MyMz
Anzeige

Reise

Er ruderte ans Ende der Donau

Daniel Weißbrodt paddelte von der Steinernen Brücke bis zum Schwarzen Meer in einem Faltboot. Zurück in Regensburg berichtete er von seinem Abenteuer.
Von Bettina Griesbeck, MZ

  • Daniel Weißbrodt ist in seinem Faltboot von Regensburg bis an das Schwarze Meer gefahren. Fotos: Weißbrodt
  • Ein Mädchen beim Probesitzen
  • Daniel WeißbrodtFoto: Griesbeck

Regensburg. Wie ein richtiger Abenteurer sieht Daniel Weißbrodt nicht aus. Sein Blick ist offen, freundlich und in seinen Augen scheint die Neugierde und Verschmitztheit eines kleinen Jungen zu liegen. Leger gekleidet legt er die Sakkojacke beiseite, tritt in Jeans und weißem verknittertem Hemd an das Mikrofon und blickt in die Publikumsrunde. Im bestuhlten Verkaufsraum von Bücher Pustet in der Altstadt haben sich zahlreiche Reisefreudige, Ruderfreunde und Abenteuerlustige versammelt, um von den Erlebnissen des Autors auf seiner Donaureise zu erfahren, die er im Buch „Regensburg am Schwarzen Meer“ zusammengesammelt hat.

Die Donau ist mit ihren 2857 Kilometern der zweitlängste Strom Europas. Von Deutschland bis zum Schwarzen Meer passiert der Fluss insgesamt zehn Länder, was ihn weltweit einzigartig macht. Kein anderer Fluss hat annähernd so viele Anrainerländer wie die Donau. Daniel Weißbrodt faszinierte die Idee, sich auf die Reise zu begeben und mit dem Faltboot von Regensburg aus die 2400 Kilometer bis zum Schwarzen Meer zu fahren und Länder sowie Leute besser kennenzulernen.

In drei Etappen an das Ziel

In drei Etappen ließ er sich ein auf diesen ungewöhnlichen Weg: 2008 von Regensburg nach Budapest, 2010 von Budapest nach Ruse und 2011 von Ruse nach Primorskoje am Meer. Im Buch sind Landkarten abgedruckt, um die Übersicht zu erleichtern.

Auf eine ganz besondere, warme und unvoreingenommene Art beschreibt Weißbrodt in seinem Reisebericht die kleinen und großen Begegnungen. Begegnungen mit Binnenschiffern oder anderen Paddlern, die die Donau als Arbeits- oder Reiseweg nutzen. Oder mit den unterschiedlichen Bewohnern des Donauufers, die wegen ihrer bewegten Vergangenheit in Südost-Europa nicht selten voreinander warnen. Die Gespräche mit den Menschen stimmten ihn nachdenklich. Sie erzählen von Hoffnungen und Sehnsüchten, von Freundschaft, Liebe, Alltäglichem. Der Leser lernt die südöstlichen Nachbarn in Europa auf eine ganz persönliche und ehrliche Art und Weise kennen.

„Ich habe mich während des Studiums mit Südost-Europa beschäftigt und war fast in allen diesen Ländern“, erzählte Weißbrodt nach der Lesung. Für ihn sei jeder Besuch dort „wie nach Hause zu kommen“, schwärmte der Autor. Darauf begründete sich auch Weißbrodts starker Wunsch, die Normalität und den Alltag in dieser Region kennenzulernen. „In diesem Punkt bin ich als Wissenschaftler unterwegs gewesen“, sagte Weißbrodt. Mit dem Boot hatte der Autor die Möglichkeit, langsam voranzukommen und das Leben „in dieser sich schnell verändernden Welt und der dortigen Gesellschaft im Umbruch wahrzunehmen“.

Träume, Momente, Menschen

Eine so lange Reise in einem Buch wiederzugeben, scheint fast unmöglich. So viele Momente, Natureindrücke, Menschen und Gespräche, Gefühle und Träume. „Manchmal habe ich etwas vereinfacht oder Dopplungen rausgelassen – der immer gleiche Ablauf an einer Schleuse beispielsweise kommt nur einmal im Buch vor“, meinte Weißbrodt. Diese Auslassungen schaden der Erzählung in keinem Fall.

Der Autor hat eine wunderbare Symbiose aus Ortsbeschreibungen und persönlichen Begegnungen zusammengefasst. Der Leser wird mit auf die Reise genommen und die vielen erzählten Reiseetappen machen Lust, selbst mit dem Boot los zu paddeln und den Donaulauf mit allen seinen Anrainerländern zu erkunden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht