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Politik

Euro-Putschversuch aus der Mitte

Dreimal hat er gegen den Euro geklagt und genauso oft verloren. Jetzt zieht der streitbare Prof. Starbatty durchs Land und will ihn politisch kippen.
Von Flora Jädicke, mz

Prof. Starbatty wettert gegen den Euro und Merkels Politik. Foto: Jädicke

Regensburg. Was in Karlsruhe nicht gelang, soll nun auf dem politischen Parkett gelingen. Der emeritierte Ökonom Prof. Joachim Starbatty ist Spitzenkandidat der Euro-Gegner-Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD).

Mit Schwung entledigt sich der Mittsiebziger seines Jacketts, oben auf der Bühne im fast vollen „Leeren Beutel“. Da kommt der erste Beifall und ein Kommentar aus dem Publikum: „Jetzt geht‘s zur Sache“, hofft ein Zuhörer. Starbatty widmet den Beifall um. „Der ist für meine gute Figur, oder?“ Er redet sich schnell auf Betriebstemperatur. Steuern, Renten und die „politischen Urteile aus Karlsruhe“ stehen auf der Agenda. Mehr Demokratie fordert er. Vor allem aber will der Wirtschaftswissenschaftler weniger Euro für Europa.

Eine schlanke und starke Eurozone

Geht es nach ihm, dann beschränkt sich die Eurozone künftig auf wenige, aber starke Länder wie etwa Deutschland oder Frankreich. Der Rest müsse in seine eigene Währungen zurück können. Das Euro-Rettungspaket rette derzeit nur die Banken, nicht aber die maroden Staatshaushalte. Vielmehr hätten Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien und auch Italien die Probleme erst, seitdem sie in der Währungsunion sind.

Die niedrigen Zinsen (wurden bei Eintritt auf deutsches Niveau abgesenkt – von rund 25 Prozent auf etwa 6 Prozent) hätten ihnen billiges Geld an den Kapitalmärkten verschafft und sie verführt, Schulden zu machen. Die Produktivität sei aber gleichbleibend niedrig geblieben. Alle dachten, mit den niedrigen Zinsen sanieren sie ihre Haushalte.

„Sie haben aber das gemacht, was Kinder vor einer Bonbon-Dose tun“, wettert Starbatty. „Sie haben hinein gegriffen.“ Mal mit ökonomischen Fakten, mal mit markigen Sprüchen beansprucht er nichts als die Wahrheit zu sagen.

Den Politikern auf die Finger schauen

Irgendwann spricht er von „Reichsmark“. Ein Versprecher wohl. Einer Partei, die Probleme hat, sich gegen den rechten Rand abzugrenzen, wäre es wohl lieber, er wäre überhört worden. Und so redet Starbatty unbeirrt weiter. Immer das Ziel vor Augen; den Euro stoppen und weitere Griechenlandpakete verhindern. Diese seien ohnehin von der Kanzlerin in einer Nacht- und Nebelaktion beschlossen worden.

Er spricht vom „Tatort Brüssel“ und der „Nacht, die Europa verändert hat“. „Unglaublich“ findet der Professor diese Feuerwehraktion. „Jeder Kaninchenzüchterverein muss seine Tagesordnungspunkte zwei Wochen vorher anmelden, damit sich die Mitglieder darauf vorbereiten können“, höhnt er.

Gegen Maastricht-Kriterien bewusst verstoßen

„Wir wollen unsere Politiker kontrollieren“, sagt er. Die Menschen müssten sich wehren, gegen Politiker, die gegen eine so fundamentale Regelung, wie die „No bailout“-Klausel (Nichtbeistandsklausel) des Maastrichter Vertrags bewusst verstoßen. Er wolle den Rechtsstaat zurück, sagte Starbatty. „Auch Politiker müssen sich an Gesetze halten.“

Merkels Beistandspolitik rette Banken, nicht Länder. Die Iren habe sie sogar unter den Rettungsschirm gezwungen. Die Gelder seien direkt an britische Gläubigerbanken geflossen, so der Volkswirt. Starbatty will ein Europa auf Augenhöhe. Nicht eines, in dem sich einige gegängelt fühlten. Jeder weitere Rettungsschirm schaffe nicht nur finanziell ein Ungleichgewicht in Europa. „Europa scheitert nicht, wenn der Euro scheitert. Nur die Europa-Politik Merkels sei gescheitert.

Deutschland wird auch sprachlich benachteiligt

Darüber hinaus treiben Starbatty noch andere Sorgen um. Deutschland zahle am meisten für Europa. Da könne es doch nicht sein, dass in Brüssel statt Deutsch nur Englisch und Französisch gesprochen werde.

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