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Energiewende: Die Region legt nach

Der Landkreis Regensburg will beim Klimaschutz weiter vorangehen. Auszeichnung auf EU-Ebene und Bildungsprojekt sind Ideen.
Von Christof Seidl, MZ

Der Kreisausschuss diskutiert am Montag neue Klimaschutzprojekte, mit denen der Landkreis seinen Energieentwicklungsplan umsetzen will.
Der Kreisausschuss diskutiert am Montag neue Klimaschutzprojekte, mit denen der Landkreis seinen Energieentwicklungsplan umsetzen will. Foto: dpa

Regensburg.Landrätin Tanja Schweiger ist eine überzeugte Anhängerin der regionalen Energiewende. Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt hat sie mit dem Kreistag den Energieentwicklungsplan auf den Weg gebracht. Der Landkreis soll dadurch nicht nur bei seinen eigenen Einrichtungen Energie sparen, sondern auch ein Vorbild für die Bevölkerung sein.

Seitdem wurden und werden zahlreiche Projekte umgesetzt, die Energie sparen und so den CO2-Ausstoß verringern sollen. Der Landkreis ist dabei in verschiedensten Feldern aktiv. Um emissionsärmere Mobilität kümmert er sich ebenso wie um klimafreundliche Gebäude oder energiesparende Straßenbeleuchtung.

Vernetzung sorgt für neue Ideen

Jetzt schlägt die Verwaltung dem Kreisausschuss am Montag die Teilnahme am European Energy Award vor. Dahinter verbirgt sich ein EU-weites Projekt, das einerseits mehr Systematik und Kontrolle für Klimaschutzprojekte auf kommunaler Ebene ermöglichen und andererseits durch großräumige Vernetzung das Wissen in diesem Bereich vergrößern soll. 46 Städte und Landkreise nehmen derzeit am European Energy Award teil. Sie würden von einem stetig wachsenden, praxisnahen Ideen- und Erfahrungsschatz profitieren, heißt es bei Städte- und Gemeindebund, der das Projekt in Deutschland trägt. Das Ziel der Teilnahme am European Energy Award ist eine Zertifizierung in Silber bzw. Gold.

Wirtschaftlich ist eine solche Auszeichnung vor allem als Standortfaktor von Bedeutung. Die Bundesgeschäftsstelle des Awards unterstreicht zudem, dass in den teilnehmenden Kommunen zusätzliche Arbeitsplätze in den Bereichen Klimaschutz und Energieeinsparung entstehen würden. Die Kosten für die Teilnahme halten sich in überschaubaren Grenzen. Die Verwaltung geht von jährlich rund 11000 Euro aus.

Das Gymnasium Lappersdorf ist für den Landkreis ein Vorzeigeobjekt in Sachen energieeffiziente Bauweise.
Das Gymnasium Lappersdorf ist für den Landkreis ein Vorzeigeobjekt in Sachen energieeffiziente Bauweise. Foto: Thomas Kreissl

Bisher nehmen in Bayern erst sechs Landkreise am dem Award teil. In der Oberpfalz und in Niederbayern wäre der Landkreis Regensburg der erste, der sich beteiligt. In Bayern ist der bayerische Energieagenturen e.V. regionaler Träger für das internationale Zertifizierungssystem.

Das zweite Umweltthema, das der Kreisausschuss in seiner Sitzung am Montag auf den Tisch bekommt, ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Regensburg: das Energiebildungszentrum. Auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne in Regensburg soll ein besonderes Multifunktionsgebäude mit drei verschiedenen Nutzern entstehen. So wird es das „MINT-Haus“ beherbergen. Dabei handelt es sich um einen künftigen Verein mit Wirtschaftsunternehmen, der junge Menschen an technische Berufe heranführen will. Der zweite Baustein ist ein Kindergarten der Stadt Regensburg. Das dritte Element betrifft auch den Landkreis Regensburg, denn in dem Gebäude auf dem Nibelungen-Areal soll die bisher neben dem Landratsamt beheimatete Energieagentur Regensburg e.V. eine neue Heimat finden. Und sie soll dort ein Energiebildungszentrum (EBZ) betreiben. 1,8 Millionen Euro wird die Stadt in dessen Errichtung und Ausstattung investieren. Den Betrieb sollen Stadt und Landkreis – wie schon bei der Energieagentur – gemeinsam finanzieren.

Interaktive Ausstellung geplant

Der European Energy Award

  • Funktion:

    Der European Energy Award ist ein Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren für kommunale Energieeffizienz und Klimaschutz, das lokale Potenziale erkennt und die Akteure vor Ort einbindet.

  • Ziel:

    Eine Erstzertifizierung in Silber ist nach zwei bis drei Jahren möglich.

  • Voraussetzungen:

    Die Zertifizierung erfolgt nach international festgelegten Standards und wird extern geprüft. Mit der Zertifizierung wird für die Zuständigkeitsbereiche des Landratsamts ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, das die langfristige Verpflichtung auf Energieziele einbezieht.

Mit dem Energiebildungszentrum soll eine zentrale Informations- und Bildungseinrichtung zu den Themen Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit für alle Teile der Gesellschaft in der Region Regensburg geschaffen werden. Kernstück des Zentrums ist eine moderne, inszenierte Ausstellung, die allen Besuchern auf interaktive, praxis- und handlungsorientierte Weise und unter Einbezug aller Sinne einen Zugang zu den Themen bietet. Über den Bogen der globalen und nationalen Entwicklungen nimmt die Ausstellung bewusst die Region Regensburg und zuletzt jeden einzelnen Besucher in den Fokus.

Das Ausstellungskonzept sieht auf rund 1000 Quadratmetern Fläche fünf Erlebnisbereiche vor: Für die Themen „Die Erde – eine Welt im Gleichgewicht“ und „Höher, schneller, weiter …“ gibt es einen Multimedia-Filmsaal. Ein interaktives Eigenheim soll Wissen über „Meine Welt im Einklang?“ vermitteln. Eine Ausstellung dient den Themen „Wir verändern unsere Welt“ und „Ich verändere meine Welt“. Dazu soll es einen Bereich geben, der regionalen Akteuren eine Plattform bietet und Besuchern Handlungsmöglichkeiten aufzeigt, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Für den Betrieb des Energiebildungszentrums rechnet die Stadt mit 284000 Euro jährlich. Die Hälfte dieser Kosten, 142000 Euro, soll der Landkreis übernehmen.

Der Energieagentur Regensburg hat nach Angaben von Geschäftsführer Ludwig Friedl derzeit drei Aufgabenbereiche. Neben rund 400 Einzelberatungen pro Jahr gibt es eine Reihe von Veranstaltungen mit jährlich etwa 400 Besuchern. Darüber hinaus erarbeitet die Agentur für die Stadt Regensburg, den Landkreis und Kreisgemeinden Energieentwicklungspläne und unterstützt weitere Umwelt-Aktivitäten. Laut Friedl verfügt die Energieagentur aktuell über sechs Vollzeitstellen.

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