MyMz
Anzeige

Verkehr

„Emil“ geht immer noch der Saft aus

Der E-Bus, der die Altstadtlinie bedient, wurde mehrfach abgeschleppt. Die Stadt glaubt trotzdem an die Alltagstauglichkeit.
Von Katharina Eichinger, MZ

Seit Anfang Mai rollt „Emil“ durch die Altstadt. Der Hersteller will von Problemen nichts wissen. Foto: Wunderlich
Seit Anfang Mai rollt „Emil“ durch die Altstadt. Der Hersteller will von Problemen nichts wissen. Foto: Wunderlich

Regensburg.Dienstag, 2. Mai: Es ist der erste Tag, an dem „Emil“ durch die Regensburger Altstadt rollt. Doch schon mittags kam die Ernüchterung: Einer der Emil-Busse musste mit Batterieproblemen zum Betriebsbahnhof abgeschleppt werden. Ihn ersetzte daraufhin ein gelber RVB-Dieselbus.

Die Panne am ersten Tag ist aber kein Einzelfall. Wenig später tauchte in der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Regensburger, wenn ...“ ein Foto auf, auf dem zu sehen war, dass erneut ein Emil abgeschleppt wurde. Und auch am Donnerstagabend wurde ein abgeschleppter Emil in der Bajuwarenstraße gesichtet.

Testphase ist abgeschlossen

In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Foto: mt
In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Foto: mt

„Die Testphase ist abgeschlossen, wir sind im Probebetrieb“, sagt Martin Gottschalk, Pressesprecher der Stadtwerke Regensburg. Jeder der Busse sei ein Einzelstück und müsse nun erst im Linienbetrieb getestet werden. „E-Busse von der Stange gibt es nicht.“ Problematisch sei bei der Emil-Flotte, dass ein Elektrobus bei Problemen mit der Elektronik sofort stehen bleibt. „Beim Diesel gibt es kurzfristige Lösungen, dass er weiterfahren kann.“

Die Regensburger sind zufrieden mit Emil. Lesen Sie mehr.

Für die Fahrgäste bedeutet das erst einmal Umstände: Sie müssen das Fahrzeuge verlassen und in die nächste Altstadtbuslinie einsteigen. Trotzdem seien immer mindestens zwei Elektrobusse unterwegs. „Der Abschleppvorgang läuft nicht wesentlich anders als bei einem Pkw“, sagt Gottschalk. Der Abschleppwagen sei ein Diesel-Fahrzeug. Die Distanz vom Werkstattgelände in der Markomannenstraße zur Innenstadt sei aber relativ überschaubar.

„Mit der elektrischen Altstadtlinie ist Regensburg bei der Umweltbilanz dieser Fahrzeuge sehr gut aufgestellt.“

Jürgen Huber, 3. Bürgermeister von Regensburg

Seit Jahren seien die elektrischen Busse von Rampini in „wichtigen“ europäischen Städten im Einsatz, sagt Stefano Rampini vom italienischen Hersteller Rampini auf Anfrage unseres Medienhauses. Er fordert, Techniker und Betreiber in Ruhe und an den Fahrzeugen arbeiten zu lassen, um ein hohes Service-Level für die Beförderten zu erreichen.

In unserem Video können Sie Emil genauer ansehen:

Der erste "Emil" rollt durch Regensburg

Auf die Nachfrage, welche Leistung die Busse in anderen Städten erbringen und ob diese Startschwierigkeiten normal sind, reagierte der Hersteller nicht. Auch in welchen Städten die Busse von Rampini in Betrieb sind, beantwortete er nicht.

Emil auf Facebook verspottet

Der italienische Hersteller Rampini gewann die Ausschreibung. Foto: mt
Der italienische Hersteller Rampini gewann die Ausschreibung. Foto: mt

Die Pannen von Emil sind Thema im Netz. „Zu wenig E-Säulen, fünf Minuten zu lange im Stau. Wie gespart, so zerronnen“, schreibt ein Facebook-Nutzer unter den Post in der Facebook-Gruppe, in der das Foto geteilt wurde. Ein anderer macht sich sorgen um die Klimabilanz: „Und allein der Treibstoff, den der Abschlepper für die Aktion verbraucht, dürfte die Umweltbilanz des elektrischen Busses für dieses Jahr bereits fressen.“ Doch es gibt auch Nutzer, die die Emil-Flotte in Schutz nehmen: „Habe auch schon Diesel und Benziner am Haken gesehen. Schadenfreude löst das Problem nicht.“

Die „Emil“-Flotte

  • Größe:

    Die Mini-Elektrobusse sind 7,72 Meter lang und 2,20 Meter breit. In jedem der Busse können 14 Menschen sitzen, bis zu 25 stehen. Außerdem findet ein Rollstuhl Platz.

  • Fahrtdauer:

    75 Kilometer weit können die Busse ohne Zwischenladung fahren. Aufgeladen werden die Batterien nachts im Omnibusbetriebshof in der Markomannenstraße. Zwischen den Fahrten können die Busse an einer Schnellladestation unterhalb der Galgenbergbrücke aufladen.

  • Kostenpunkt:

    Einer der neuen Busse kostet 465 000 Euro. Nimmt man die beiden neuen Ladestationen dazu, summieren sich die Gesamtausgaben inklusive aller fünf neuen Busse auf knapp drei Millionen Euro. Ein herkömmlicher Bus mit dieselbetriebenem Euro-6-Motor kostet derzeit rund 180 000 Euro.

Auch Gottschalk verteidigt die Regensburger Flotte. Mit der Einführung der Elektrobusse habe man absolutes Neuland betreten. Alle – dazu gehören zum Beispiel Mechaniker und Busfahrer – mussten sich in die neue Marterie einarbeiten. Die Antriebstechnik sei im Busbereich noch nicht lange erprobt, da blieben Unwägbarkeiten, sagt Gottschalk.

Stadt hält an E-Bussen fest

„Trotzdem sehen wir grundsätzlich in der Elektromobilität die Antriebsart der Zukunft für den ÖPNV in Regensburg“, sagt er. Auch die Beschaffungsstrategie der Stadtwerke gehe weiter in diese Richtung.

Die Stadt hat außerdem neue Dieselbusse angeschafft. Regensburger Umweltbündnisse kritisieren sie. Lesen Sie mehr.

„Der Stadt war bei der Einführung der Emil-Busse klar, dass trotz einer umfangreichen Erprobung vor der offiziellen Inbetriebnahme aufgrund der neuen Technik die eine oder andere Panne nicht völlig ausgeschlossen werden kann“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Sprecherin der Stadt, auf Nachfrage unseres Medienhauses. Die anfänglichen Probleme ändern nichts an der Haltung der Stadt: Sie sehe in der E-Mobilität eine große Chance zur Verbesserung der Luftqualität. „Mit der elektrischen Altstadtlinie ist Regensburg bei der Umweltbilanz dieser Fahrzeuge sehr gut aufgestellt“, sagt Juliane von Roenne-Styra.

Impressionen der Präsentation Emils sehen Sie in unserer Bildergalerie:

E-Bus "emil" geht an den Start

Bayernweit ist Regensburg die erste Stadt, die rein elektrische Busse im Linienbetrieb einsetzt. In München wurden sie bereits getestet, eingeführt werden sollen sie aber erst im Laufe dieses Jahres, heißt es von den Stadtwerken München. Deutschlandweit werden laut den aktuellsten Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes vom 1. Januar 2016 insgesamt 137 elektrisch betriebene Omnibusse eingesetzt (21 mehr als im Vorjahr), 321 Hybride sind in Betrieb. Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 30 erhöht.

Weitere Meldungen aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht