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Erste Galerien öffnen wieder

Art Affair, Dr. Erdel und Lesmeister planen „soft openings“ in Regensburg. Eröffnungsfeiern gibt es aber nicht.
Von Katharina Kellner

Die Künstler der Galerie ArtAffair in der Neue-Waag-Gasse 2 verarbeiten die Corona-Krise künstlerisch. ArtAffair zeigt ab 7. Mai wieder eine Ausstellung. 
              Foto: Lüpertz, Koenemann, Gill, Bocek, Bär, Safonkin
Die Künstler der Galerie ArtAffair in der Neue-Waag-Gasse 2 verarbeiten die Corona-Krise künstlerisch. ArtAffair zeigt ab 7. Mai wieder eine Ausstellung. Foto: Lüpertz, Koenemann, Gill, Bocek, Bär, Safonkin

Regensburg.Wer Kunst und Kultur vermisst in diesen Tagen, für den kehrt ab Ende April ein kleines Stück Normalität in die Regensburger Altstadt zurück: Einige Galerien sind wieder für Besucher geöffnet. Ihnen kommen die Lockerungen zugute, die ab 27. April gelten – Ladengeschäfte mit einer Fläche unter 800 Quadratmetern dürfen aufsperren. Vernissagen wird es nicht geben, nur „soft openings“, da die Abstandsregeln weiterhin gelten.

Die Galerie Dr. Erdel zeigt ab 30. April die Ausstellung „Druckkunst“, wo eine seltene Radierung von Chao Bin zu sehen ist. Der chinesische Künstler arbeitet normalerweise mit Öl auf Leinwand. Foto: Chao Bin
Die Galerie Dr. Erdel zeigt ab 30. April die Ausstellung „Druckkunst“, wo eine seltene Radierung von Chao Bin zu sehen ist. Der chinesische Künstler arbeitet normalerweise mit Öl auf Leinwand. Foto: Chao Bin

Dr. Antonia Kienberger vom Verlag Dr. Erdel ist mit der Planung für die Ausstellung in der gleichnamigen Galerie beschäftigt. Zu sehen ist ab Donnerstag, 30. April, unter dem Titel „Druckkunst“ eine Auswahl von Lithografien, Linoldrucken und Radierungen von Künstlern der Galerie und aus der Sammlung von Galerist Wolf Erdel. Vertreten sind Zhao Bin, Tom Kristen, Thomas Müller, Volker Pfüller, Ludwig Gebhard und Hélène de Beauvoir. Kienberger sagte auf Anfrage der Mittelbayerischen, die Ausstellung werde nicht im Artspace am Fischmarkt stattfinden, sondern im Schaulager Am Schallern 4, wo es nur eine Tür gebe. Hier sei das Desinfizieren des Eingangs gut zu händeln.

Eine der Preziosen der Ausstellung bei Dr. Erdel ist das Mappenwerk „Bestiarum“ - zehn Radierungen von Tom Kristen, gedruckt von Joschi Josephski. Die Schmuckbox gestaltete die Buchkünstlerin Helga Neukum. Foto: Antonia Kienberger
Eine der Preziosen der Ausstellung bei Dr. Erdel ist das Mappenwerk „Bestiarum“ - zehn Radierungen von Tom Kristen, gedruckt von Joschi Josephski. Die Schmuckbox gestaltete die Buchkünstlerin Helga Neukum. Foto: Antonia Kienberger

In der Galerie Art Affair ist die neue Ausstellung „Im goldenen Käfig“ ab Donnerstag, 7. Mai, 17 Uhr, zugänglich. Hier spielt das Coronavirus nicht nur formal, sondern auch künstlerisch eine Rolle: Galerist Karl-Friedrich Krause präsentiert das Kunstwerk „Cut the Fence“ des Künstlerduos Copa & Sordes als begehbare Installation.

Ausstellung

Eine Malerei ohne Pinsel

Die Welt ist aus den Fugen: Die Galerie ArtAffair zeigt faszinierende Werke von Raoul Kaufer und Peter Nowotny.

Copa & Sordes, das sind Birgit Krueger und Eric Schmutz. Ursprünglich ging es bei ihrem Werk um ein Schweizer Abschiebegefängnis. Ein bedruckter Damaststoff symbolisiert für sie dessen undurchdringlichen Zaun.

Im Kunstwerk „Cut the Fence“ gaukelt das Künstlerduo Copa & Sordes auf den ersten Blick Idylle vor: Der Stoff zeigt Blumenbuquets und blauen Himmel. Doch Überwachungskameras, Drohnen, Hubschrauber und scharfe Heckenscheren stören die Pracht. Foto: Dr. Antonia Kienberger
Im Kunstwerk „Cut the Fence“ gaukelt das Künstlerduo Copa & Sordes auf den ersten Blick Idylle vor: Der Stoff zeigt Blumenbuquets und blauen Himmel. Doch Überwachungskameras, Drohnen, Hubschrauber und scharfe Heckenscheren stören die Pracht. Foto: Dr. Antonia Kienberger

In den Räumen von Art Affair wird die Metaphorik der eingeschränkten Bewegungsfreiheit fortgeführt: Der Zugang zu den Kunstwerken ist limitiert, doch man kann sie uneingeschränkt betrachten. Mit dieser Inszenierung habe Krause der Geschichte des Kunstwerks ein weiteres Kapitel hinzugefügt, heißt es in einer Mitteilung von Art Affair: Der Galerist beziehe sich nicht nur auf die Grenzen, auf die Asylbewerber stoßen, sondern auch auf die, die das Virus uns setzt. Der symbolbeladene Stoff aus feinstem Damast kann bei Art Affair meterweise oder als Wandbild erworben werden.

Art-Affair-Galerist Karl-Friedrich Krause präsentiert das Kunstwerk „Cut the Fence“ des Künstlerduos Copa & Sordes als begehbare Installation. Foto: Jasmin Krause
Art-Affair-Galerist Karl-Friedrich Krause präsentiert das Kunstwerk „Cut the Fence“ des Künstlerduos Copa & Sordes als begehbare Installation. Foto: Jasmin Krause

Vertreten sind in der Ausstellung die Künstler Anna Bocek, Ugo Dossi, Alex Bär, Ralf Koenemann, Victor Safonkin, Ren Rong, Arnauld Nazare Aga, Giuseppe Donnaloia, Markus Lüpertz und Bildhauer David Cerný aus Prag. Die Ausstellung läuft bis 30. Mai.

Im März wurde bekannt, dass Dr. Isabell Lesmeister das Regensburger Kunstkabinett in der Obermünsterstraße übernommen hat. Die geplante Eröffnungsfeier in den neuen Räumen muss wegen Corona warten. Doch Lesmeister hofft, bis Mitte Mai ein „soft opening“ ihrer Ausstellung „same same but different“ auf die Beine zu stellen.

Dr. Isabelle Lesmeister hat erst kürzlich die Galerie Kunstkabinett von Marianne Schönsteiner-Mehr übernommen. Foto: Sperb
Dr. Isabelle Lesmeister hat erst kürzlich die Galerie Kunstkabinett von Marianne Schönsteiner-Mehr übernommen. Foto: Sperb

Es gebe einige Unwägbarkeiten, sagte die Galeristin auf MZ-Anfrage: Der Umbau müsse fertig werden und einige Kunstwerke sind nicht eingetroffen. So könne zum Beispiel Jeremy Holmes aus New York seine großformatigen Skulpturen nicht nach Deutschland schicken, weil die Transportdienste derzeit nicht arbeiten. Neben den Künstlern, die regelmäßig bei Lesmeister ausstellen wie Guilia Dall’Olio, Jenny Forster, Lars Fischedick oder Markus und Reto Huber zeigt sie grafische Arbeiten – darunter von Günther Uecker und Robert Longo. Die Ausstellung sei gänzlich in Schwarz-Weiß gehalten, kündigt Lesmeister an.

Kultur

Paukenschlag in Regensburger Kunstszene

Marianne Schönsteiner-Mehr, die Grande Dame in der Galerien-Landschaft, zieht sich zurück - und übergibt an eine Kollegin.

Andere Galeristen wollen sich noch Zeit lassen. Bernhard Löffler hatte für Anfang April in seiner Galerie konstantin b. eine Ausstellung der Regensburger Künstlerin Rita Karrer geplant. Falls der Ausnahmezustand weiter andauere, werde er aber die Ausstellung mit konkreter Kunst unter dem Titel „Quadrat“ eventuell im Laufe des Mai verwirklichen. Wenn es sein muss, ohne Vernissage, wie er sie sich wünscht.

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