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Verkehr

Erster Anlauf für Rad-Parkhaus

Die Stadt Regensburg will eine Garage für Drahtesel schaffen. Manche Stadträte können sich mehr vorstellen als angedacht.
Von Norbert Lösch

Das größte deutsche Fahrrad-Parkhaus in Münster gibt es schon seit fast 20 Jahren – mit 3300 bewachten Stellplätzen, Verleihstation und Werkstatt. Regensburg will erst einmal viel kleinere Brötchen backen.Foto: Friso Gentsch/dpa
Das größte deutsche Fahrrad-Parkhaus in Münster gibt es schon seit fast 20 Jahren – mit 3300 bewachten Stellplätzen, Verleihstation und Werkstatt. Regensburg will erst einmal viel kleinere Brötchen backen.Foto: Friso Gentsch/dpa

Regensburg.Vorfahrt für Drahtesel: Die Stadt Regensburg will in den nächsten Jahren einige Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer investieren. Neben einem öffentlichen Fahrradvermietungssystem, das 2019 an den Start gehen soll, ist am Bahnhof eine Fahrradgarage angedacht. Wann und wie der Indoor-Abstellplatz für 100 Räder im Erdgeschoss des Hauses Bahnhofstraße 20 wirklich kommt, blieb nach der Sitzung des Verkehrsausschusses am Dienstag offen. Denn manche Stadträte können sich mehr vorstellen als in der Vorlage steht.

Es wäre zumindest ein Einstieg und ein Puzzleteil auf dem Weg zur vielzitierten neuen „Mobilitätsdrehscheibe“ auf dem Bahnhofsareal: In das Gebäude, das der Stadt gehört, könnten 100 Fahrräder unter Dach und überwacht eingestellt werden. Das Konzept der Verwaltung sieht vor, im bisher als Gaststätte genutzten Erdgeschoss zehn sogenannte Doppelstockparkmodule samt Schließfächern und Ladestationen für Pedelecs zu installieren. Die Rede ist von einer Interimslösung, denn das Haus wird womöglich schon bald abgerissen, das Grundstück für einen Busbahnhof gebraucht. Während das Inventar später an anderer Stelle wiederverwendet werden könnte, wäre der Nutzen durch den Umbau nur von kurzer Dauer.

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Das Haus Bahnhofstraße 20 gehört der Stadt. Foto: xtl
Das Haus Bahnhofstraße 20 gehört der Stadt. Foto: xtl

Die neue Nutzung ist wohl grundsätzlich möglich, sagt die Stadt. Auf der Südseite des Gebäudes besteht ein ebenerdiger Zugang zur früheren Gaststätte, der das „Garagentor“ für die Radfahrer werden könnte. Drehkreuze und Überwachungskameras soll es nicht geben, weil man die Investitionen in Grenzen halten will. Stattdessen soll Personal vor Ort für einen reibungslosen Betrieb – von 6 Uhr bis 22 Uhr von Montag bis Freitag und von 8 Uhr bis 20 Uhr am Samstag und Sonntag – sorgen. Was das Rad-Parkhaus samt Strom, Heizung und Reinigung unter dem Strich wirklich kosten würde, soll die Verwaltung im nächsten Schritt eruieren.

Feste Stellplätze für Dauernutzer

Dagegen gibt es schon Vorstellungen, was die künftigen Nutzer berappen sollen. Von den 100 Plätzen sollen 80 Plätze per Jahreskarte an Dauernutzer vermietet werden – gegen eine Gebühr von 80 Euro. Die restlichen 20 Plätze würden an Tagesnutzer für jeweils einen Euro vermietet. Die jährliche Mietgebühr für Schließfächer soll 60 Euro betragen, für die Schließfächer mit Ladestromanschluss sollen 80 Euro fällig werden. Die Plätze sollen personalisiert vergeben werden, Nutzer ihr Rad also immer an gleicher Stelle wiederfinden.

Unklar ist derzeit, wie es mit Brandschutzauflagen aussieht, ob die Zwischenlösung förderfähig ist und ob die Bahn dem Zugang von Süden, also von den Gleisen her, überhaupt zustimmt. Grundsätzlich können Fahrradgaragen mit einer Höchstsumme von 900 Euro pro Stellplatz gefördert werden. Voraussetzung dafür ist allerdings eine durchgehende Nutzungsdauer von mindestens zehn Jahren, die bei der angedachten Interimslösung nicht nachgewiesen werden kann.

Feste Garagen für Fahrräder gibt es bereits in vielen deutschen Städten, allen voran die „Fahrradstadt“ Münster mit einem vergleichsweise riesigen Parkhaus mit 3300 Stellplätzen. In Bayern hat unter anderem Augsburg gute Erfahrungen gemacht. Vor zehn Jahren wurde dort am Bahnhof ein erstes Parkhaus mit 350 Plätzen in Betrieb genommen, letztes Jahr folgte ein zweites mit weiteren 550 Plätzen.

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In der Diskussion im Verkehrsausschuss freute sich Stadtrat Benedikt Suttner darüber, dass aus einem Antrag der ÖDP jetzt ein konkretes Vorhaben wurde – auch wenn er sich „eine andere Größenordnung erhofft“ habe. Suttner, aber etwa auch Dr. Tobias Hammerl (SPD) sehen die Attraktivität des möglichen Angebots durch die eingeschränkten Betriebszeiten und den fehlenden automatischen Zugang geschmälert. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer pflichtete ihnen bei: „Wenn ich so etwas miete, möchte ich auch rund um die Uhr einen Zugang zu meinem Fahrrad haben.“

Der ist ebenso wenig ausgeschlossen wie weitere Stellplätze. „Wir schauen, was darüber hinaus noch machbar ist – sowohl bei der Anzahl der Stellplätze als auch beim Betrieb“, versprach Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Klar sei aber, dass ein 24-Stunden-Betrieb wesentlich teurer komme als das bisherige Konzept – ob mit Personal oder Drehkreuz.

In fünf Jahren 600 Miet-Räder?

Ein zweites Fahrrad-Thema steht am Mittwoch im Finanzausschuss des Stadtrats an: die Einführung eines öffentlichen Vermietungssystems (ÖFVS). Unter der Regie eines Systemdienstleisters – vorgeschlagen sind schon wegen der Verbindung mit dem ÖPNV die Verkehrsbetriebe beziehungsweise der Verkehrsverbund – soll ab 2019 mit dem flächendeckenden Aufbau von Verleihstationen begonnen werden. Von Anfang an soll die Hälfte der Leihräder auch einen Elektroantrieb haben.

Nach einer Testphase ist innerhalb von fünf Jahren der stufenweise Ausbau auf 600 Räder an mehr als 60 Verleihstationen geplant. Die Drahtesel sollen an 365 Tagen und rund um die Uhr verfügbar sein. Potenzielle Nutzer sieht die Stadt vor allem in Studenten und Pendlern. Klar ist allerdings schon jetzt, dass die Vermietung ein Draufzahlgeschäft wird. Je nach Förderquote für die Investitionen könnte das Defizit in der Endausbaustufe bis zu 1,3 Millionen Euro jährlich betragen. Werbe-Sponsoren könnten den Fehlbetrag verringern helfen.

Bald Fahrradgarage – und dann Abriss?

  • Thema im Stadtrat:

    Die Zukunft des Gebäudes Bahnhofstraße 20 war im Herbst ein Thema im Stadtrat. Die CSU wollte wissen, warum man dem Pächter der Gaststätte „Dampflok“ gekündigt habe, wo doch eine andere Nutzung wegen des beabsichtigten Abbruchs des Gebäudes ohnehin nur von relativ kurzer Dauer wäre.

  • „Temporäre Maßnahme“:

    Jetzt ist klar: Der Wirt musste raus, weil Räder vielleicht rein sollen. Die Stadt spricht aber auch hier von einer „temporären Maßnahme“. Denn das Gebäude wird voraussichtlich in wenigen Jahren wirklich abgerissen, um im Umfeld des Bahnhofs Platz für einen zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu schaffen.

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