MyMz
Anzeige

Gewalt

Frau in Asylheim starb natürlichen Todes

Als Polizisten eine Tote bergen wollten, griffen Bewohner sie an. Nun wird auch die Kritik an den Ankerzentren wieder laut.
Von Heike Haala

Viele Menschen wurden Zeuge der Ausschreitungen. Foto: Auer
Viele Menschen wurden Zeuge der Ausschreitungen. Foto: Auer

Regensburg.Zwei Tage nach den Tumulten im Ankerzentrum in der Regensburger Zeißstraße sind noch viele Fragen offen. Zu ihnen kam es, nachdem dort eine Frau leblos aufgefunden wurde. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der 31 Jahre alten Nigerianerin feststellen und rief die Polizei. Wie Dietmar Winterberg, Sprecher am Polizeipräsidium, mitteilte, kam es während des Einsatzes zu Ausschreitungen gegen die Polizisten durch 40 bis 50 Bewohner. Dabei flogen Steine und Glasflaschen. Verletzt wurde niemand. Erst nach drei Stunden konnte die Leiche geborgen werden. Die drei Kinder der Toten befinden sich nun in der Obhut des Jugendamtes. Die Frau ist eines natürlichen Todes gestorben. Hinweise auf ein Verbrechen gibt es laut Polizei nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte entschieden, eine Obduktion in dem Fall anzuordnen. Nach der vorläufigen rechtsmedizinischen Begutachtung ist von einer natürlichen Todesursache auszugehen, teilt die das Polizeipräsidium der Oberpfalz mit.

Attacken

Aufruhr nach Todesfall in Asylheim

An der Leiche der Frau wurden keine Spuren von Gewalt gefunden. Die Polizei prüft, ob sich Personen strafbar gemacht haben.

Vorwürfe – insbesondere, dass medizinisch „nicht ausreichend behandelt wurde“, wies die Regierung der Oberpfalz entschieden zurück. „Neben der für alle Asylbewerber obligatorischen Gesundheitsuntersuchung zu Beginn der Unterbringung im Anker Oberpfalz, ist für alle Bewohnern der Zugang zu einer guten medizinischen Betreuung, darunter auch in medizinischen Fachrichtungen wie Psychologie, Gynäkologie und Pädiatrie, sichergestellt“, wie Regierungssprecherin Kathrin Kammermeier mitteilte. Die Betreuung durch die Mediziner erfolge vor Ort, täglich im Rahmen der Sprechzeiten. Eva-Maria Schreiber, Bundestagsabgeordnete der Linken für Regensburg, hatte in einer Pressemitteilung Kritik an der medizinischen Betreuung geübt.

Herrmann verurteilt Gewalt

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann kritisierte die Gewalt: „Dass ein plötzlicher Todesfall in der Einrichtung die Stimmung unter den Bewohnern aufwühlen kann, ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Absolut inakzeptabel ist aber, wenn Bewohner Gewalt anwenden gegenüber den Einsatzkräften. Wichtig war deshalb, dass die Polizei die Lage mit starken Kräften schnell in den Griff bekommen hat.“ Die Behörden prüfen die Behörden die Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen Asylbewerber. Nun würden die Videoaufnahmen des Einsatzes ausgewertet, sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

Großeinsatz in Regensburger Ankerzentrum

Konzept steht in der Kritik

Weiter gibt es Kritik an den Ankerzentren von Dennis Forster aus dem Vorstand von Campus Asyl. „Was auch immer da passiert ist und wie es dazu gekommen sein mag: Ein Teil der Erklärung für mich ist auch der hohe Frustrationspegel und das Konfliktpotenzial, die das Konzept eines Ankerzentrums mit sich bringt“, sagt Forster. Und weiter: „Dadurch, dass es hier jederzeit zu Abschiebungen kommen kann, sind die Bewohner großem psychischen Stress ausgesetzt.“ Auch die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sagte auf Nachfrage der Mittelbayerischen: „Die Situation in Ankerzentren, in denen viele Menschen Stress ausgesetzt sind, ist eine, in der die Lage schnell eskalieren kann.“

Erst vor knapp zwei Wochen gab es einen Großeinsatz in dem Asylbewerberheim in der Zeißstraße. Ein Mann widersetzte sich auf außergewöhnliche Art und Weise der Abschiebung.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht