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Gedenken

Erste Stolperschwelle für Regensburg

196 Stolpersteine kann man in der Stadt inzwischen finden. In der Weißenburgstraße kam eine neue Form des Mahnmals hinzu.
Von Lisa Pfeffer, MZ

Die so genannte Stolperschwelle in der Weißenburgstraße.
Die so genannte Stolperschwelle in der Weißenburgstraße. Foto: li

Regensburg.Geht man mit offenen Augen durch Regensburg, begegnet man immer wieder einer dieser goldenen „Wegmarken“. Name, Geburtsjahr und Todestag stehen für einen Menschen, der genau an diesem Ort lebte, der dort (vielleicht auch nur zeitweise) seinen Lebensmittelpunkt hatte, seine Familie, seine Geschichten und Rituale – seine Heimat.

179 Stolpersteine hat die Stolperstein-Initiative des Evangelischen Bildungswerkes Regensburg in den vergangenen neun Jahren bereits verlegt: 178 in Regensburg und einen Stein in Schierling. Am Mittwoch kamen 18 weitere Stolpersteine, die an jüdische NS-Opfer erinnern, hinzu. Vor dem ehemaligen jüdischen Altersheim in der Weißenburgstraße 31 wurde außerdem erstmals eine Stolperschwelle verlegt. Diese soll an die 44 aus dem ehemaligen jüdischen Altersheim deportierten und ermordeten Menschen erinnern. Für 11 Menschen, die dort gelebt haben, wurden Stolpersteine verlegt.

Gedenken im Vorbeigehen

Beim Stolperstein-Projekt handelt es sich um ein vom Kölner Künstler Gunter Demnig initiiertes Projekt, bei dem 10 x 10 cm große, mit einer gravierten Messingplatte versehene Steine an die ermordeten NS-Opfer, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Euthanasie-Opfer erinnern. Eine Gruppe von etwa 20 Personen, die sich unter dem Dach des Evangelischen Bildungswerkes Regensburg e.V. (EBW) zusammengefunden haben, sind seit dem Jahr 2006 bemüht, die Verlegung von Stolpersteinen auch im öffentlichen Raum Regensburgs zu ermöglichen. Jeder Stein wird von Hand gefertigt und graviert. „Hier wohnte“, der Name, das Geburtsdatum, Datum und Ort des Todes – viel mehr steht nicht auf den Steinen. „Oft stehen Menschen vor den Steinen, wenn sie einen oder mehrere der ins Pflaster eingelassenen Messingplatten entdecken. Sie senken das Haupt um zu lesen, verneigen sich so vor dem Opfer, gedenken dessen Schicksal und das NS-Opfer wird dem Vergessen entrissen“, sagt Dieter Weber, Leiter des Arbeitskreises.

Alle Stolpersteine in Regensburg finden Sie auf Mittelbayerische Maps:

„Wir passen auf die Leute hier auf“

Auch OB Joachim Wolbergs war bei der Verlegung der Stolperstelle dabei. „Der Kern dieser Aktion ist natürlich den Opfern zu gedenken. Das ist unsere Pflicht. Außerdem wollen wir deutlich machen, dass wir Regensburger auf die Menschen hier gut aufpassen“, sagt er. Des weiteren solle es auch bald ein Buch über die verlegten Stolpersteine geben, wo sich jeder ausreichend informieren könne.

Wer sich für das Projekt „Stolpersteine für Regensburg“ engagieren will, kann die Patenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine übernehmen. Diese kostet 120 Euro. Damit wird die Herstellung und Verlegung des Stolpersteines finanziert. Die Initiative trifft sich außerdem monatlich in dem Räumen des EBW. Wer immer sich daran beteiligen will, das Schicksal bestimmter Personen zu recherchieren, ist herzlich eingeladen.

Für Interessierte

  • Die neuen Stolpersteine:

    Die 18 neuen Stolpersteine wurden an folgenden Orten verlegt: Weißenburgstraße 31 („Stolperschwelle“), Straubinger Straße 12, Drei-Kronen-Gasse 6, Wahlenstraße 18 und 24, Rote-Hahnen-Gasse 7.

  • Kontakt:

    Informationen über eine Patenschaft oder der Möglichkeit, das Schicksal bestimmter Personen zu recherchieren, gibt es unter (0941) 584 16 50.

  • Buchvorstellung:

    Am 9. Dezember um 20:00 Uhr wird in der Stadtbücherei die Neuerscheinung „Stolpersteine in Regensburg“ von Sylvia Seifert präsentiert.

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