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Urteil

Enkelin missbraucht: Opa muss in Haft

Ein 65-jähriger Regensburger verging sich mindestens acht Mal an dem Mädchen. Er drehte sogar ein Video von dem nackten Kind.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Michael Haizmann Foto: Boeselager
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Michael Haizmann Foto: Boeselager

Regensburg.Wegen sexuellen Missbrauchs an seiner zunächst elf- oder zwölfjährigen Enkelin ist ein 65-jähriger Kraftfahrer aus Regensburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten sowie zur Zahlung von 5000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Cornelia Braun sah es nach mehrtägiger Beweisaufnahme, die teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, als erwiesen an, dass der Großvater sich 2014 und 2015 mindestens acht Mal an dem Mädchen verging, das sehr am „Opa“ hing, und einmal ein Video von dem nackten Kind drehte. Die Intensität der Übergriffe soll sich mit der Zeit gesteigert haben. Laut Richterspruch muss der getrennt lebende Regensburger zudem für materielle und immaterielle Folgeschäden bei seiner Enkeltochter aufkommen.

Intim befummelt

Laut Anklageschrift, die das Gericht als erwiesen ansah, soll der Mann dem Kind auf dessen neugierige Frage, wie denn ein Zungenkuss gehe, einen solchen verpasst haben. Die Kleine übernachtete damals öfters bei ihrem Großvater. Später soll er das Kind mehrfach im Intimbereich befummelt haben, in seiner, aber auch in der elterlichen Wohnung, einmal auch in seinem Auto.

Der Angeklagte hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert und die Vorwürfe als „komplett erlogen“ bezeichnet . Eine Kinder- und Jugendpsychologin kam jedoch in ihrem Glaubhaftigkeitsgutachten zu dem Schluss, dass die Aussagen der heute 16-jährigen Enkelin auf Tatsachen beruhen.

Vorwurf

Missbrauchte der Opa seine Enkelin?

Ein 65-jähriger Regensburger soll sich mehrfach sexuell an der Elfjährigen vergangen haben. Er bestreitet die Taten.

Die Vorsitzende Richterin betonte, dass es mangels „objektiver Beweismittel“ schwierig gewesen sein, zu klären, wer die Wahrheit sagte. Ganz offensichtlich sei die heute 16-Jährige ihrem Opa immer noch sehr zugetan. Daher war ihre bevorstehende Aussage vor Gericht so quälend für für sie, dass sie sogar wegen Selbstmordgefahr vorübergehend in die Kinderpsychiatrie eingewiesen werden musste, so Braun.

Enkelin ist in Therapie

Sie habe sich schuldig gefühlt, bei den Übergriffen „mitgemacht“ zu haben und mit dem Urteil den Opa als wichtige Bezugsperson verloren. Das Mädchen sei nach wie vor wegen eines gestörten Sexualverhaltens in Therapie.

Zuvor hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer drei Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Verteidiger Michael Haizmann hatte für seinen Mandanten nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ Freispruch beantragt: Es gebe keine belastbaren Beweismittel. Das behauptete Video sei nie gefunden worden. Die Tante der Geschädigten habe „pubertätsbedingte Auffälligkeiten falsch interpretiert“ und dann die falschen Beschuldigungen aus dem Mädchen „herausgekitzelt“.

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