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Nahverkehr

„emil“ im Test: Zu klein, aber schön

Seit Dienstag rollt der Elektrobus durch die Altstadt. Die Reaktionen: Das neue Gefährt gefällt, ist einigen aber zu klein.
Von Curd Wunderlich, MZ

Fünf neue Elektrobusse rollen seit Dienstag durch die Regensburger Altstadt. Foto: Wunderlich
Fünf neue Elektrobusse rollen seit Dienstag durch die Regensburger Altstadt. Foto: Wunderlich

Regensburg.Innen hört man ihn fast mehr als von außen, den „emil“. Ruhig, aber doch deutlich vernehmbar, surrt der neue Elektrobus, der seit Dienstag durch die Regensburger Altstadt rollt, vor sich hin. Als Fußgänger muss man aber schon genau hinhören, um zu merken, wenn der Bus von hinten angefahren kommt.

Wenn die nagelneuen grünen „emils“ durch die Altstadtgassen fahren, ziehen sie deswegen im Moment noch fast alle Blicke auf sich: Neugierige von Passanten, die sie zum ersten Mal sehen – und erschrockene von Fußgängern und Radfahrern, die überholt werden und das leise Gefährt erst bemerken, wenn es schon direkt neben ihnen ist. Gerade wenn in der Nähe zum Beispiel Kirchenglocken läuten oder ein Straßenmusiker spielt, ist der Bus tatsächlich kaum zu hören.

Immer wieder ist zu beobachten, wie „emil“ längere Zeit nur in Schrittgeschwindigkeit hinter Passanten herfahren kann, weil die nicht ausweichen. Oft steckt kein böser Wille dahinter, sondern eben schlicht die Tatsache, dass der Bus nicht bemerkt wurde.

Leichter durch die engen Gassen

Die extra eingebaute Straßenbahnklingel will Manfred Hack deshalb aber nicht ständig einsetzen. Seit 28 Jahren sitzt der Busfahrer für die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) hinterm Steuer. „Da würden sich viele Leute erschrecken“, meint er und wartet in aller Ruhe ab, bis die Fußgänger vor ihm seinen Bus bemerkt und den Weg freigemacht haben.

Hack ist sehr zufrieden mit seinem neuen „Arbeitsgerät“. Dass gleich am ersten Tag eines der neuen Technikwunder ausfiel und abgeschleppt werden musste, sei natürlich „blöd, vor allem, wenn’s bei der Premiere ist“. Aber verbliebene Kinderkrankheiten hätten die Technikprofis dem „Emil“ bestimmt bald ausgetrieben, ist der erfahrene Busfahrer überzeugt.

Immer wieder ist zu beobachten, wie „emil“ längere Zeit nur in Schrittgeschwindigkeit hinter Passanten herfahren kann, weil die nicht ausweichen. Oft steckt kein böser Wille dahinter, sondern eben schlicht die Tatsache, dass der Bus nicht bemerkt wurde.

Er ist froh, dass die neuen Busse für die Altstadt deutlich kleiner sind als die bislang auch auf dieser Linie eingesetzten Dieselbusse: „Damit kommt man besser durch enge Stellen.“ Vielen Fahrgästen ist der „Emil“ allerdings deutlich zu klein. Nur 14 Sitzplätze gibt es für die Passagiere. Viele, die stehen müssen, ärgern sich darüber: „Umweltfreundlich fahren ist ja schön und gut“, meint eine Dame. „Aber hätte man nicht größere Elektrobusse anschaffen können?“

Doch die Übersichtlichkeit der RVB-Neuerwerbungen hat durchaus auch etwas für sich: In der fast schon intimen Atmosphäre kommen sich bis dahin völlig Fremde ins Gespräch. Thema Nummer eins dieser Tage: „emil“ höchstpersönlich. Und da wird dann nicht nur geschimpft, sondern auch viel Lob ausgesprochen: „Schön ist er schon!“, oder: „Gut, dass die Anzeigetafeln von Anfang an hier drin sind.“

Die neuen Elektrobusse

  • Die Mini-Elektrobusse

    sind 7,72 Meter lang und 2,20 Meter breit. In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Dadurch, dass der Bus schmaler und kürzer ist, ist er wesentlich wendiger.

  • Die Busse

    können ohne Zwischenladung ungefähr 75 Kilometer weit fahren. Aufgeladen werden die Batterien nachts im Omnibusbetriebshof in der Makromannenstraße und tagsüber zwischen den Fahrten an einer neuen Schnellladestation unterhalb der Galgenbergbrücke. dauert rund fünf bis zehn Minuten. Alle drei Runden durch die Altstadt legen die Busse einen „Schnelllade-Stopp“ ein.

  • Allein einer der neuen Busse

    kostet 465 000 Euro. Nimmt man die beiden neuen Ladestationen dazu, summieren sich die Gesamtausgaben inklusive aller fünf neuen Busse auf knapp drei Millionen Euro. Ein herkömmlicher Bus mit dieselbetriebenem Euro-6-Motor kostet derzeit rund 180000 Euro.

Umweltschonung kommt gut an

Rainer Tarant, Fachbereichsleiter Fahrdienst bei den RVB, ist überzeugt, dass sich die Nutzer schon bald an die kleineren Bussen gewöhnen werden. Schließlich hätten sich die Regensburger sogar kleinere Gefährte in der Altstadt gewünscht. Und viele Passagiere sagen im Gespräch mit unserem Medienhaus schon jetzt, dass sie die geschrumpfte Kapazität gern dafür in Kauf nehmen, dass die Busse umweltschonend mit Elektrizität betrieben werden.

Und noch andere Vorzüge wissen die Fahrgäste zu schätzen: „Es ist sehr angenehm leise“, meint Rudolf Seidl aus Lappersdorf, der die Altstadtlinie mindestens zwei Mal pro Woche nutzt. Er sieht sogar einen Vorteil darin, dass die neuen Busse deutlich kleiner sind: „Die Auslastung wird jetzt höher sein.“ In den großen Dieselbussen seien meist viele Sitzplätze freigeblieben.

Dass es gleich am ersten Tag eine Panne gab, darüber müssen die meisten Fahrgäste vor allem schmunzeln. Gegenseitig erzählen sie sich, wo genau es am Bismarckplatz zu dem Ausfall gekommen ist.

Edeltraud Bumes nutzt den Bus quer durch die Altstadt sogar täglich für ihre Besorgungen. Sie findet ihn zu leise. „Der sollte durchgehend einen Ton machen“, fordert sie. „Wie auf der Alm, da haben die Kühe auch ihre Glocken“, schiebt sie lachend hinterher. Als sie am Mittwochvormittag das erste Mal vom Alten Rathaus aus mit einem grünen „emil“ fahren will, kommt dann aber ausgerechnet einer der alten gelben Dieselbusse. Etwas enttäuscht steigt Edeltraud Bumes trotzdem ein – extra länger warten für den „Neuen“ kommt dann doch nicht infrage.

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