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Eröffnung

Eine Traumkulisse fürs Christkind

Mit Sternenstaub eröffnete der Romantische Weihnachtsmarkt. Fürstin und Minister begrüßten die Gäste im Schloss.
Von Dr. Christian Eckl

Christkind, Pfarrer Roman Gerl und Fürstin Gloria eröffneten den Weihnachtsmarkt Foto: Tino Lex
Christkind, Pfarrer Roman Gerl und Fürstin Gloria eröffneten den Weihnachtsmarkt Foto: Tino Lex

Regensburg.Wer hätte das einst gedacht, als die Fürsten von Thurn und Taxis noch mit Gehstock durch die Maxstraße wandelten und livrierte Diener ihnen das Tor zum Schlosspark öffneten? Was heute geht, war noch vor 30 Jahren undenkbar: Dass sich der Schlosspark für die Regensburger und ihre Besucher öffnet, dass das Schloss als Kulisse für einen Weihnachtsmarkt dient und dass die Fürstin zusammen mit dem Christkind den Weihnachtsmarkt auch noch eröffnet.

Ein Video von der Eröffnung des Romantischen Weihnachtsmarkts sehen Sie hier:

"Romantischer Weihnachtsmarkt" offiziell eröffnet

Die Familie Thurn und Taxis hat, Fürstin Gloria an der Spitze, Schlosspark und Schloss für Besucher geöffnet. Kaum je zuvor konnte man das so umfassend selbst in Augenschein nehmen wie jetzt: Mit Lichterketten wurden die Wege des Parks bis zum Weiher der romantischen Anlage ausgeleuchtet. Auf dem Hügel wird der Pavillon zur Champagner-Bar. Kaum irgendwo in Deutschland kann man ein Denkmal ersten Ranges so erleben wie auf dem Romantischen Weihnachtsmarkt.

Ungarischer Orden für Gloria

Hinter den Kulissen herrschte emsiges Treiben, bevor das Christkind auf die Balustrade der Schlossfassade stieg und dort Sternenstaub und Adventsgrüße auf die zahlreich erschienenen Besucher regnen ließ. Während das Christkind huldvoll Verse aufsagte, zeigte Fürstin Gloria hinter der Kulisse Fotos ihrer Enkelkinder auf dem Handy her: „Ich bin stolz wie Bolle!“, so die glückliche Großmutter, die im kommenden Jahr ihren 60. Geburtstag feiert. Stolz ist sie auch darauf, dass sie am 27. November das Bundesverdienstkreuz des Staates Ungarn erhält. Victor Orban ist in Europa durchaus umstritten, aber das ficht die Adelige nicht an: Mütterlicherseits stammt Gloria von ungarischem Adel ab. Da kommen auch schon Glorias Gäste, Seminaristen der konservativen Petrusbruderschaft, die die Messe auf Latein halten. „Das wird der neue Georg Gänswein“, flüsterte Gloria da.

Welterbe-Markt

  • Kloster:

    Gegründet wurde St. Emmeram im Jahr 700 als Benediktinerabtei. 1812 erhielt die Familie von Thurn und Taxis, bereits seit 1748 als Vertreter des Kaisers in Regensburg, die Abtei als Entschädigung für die Post.

  • Palast:

    Heute können Besucher ein neugotisches Meisterwerk erleben, das die Fürsten Ende des 19. Jahrhunderts erbauen ließen. Der Garten von Karl von Effner ist ein hochkarätiges Meisterwerk.

Da hatte schon Pfarrer Roman Gerl den Platz des Christkindes eingenommen und den Besuchern davon erzählt, dass vor 2000 Jahren ein Mensch geboren wurde, der vielen nach wie vor als Messias gilt. Der Glauben ist in Bayern nicht mehr so stark verbreitet, wie das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war – und dennoch, gerade der christliche Ursprung des Adventszeit ist es, der den Weihnachtsmarkt im Schloss prägt.

Fürstin Gloria mit vier Vertretern der Petrusbrüder in ihren Privatgemächern im Schloss.  Foto: Eckl
Fürstin Gloria mit vier Vertretern der Petrusbrüder in ihren Privatgemächern im Schloss. Foto: Eckl

Musikalisch eingeleitet wurde der zwischenzeitlich 18. Weihnachtsmarkt auf Schloss St. Emmeram in bewährter Weise von der Chorphilharmonie unter Horst Frohn. Der Chor sang „Machet die Tore auf“ und „Fröhliche Weihnacht überall“.

Lange Menschenschlangen bildeten sich dann auch vor dem Madonnensaal, in dem Veranstalter Peter Kittel Freunde seines Hauses und Prominente bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes empfängt.

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Lichterzauber im Schloss Thurn und Taxis

Der Romantische Weihnachtsmarkt hatte Generalprobe. Die Leser der Mittelbayerischen tankten Glückshormone.

Wahlkampfzeiten erhöhen die Dichte der anwesenden Politiker naturgemäß und so vertrieben die OB-Kandidaten Astrid Freudenstein (CSU), Ludwig Artinger (Freie Wähler) und Horst Meierhofer (FDP) die Kälte damit, dass sie sich die Köpfe mit dem MZ-Reporter heiß redeten. „Bei diesen Podiumsdiskussionen kommt man ja kaum zu Wort“, schimpfte Freudenstein. „Zwei Minuten, alle viertel Stunde“, pflichtete Artinger ihr bei. Natürlich kam auch Landrätin Tanja Schweiger, die unweit von CSU-Kandidat Rainer Mißlbeck freundliche Blicke an die Gäste verteilte. Die Wahl kommt näher.

Kittel hat die Natur im Herzen

Peter Kittel machte klar, was ihn antreibt: „Unser Leitgedanke ist Tradition und Heimat, aber auch Nachhaltigkeit.“ Der passionierte Jäger erwähnte ein Wildbienen-Projekt, das ihm am Herzen liegt.

„Unser Leitgedanke ist Tradition und Heimat, aber auch Nachhaltigkeit.“

Peter Kittel, Veranstalter des Weihnachtsmarktes

Der konservative Kittel trägt Natur im Herzen und ist insgeheim ein Grüner. Gleichzeitig machte er klar, dass sein Weihnachtsmarkt für Menschen auch aus anderen Nationen offen ist: „Wir haben hier Mitarbeiter aus 13 Nationen. Die sind begeistert davon, wie wir hier unsere Traditionen erlebbar machen.“

Ehrengast war am Freitagabend der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der Minister war mit seiner Gattin Gerswid Herrmann nach Regensburg gereist, um den Weihnachtsmarkt wörtlich als „einen der schönsten weltweit“ zu bezeichnen. „Ich glaube, es gibt nicht nur in der Oberpfalz, nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland kaum jemanden, der noch nicht von diesem Weihnachtsmarkt gehört hat“, sagte Herrmann. „Ich glaube, man kann sogar sagen: Es ist der schönste!“

Laut Herrmann gehören Weihnachtsmärkte wie die im Schloss zur bayerischen Tradition. „Das gehört auch zu unserem christlichen Glauben. Es mag den ein oder anderen geben, der nicht mehr so viel mit dem Glauben anfangen kann. Wir stehen aber jedenfalls dazu“, sagte Herrmann.

Draußen vor dem Madonnensaal bekamen die Besucher vom Medien- und Promirummel eigentlich nichts mit. Vielmehr genossen sie das Ambiente des Schlosses und des Schlossparks. Heuer stehen wieder zahlreiche Hütten auf dem Weihnachtsmarkt, in denen Handwerker ihre Waren anbieten. Doch nicht jeder Handwerker ist wieder vertreten, was Veranstalter Kittel sehr bedauert: „Mir geht der Drechsler sehr ab, der Stöcke zum Stockschießen hergestellt hat.“ Doch der Anbieter sei zu alt geworden, um auf Märkten seine Waren anzubieten. „Ich bedaure das sehr, aber das gute, alte Handwerk stirbt auch langsam aus“, so Kittel. Die Adventszeit war allerdings schon immer ein Spiegel der Heimat. Und ihrer Veränderungen.

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