unger die ursprünglich auf eine Million geschätzte Maßnahme aus Geldmangel in einer Schublade hatte verschwinden lassen, hatte er die Pläne griffbereit, als 2009 in wirtschaftlich schlechten Zeiten der Bund ein Konjunkturprogramm „Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten“ auflegte. Und Regensburg erhielt den Zuschlag, musste dadurch von den knapp 1,7 Millionen Gesamtkosten nur ein Drittel selbst bezahlen.

Begeistert sind der Stadtarchäologe Dr. Lutz Dallmeier, der Museumsarchäologe Dr. Andreas Boos und Kulturreferent Klemens Unger von dem gesamten „document“: „Es umfasst eine ganz wichtige Geschichtsachse.“ Schließlich habe die Mauer der Stadt 1630 Jahre lang als Wehrmauer gedient und sei mit 500 Metern das längste Stück Römermauer nördlich der Alpen. Lob fanden auch die Ideen von Architekt Jakob Peithner: Ihm sei es durch die Brücke am Ernst-Reuter-Platz und deren dezente Beleuchtung gelungen, den Weg so anzulegen, dass er auch nachts genutzt werden kann und so ein bisher totes Stück der Altstadt attraktiv erschließt.

Mutiger Bürger als Retter

Dabei wäre gerade dieser Teil der Römermauer schon Ende der 50er-Jahre beinahe völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Weil die Südostecke des Legionslagers in besonders schlechten Zustand war, sollte sie im Zuge der Arbeiten für den Herold-Bau an der Ecke Maximilianstraße abgebrochen werden. Der damalige Dombaumeister Richard Triebe hatte bereits einige der Steine abtransportieren lassen. Er wollte sie schreddern lassen, um sie anschließend als Material bei Ausbesserungsarbeiten des Doms verwendet zu können. Der Rest sollte unter einer Asphaltschicht verschwinden, um Parkplätze zu schaffen.

Dass das verhindert wurde, ist dem Engagement eines Regensburgers zu verdanken: Der damals bekannte Rallye- und Bergrennfahrer Horst Bergschneider, der Zeuge der Aufschüttung wurde, ergriff die Initiative und startete die Aktion „2000-jähriges Regensburg“. Ziel war es, Geld zu sammeln, um das Grundstück zu kaufen und so die Zuschüttung und den weiteren Abbau der Mauer zu verhindern.

Als Höhepunkt der Aktion engagierte Bergschneider eine Hochseiltruppe, die auf dem Ägidienplatz ein Gastspiel gab. Auf dem Seil fuhr einer der Artisten mit dem Motorrad auf den Turm der Sternwarte in 40 Meter Höhe. Bergschneider selbst baumelte im Genickhang unter der Maschine. Die Regensburger waren aufgerüttelt und spendeten ausgiebig für den Erhalt des römischen Relikts, dessen Ostflanke danach wieder aufgebaut wurde.

Die Mittelbayerische Zeitung mahnte 20 Jahre später an, dass ein städtisches Versprechen noch nicht gehalten wurde: Eine Tafel mit dem Verlauf der Mauer und dem Namen des Ausgrabungsinitiatoren fehle noch immer. Jetzt – weitere 30 Jahre später – holt Unger das nach: Eine Tafel an dem Brückengeländer wird künftig an Horst Bergschneider und seinen mutigen Einsatz erinnern.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht