MyMz
Anzeige

Vortragsreihe

Erziehung: Mit Humor geht es leichter

Bei Jan Uwe Rogge wird Familienberatung zum Vergnügen. Die Botschaft ist einfach: Der gesunde Menschenverstand hilft weiter.
Von Thomas Kreissl, MZ

Lachen, Humor, Leichtigkeit: So stellt sich Jan Uwe Rogge Erziehung vor.
Lachen, Humor, Leichtigkeit: So stellt sich Jan Uwe Rogge Erziehung vor. Foto: dpa

Regensburg.Kinder lieben Geschichten – Erwachsene auch. Besonders, wenn sie Jan Uwe Rogge erzählt. Der Autor, Familien- und Kommunikationsberater hat unbestreitbar Entertainer-Qualitäten. Wenn er auf der Bühne ans Redepult tritt, hängt schon nach wenigen Sätzen der ganze Saal an seinen Lippen. Den rund 180 Besuchern im Leeren Beutel geht es am Donnerstagabend nicht anders. Rogge packt sie sofort und macht ihnen schnell klar, um was es ihm geht: „Erziehung hat zu tun mit Lachen, mit Humor, mit Leichtigkeit“, erklärt er Eltern und Großeltern, Lehrern und Erziehern.

Der 70-Jährige hat mittlerweile rund 30 Bücher geschrieben. Immer noch arbeitet er als Familienberater, zudem als Kolumnist und er tourt mit rund 25 verschiedenen Vorträgen durch das Land. Nach Regensburg geholt hat ihn eine Kooperationsgemeinschaft von Initiativen und Organisationen, die heuer bereits zum achten Mal eine pädagogische Vortragsreihe in der Domstadt anbietet. Zu ihr gehören die Buchhandlung Dombrowsky, die Regensburger Eltern, Montessori Regensburg, die Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge und die Volkshochschule. „Gebt den Kindern Flügel – Abenteuer Schule“ haben sie die Reihe der Vorträge und Diskussionen heuer überschrieben, die bis den März hinein andauert.

Rogges Wünsche für die Kinder

  • Lasst mir Zeit!

    Kinder dürfen Schnecken sein, dann geht eben vieles langsamer, weiß Jan Uwe Rogge. „Muss ich mir Sorgen machen?“, brauchen sich die Eltern deshalb aber nicht gleich zu fragen.

  • Beobachtet mich nicht immer!

    Die Kinder brauchen ihren Freiraum, sagt Rogge und bedauert, dass heute oft hinter jedem Busch eine Mutter stecke, um ihr Kind im Blick zu haben.

  • Vergleicht mich nicht immer!

    Rogge hält es hier mit Pestalozzi und lehnt Vergleiche mit anderen generell ab. „Die Kinder kommen mit ihrem eigenen Tempo auf die Welt“, betont er.

  • Nehmt mich so an, wie ich bin,

    und nicht, wie ihr mich gerne hättet! Weg mit dem Einzelkind, dem Mittel-Kind oder dem Sandwich-Kind – Kinder gehören nicht in Schubladen, fordert Rogge.

Leichtigkeit ist denn auch ein zentrales Thema von Jan Uwe Rogge, wenn es um die Kindererziehung geht. So leicht, wie er sich durch eine Vielzahl von potenziellen familiären Konfliktsituationen plaudert, so leicht kommen seine Ratschläge daher. Humor, Spontaneität und Gelassenheit fordert er ein von den Eltern, die ihm oft zu pädagogisch wertvoll sind, zu pädagogisch hyperaktiv, im pädagogischen Nirwana wandeln, anstatt im Hier und Jetzt. „Solche Eltern sind übrigens häufig in meinen Vorträgen“, lässt er sein Publikum wissen – und hat die Lacher auf seiner Seite.

Rogge hält seinem Publikum den Spiegel vor. Es gibt wohl kaum einen im Saal, der sich selbst in den Geschichten nicht wiedererkennt und gerade deshalb lauthals darüber lacht. Der Familienberater schafft das mit viel Witz und Empathie, hat aber dennoch eine klare Botschaft: Es geht ihm um den gesunden Menschenverstand. Den wünscht er sich von den Eltern im Umgang mit ihren Kindern. Und für den Nachwuchs fordert er mehr Langeweile, mehr Zerstreuung und mehr Entschleunigung.

Denn es gehe bei der Erziehung nicht darum, die Kinder auf das Leben vorzubereiten. „Erziehung ist das Leben selbst“, zitiert Rogge nicht nur einmal an diesem Abend den Schul- und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi. Den Eltern rät er gegenüber ihren Kindern zu Dankbarkeit und Demut. Denn das Ergebnis von Erziehung sei letztlich immer wirkungsunsicher. Oder, wie es Jan Uwe Rogge den Besuchern auf den Nachhauseweg mitgibt: „Du weißt nicht, was dabei rauskommt!“

Herausforderung Schule – wie Kinder, Eltern und Lehrer gut durch die Schulzeit kommen. Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 21. Februar, um 20 Uhr im MZ-Verlagshaus. Die Anmeldung zur Podiumsdiskussion ist bis 20. Februar möglich bei der Volkshochschule Regensburg unter Tel. 507-24 33 oder per Mail unter der Adresse service.vhs@regensburg.de.

Auf dem Podium sitzen die Schulpsychologin Christine Frey, Elternbeiratsvorsitzende Verena Hinrichs von der Kreuzschule, Konrektorin Mirjam Thurn von der Wolfgangsschule und Diplom-Psychologe Dr. Hermann Scheuerer-Englisch von der Erziehungsberatungsstelle der Jugendfürsorge. Die Moderation übernehmen Andrea Fiedler und Thomas Kreissl von der MZ-Lokalredaktion.

Hier geht es zu unserer Themenwoche „Abenteuer Grundschule“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht