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Eisschwimmer: Nichts für Warmduscher

Der Regensburger Student Simon Franke liebt die Kälte. Er hat eine Gruppe für die härtesten Schwimmer der Stadt gegründet.
von Gustav Wabra

Der Eisschwimmer Simon Franke steht auf dem Steg am Westbadweiher in Regensburg. Gleich springt er, wie er ist, ins 5 Grad kalte Wasser,. Fotos: Wabra
Der Eisschwimmer Simon Franke steht auf dem Steg am Westbadweiher in Regensburg. Gleich springt er, wie er ist, ins 5 Grad kalte Wasser,. Fotos: Wabra

Regensburg.Endlich wieder Winter, endlich wieder Baden gehen. Schön den Rucksack gepackt: Handtuch, Badekappe, Ohrenstöpsel und Schwimmbrille. Endlich wieder das Beißen des kalten Wassers beim ersten Schritt ins Wasser fühlen. Erst die Füße, wie ein Stromschlag geht es durch den Körper, dann hinein mit dem Kopf voraus in das eiskalte Wasser, ins Ungewisse. Pure Frische.

„Ich mach’ das aus einem banalen Grund: Es macht mir Spaß“, sagt Simon Franke. Oft muss er lachen, wenn die Leute am Ufer vorbeigehen und ihm total verdutzt zuschauen wie er seine Bahnen zieht. „Die Menschen meinen, ich muss verrückt sein.“

Simon Franke ist nicht verrückt, er ist Eisschwimmer. Und zwar der Erste, der in Regensburg gerade eine Gruppe von Waghalsigen aufbaut.

„Wenn ich aus dem Wasser steige, fühle ich mich saugut.“

Simon Franke, Eisschwimmer

„Ich weiß auch nicht genau, warum mir Kälte wenig ausmacht“, wundert sich der 20-jährige Extremsportler selbst. „Im Sommer fahre ich lieber nach Norwegen, mit einem Spanienurlaub am Strand kann man mich jagen.“

Selbst durch die Bewegung wird der Körper im Wasser nicht warm. Foto: Wabra
Selbst durch die Bewegung wird der Körper im Wasser nicht warm. Foto: Wabra

Wir treffen den Lehramtsstudenten beim Vogelbeobachtungssteg am Westbadweiher in Regensburg. Doch was Simon Franke hier macht, ist ungleich spannender als Vögel beobachten. In leichter Jogginghose und schwarzem T-Shirt steht er da, spricht ohne zu zittern bei Minus ein Grad über sein außergewöhnliches Hobby. Auf den Holzdielen am Steg hat sich schon eine dünne Eisschicht gebildet. Der Wind weht und es nieselt.

Wasser: Unter fünf Grad

Eisschwimmen, das bedeutet Schwimmen in unter fünf Grad kaltem Wasser ohne Neopren oder sonstige Wärme zurückhaltende Bekleidung. Erlaubt sind nur normale Badebekleidung, Schwimmbrille und Badekappe. Simon hat noch Ohrenstöpsel, das kalte Wasser ist sonst zu unangenehm in den Gehörgängen. Dazu hat er eine sogenannte Restube, einen mit Luft gefüllten Schlauch. „Falls was passiert, dann wissen die anderen, wo ich bin“, erklärt er. Eisschwimmen sei dennoch kein gefährlicher Sport, im Gegenteil. Der Sprung ins eiskalte Wasser mache einen härter, sagt er. So hart, dass Simon Franke im Winter mit kurzer Hose und T-Shirt auf dem Weihnachtsmarkt stehen kann. Dann steht er da ohne Glühwein in der Hand, während sich neben ihm die bibbernden Nicht-Schwimmer am wärmenden Krug festhalten.

Der Sport ist aber nicht nur etwas für diejenigen, die sich abhärten wollen, sagt Simon. Voraussetzungen sind eigentlich nur, gut Schwimmen zu können und eine gute gesundheitliche Verfassung zu haben.

Nicht zu lange im Wasser bleiben

Eine Alterseinschränkung gebe es an sich nicht. Oberarzt Dr. Christian Thumann der Klinik für Kardiologie bei den Barmherzigen Brüdern stimmt dem zu. Grundsätzlich sollten nur Sportler Eisschwimmen gehen, die gesund, abgehärtet und trainiert sind. Zudem sollten die Sportler daran gewöhnt sein, im Eiswasser zu schwimmen, rät der Arzt. Untrainierte oder wenig trainierte Menschen sollten nicht Eisschwimmen gehen, insbesondere nicht, wenn sie eine Vorerkrankung am Herzen haben. Dazu zählen Herzrhythmusstörungen oder Menschen, die einen Herzinfarkt hatten. Doch ist die Gefahr einer Lungenentzündung oder einer Erkältung durch das Bad im eiskalten Wasser nicht besonders hoch? Gerade, wenn es draußen noch kälter als im Wasser ist. Dr. Christian Thumann gibt dabei aber Entwarnung.

Zum mitbibbern, klicken sie auf die Bildergalerie:

Nichts für Warmduscher: Regensburger Eisschwimmer

Eine Lungenentzündung drohe den Eisschwimmern nicht, wenn sie sich nach dem Schwimmen sofort abtrocknen, warm anziehen und sich langsam aufwärmen. Das zusätzliche Einwickeln in eine Thermodecke sei auch sinnvoll, so Thumann. Zu lange sollten sich Eisschwimmer jedoch nicht im Wasser aufhalten, um die Gefahr der Unterkühlung zu vermeiden. Prof. Lars Maier vom Uniklinikum fügt an, dass es zu solchen Problemen nur kommen kann, wenn bereits ein grippaler Infekt vorliegt, der durch Bakterien „übersiedelt“ wird. Um all’ dem vorzubeugen treffen sich die härtesten Schwimmer Regensburgs auch schon seit einem Monat in einer Gruppe von fast zehn Sportlern. „Herantasten an die Temperaturen, das ist besonders wichtig“, erklärt Simon Franke.

Ab jetzt wird „warmgezittert“

Der gebürtige Burghausener ging bisher nur in seiner Heimat ins Eiswasser. Auf den Sport brachte ihn Christof „Wandi“ Wandratsch, einer der weltweit besten Eisschwimmer. Simon Franke war lange Jahre aktiver Schwimmer beim SV Wacker Burghausen und ist über diesen Verein und Wandratsch zum Eisschwimmen gekommen. „Der Sport wird auch in Deutschland immer populärer“, sagt der 20-Jährige. 2017 fanden die offiziellen Weltmeisterschaften der IISA (International Ice Swimming Assosiation) in Burghausen statt, an denen er auch teilgenommen hat.

Eine Schwimmbrille, eine Badekappe und Ohrenstöpsel, mehr nicht: Das ist alles, was ein Eisschwimmer braucht. Foto: Wabra
Eine Schwimmbrille, eine Badekappe und Ohrenstöpsel, mehr nicht: Das ist alles, was ein Eisschwimmer braucht. Foto: Wabra

„Bei uns in Burghausen hat das Eisschwimmen bereits eine sehr weit gefächerte Fangemeinde und es gibt sogar Wahlkurse an Schulen, in denen Eisschwimmen angeboten wird.“ Die klassische Wettkampfdistanz ist 1000 Meter. Aber normalerweise werden auch kürzere Strecken angeboten wie 50 Meter oder auch 400 Meter.

„Ich mach’ das aus einem banalen Grund: Es macht mir Spaß.“

Simon Franke, Eisschwimmer

In Regensburg bleibt Simon Franke zur Übung schon mal bis zu 15 Minuten im Wasser. Dann spürt er seine Finger und Zehen fast nicht mehr. Wenn er dann aus dem Wasser steigt, wird seine Haut rot und er zittert am ganzen Körper. „Warmzittern“ heißt das unter den Extremsportlern. Der Sportler kann dann nichts mehr gegen die Bewegungen des Körpers machen. Trotzdem ist das Eisschwimmen das Größte für den jungen Sportler. „Wenn ich aus dem Wasser steige, fühle ich mich saugut.“ Simon trocknet sich ab und zieht wieder T-Shirt und Jogginghose an, keine Jacke. Aber jetzt: Ein warmer Tee? „Nein, danke. Ich möchte nicht so schnell warm werden“, sagt er.

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Ein Bad in der Naab bei minus zwölf Grad

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Die Eis-Gruppe

  • Termine:

    Die Regensburger Eisschwimmer treffen sich jeden Mittwoch und Freitag um 15.30 Uhr vor dem Eingang zum Westbad.

  • Mitmachen:

    Die Gruppe ist froh um jeden, der mitmachen will. Es sind keine Erfahrungen mit Eisschwimmen nötig. Es wird maximal 30 Minuten pro Einheit trainiert. Benötigt werden normale Badesachen, eine Badekappe, Ohrenstöpsel und Schwimmbrille.

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