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Sorge

Eltern bangen um ihre Kinder

Ein Paar wollte in Regensburg Schüler mit einer Horror-Nachricht ins Auto locken. Jetzt kontrolliert die Polizei verstärkt.
Von Julia Ried

Im Fanny-Hensel-Weg in Burgweinting erzählten Unbekannte vergangene Woche Kindern, nahe Angehörige von ihnen seien tot. Foto: Julia RIed
Im Fanny-Hensel-Weg in Burgweinting erzählten Unbekannte vergangene Woche Kindern, nahe Angehörige von ihnen seien tot. Foto: Julia RIed

Regensburg.Der Fanny-Hensel-Weg in Burgweinting ist eine Spielstraße, die jetzt mit den bunten Blättern unter den Bäumen vor den Reihenhäusern noch idyllischer wirkt. Es ist eine Straße, in der Eltern auch Grundschüler auf dem Weg zum Hort gut aufgehoben wissen – bisher zumindest. Denn derzeit sorgt eine beunruhigende Meldung für Aufregung unter Burgweintinger Eltern: Ein unbekanntes Paar habe am Donnerstag eine Siebenjährige und einen Sechsjährigen angesprochen und versucht, sie mit einer Schock-Nachricht in sein Auto zu locken. Der Mann habe zu dem Jungen gesagt, seine Mutter sei gestorben, und die Frau habe dem Mädchen erzählt, seine Schwester sei tot – so berichteten es die Kinder den Eltern.

Die Kinder flüchteten schnell zum Hort in der Nähe. Die Nachricht versetzt Mütter und Väter auch deshalb so in Aufruhr, weil es der dritte Vorfall dieser Art ist, der in zwei Monaten in dem Stadtviertel bekannt wurde.

Zweiter Fall Ende Oktober

In der Römerstraße in Burgweinting sprach Ende Oktober ein Unbekannter einen Achtjährigen an. Foto: Julia Ried
In der Römerstraße in Burgweinting sprach Ende Oktober ein Unbekannter einen Achtjährigen an. Foto: Julia Ried

An einem Freitagnachmittag Ende Oktober hatte ein Unbekannter im Neubauviertel an der Kirchfeldallee auf Höhe einer Bäckerei einen Achtjährigen angesprochen. Dem Polizeibericht zufolge fragte der Unbekannte den Jungen, ob er ihn nach Hause fahren solle. Als der nicht auf ihn reagierte, zog er wieder ab. Und Ende September hatte sich ein Autofahrer in der Nähe des Spielplatzes am Ende der Kirchfeldallee einem Fünfjährigen genähert, so berichtet es dessen Mutter. Der Fünfjährige wartete – in Sichtweite des Vaters – an einer Bushaltestelle auf seine Mama. Der Mann im Wagen sei gerade dabei gewesen, das Fenster herunterzulassen, als eine wachsame Nachbarin zu dem Auto eilte. „Was wir alle komisch finden, ist, dass er sich dann ohne ein Wort entfernte“, erzählt die Mutter (43). Nachdem sie von den Fällen hörte, in denen Unbekannte andere Kinder ansprachen, sei sie „in Alarmbereitschaft“, auch wenn sie es für möglich hält, dass der Herr im Auto nichts Böses im Sinn hatte.

Meldungen häufen sich

  • Gesamtzahl:

    Insgesamt sind in diesem Jahr dem Polizeipräsidium Oberpfalz zufolge bei den Polizeiinspektionen in Regensburg 50 Meldungen zu Fällen eingegangen, in denen Unbekannte sich Kindern näherten.

  • Auffälligkeit:

    Derzeit häufen sich im Dienstbereich der Polizeiinspektion Regensburg-Süd die Mitteilungen, bestätigt ein Sprecher. Die Inspektion ist für das Stadtgebiet südlich der Donau zuständig.

  • Aktuelle Fälle:

    In den vergangenen zwei Monaten gab es im Dienstbereich der Polizeiinspektion Regensburg Süd 17 Meldungen zu Unbekannten, die Kinder ansprachen oder ihnen nachgingen.

  • Stand der Ermittlungen:

    In keinem dieser 17 Fälle kam es nach bisherigem Kenntnisstand der Polizei zu strafbaren Handlungen, wie beispielsweise einem körperlichen Übergriff auf die Kinder.

Tatsächlich entpuppen sich Meldungen wie diese oft als harmlos, berichtet Dietmar Winterberg vom Polizeipräsidium Oberpfalz. „Manche Leute sind einfach nur freundlich. Manchmal entspringt der Fantasie eines Kindes etwas. Ein Kind fürchtet sich halt relativ schnell und das ist auch gut so“, sagt Winterberg, der dafür wirbt, alle Kinder-Erzählungen dieser Art an die Polizei weiterzugeben. Denn so selten es auch ist, dass Worten eines Unbekannten Straftaten folgen – es kommt vor. Im Februar meldete die Polizei die Festnahme eines Mannes, der im Januar in Kumpfmühl drei Kinder angesprochen hatte. Eines davon überzeugte er, ihm zu einer Tiefgarage zu folgen und missbrauchte es im Schutz der Einfahrt. Es handelte sich um einen Wiederholungstäter. Winterberg wirbt vor diesem Hintergrund dafür, dass Kinder, die angesprochen werden, oder ihre Eltern sofort den Polizei-Notruf 110 wählen.

Was die Fälle in Burgweinting betrifft, so nennt der Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Regensburg-Süd, Markus Reitmeier, keine Details zum Stand der Ermittlungen. Er versichert besorgten Eltern, die Polizei habe das Stadtviertel besonders im Blick. Sowohl uniformierte als auch zivile Streifen seien dort verstärkt unterwegs.

Kinder sollen sich Hilfe holen

Aufgabe der Eltern ist es, ihre Kinder stark zu machen und so vor Straftätern zu schützen, sagt Psychologin Daniela Groß, stellvertretende Leiterin der Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge. „Die Kinder müssen auch wissen, dass nicht alle Erwachsenen gut sind und immer die Wahrheit sagen.“ Aktuelle Fälle können als Anlass dienen, mit Kindern über sexuellen Missbrauch zu sprechen – allerdings ohne eine Drohkulisse aufzubauen.

Sozial

Jugendfürsorge Regensburg will mehr Nähe

Die Beratungsstellen der Einrichtung bauen Angebot aus. Sie wollen für Kinder, Jugendliche und Eltern besser erreichbar sein.

Eltern müssten solche Straftaten richtig einordnen, denn nur gut 20 Prozent der Missbrauchsfälle gehen auf das Konto von fremden Tätern, 80 Prozent passieren im „sozialen Nahfeld“. Groß sagt: Nur Kinder, mit denen Eltern über Gefühle und Sexualität sprechen, könnten negative Erfahrungen benennen. Kinder sollten wissen, dass sie ihren Eltern alles erzählen sollen, was ihnen komisch vorkommt. Wenn sie von Fremden angesprochen werden, lautet Groß’ Rat „sich Hilfe holen“ – so wie die Burgweintinger Schüler, die mit der Schreckensnachricht konfrontiert wurden.

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