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Forschung

EU fördert Regensburger Tinnitus-Projekt

Mit sechs Millionen Euro fördert die Europäische Union neue Entwicklungs- und Behandlungsmethoden in der Tinnitus-Forschung.

Es piept – und jetzt? Ein Tinnitus kann viele verschiedene Ursachen haben. Oft ist gar nicht klar, was genau dahintersteckt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-Themendienst +++ | Verwendung weltweit
Es piept – und jetzt? Ein Tinnitus kann viele verschiedene Ursachen haben. Oft ist gar nicht klar, was genau dahintersteckt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-Themendienst +++ | Verwendung weltweit

Regensburg.Die Europäische Union fördert ein weiteres Projekt zur Erforschung von neuen Behandlungsmethoden bei chronischem Tinnitus, berichtet medbo – Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz. Im Forschungsprojekt „UNITI“ wird die bisher größte europäische klinische Studie zu Tinnitus durchgeführt. Dabei soll herausgefunden werden, welche Patientengruppen von welchen Behandlungsmethoden am meisten profitieren. Die Daten aus der klinischen Studie werden mit genetischen Daten, medizinischen und audiologischen Untersuchungen sowie bereits bestehenden Datenbanken verbunden. Ein Computermodell wird dann die bestmögliche Therapie empfehlen.

Im „UNITI“-Projekt werden erstmals Kombinationen mehrerer Behandlungsmethoden systematisch getestet. Für jede einzelne Patientengruppe soll die jeweils beste Behandlungsstrategie gefunden werden. PD Dr. Winfried Schlee, Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg am Bezirksklinikum, erklärt: „Die meisten Therapien zielen oft nur auf einzelne Aspekte der Krankheit ab, ohne das vollständige Krankheitsbild zu berücksichtigen. Sie sind daher nur begrenzt wirksam und vernachlässigen wichtige Faktoren, die im Verlauf der Krankheit eine Rolle spielen.“

Herausforderung: Komplexität des Tinnitus

Tinnitus tritt vielschichtig auf und ist in vielerlei Hinsicht komplex. Diese Komplexität stellt die eigentliche Herausforderung dar, die wirksamsten therapeutischen Maßnahmen zu erkennen. „Mit ,UNITI‘ wollen wir es schaffen, den jeweiligen Patientengruppen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen“, sagt Schlee. „UNITI“ bietet die Chance, trotz der sehr verschiedenen Verläufe der Krankheit für jeden Patienten eine passende Therapie zu entwickeln.

Gesundheit

Wenn das Ohr niemals Ruhe gibt

Für manche Tinnitus-Patienten werden die Beschwerden fast unerträglich. In der Regensburger Uniklinik finden sie Hilfe.

Dazu werden Daten aus Klinik, Medizin, Genetik, Audiologie und Epidemiologie analysiert. Zusammen mit Signalen der Kommunikation zwischen Ohr und Gehirn bilden diese Daten eine perfekte Grundlage für das Projekt.

Die Daten erleichtern es, die passende Behandlung für verschiedene Patientengruppen zu finden. Dabei erhalten verschiedene Patientengruppen eine Einzeltherapie oder eine Kombination von Therapien, die sowohl auf Aspekte des Gehörs als auch des zentralen Nervensystems abzielen. In dieser Studie werden europaweit 500 Tinnituspatienten behandelt werden.

Ziel: Effektive Behandlungsstrategie

„Ich freue mich sehr über die kontinuierliche Unterstützung unserer Forschung durch die EU. Zusammen mit ausgezeichneten Partnern kommen wir so der Umsetzung unseres Ziels, einer effektiven Behandlungsstrategie für Tinnitus, deutlich näher“, erklärt Schlee.

PD Dr. Winfried Schlee (li.) und Prof. Dr. Berthold Langguth freuen sich über die Fördersumme der EU. Foto: Lissy Höller/medbo
PD Dr. Winfried Schlee (li.) und Prof. Dr. Berthold Langguth freuen sich über die Fördersumme der EU. Foto: Lissy Höller/medbo

Im Forschungsverbund UNITI hat sich ein Team von Forschern und Klinikern aus mehreren Fachbereichen und Ländern (Belgien, Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, Schweden, Schweiz, Ungarn und Zypern) zusammengefunden. Dabei arbeiten Spezialisten aus den Forschungsgebieten Psychiatrie, Psychologie, Audiologie, Epidemiologie, Genetik, Softwareentwicklung, Data-Mining, Mediziningenieurwesen und Neurowissenschaften zusammen. Schlee übernimmt die Leitung des Zusammenschlusses.

Am Tinnituszentrum Regensburg, geleitet von Prof. Dr. Berthold Langguth, werden seit über zehn Jahren Patienten mit chronischem Tinnitus behandelt. Gleichzeitig wird intensiv an den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten für das Krankheitsbild Tinnitus geforscht. Mit der Tinnitus Research Initiative (TRI) treibt die Regensburger Forschergruppe zudem die weltweite Vernetzung von Tinnitusforschern voran.

Problem: Starke Beeinträchtigung der Gesundheit

Das „UNITI“-Projekt ist bereits das dritte europäische Verbundprojekt zum chronischen Tinnitus unter Regensburger Leitung. „UNITI“ tritt in die Fußstapfen der geförderten und als COST-Erfolgsstory ausgezeichneten Aktion „TINNET“. Seit März 2017 wird von der EU ebenfalls die Graduiertenschule „European School for Interdisciplinary Tinnitus Research“ (ESIT) gefördert.

In Europa leiden rund 42 Millionen Menschen unter chronischem Tinnitus. Die störenden Ohrgeräusche führen bei vielen Betroffenen zu einer nachhaltigen Einschränkung ihrer Lebensqualität. Sie betrifft laut großer unabhängiger Studien mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Ein Prozent der Bevölkerung benennt, dass Tinnitus ihre Gesundheit beeinträchtigt. Die Skala der Beeinträchtigung reicht von „gar nicht bis gering belastet“ bis hin zu „sehr stark belastet“ und teilweise sogar zu Suizidgedanken einzelner Betroffener. Eine allgemein wirksame Behandlungsmethode für das sehr individuelle Krankheitsbild gibt es bisher nicht. (pm)

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