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Regensburg
Mittwoch, 22. August 2018 29° 3

Witterung

Extremwetter: Regensburg reagiert

Große Hitze, aber heftige Regenfälle: Solche Sommer häufen sich. Eine „Klimaresilienzmanagerin“ soll die Stadt dafür wappnen.
Von Julia Ried

Ein Feuerwehrmann steht an einem Nachmittag Anfang August in einer überfluteten Tiefgarage in der Regensburger Stadtmitte: Wenn es in diesem Sommer regnete, dann oft heftig. Foto: Martin Kellermeier
Ein Feuerwehrmann steht an einem Nachmittag Anfang August in einer überfluteten Tiefgarage in der Regensburger Stadtmitte: Wenn es in diesem Sommer regnete, dann oft heftig. Foto: Martin Kellermeier

Regensburg.Immer wieder kämpft die Regensburger Feuerwehr in diesem Sommer mit den Folgen dieser Unwetter, die oft lokal sehr begrenzt sind, aber extrem heftig. Zum ersten Mal drang kürzlich bei einem Starkregen Wasser in das Untergeschoss und die Tiefgarage der Arcaden in der Friedenstraße. An diesem Nachmittag rückte die Berufsfeuerwehr mit Unterstützung von freiwilligen Feuerwehren neun weitere Male wegen Wasserschäden aus. Dr. Wolfgang Schörnig, als Regionalreferent der Stadt zuständig für die Berufsfeuerwehr, sagt: „Wir haben eine andere Art von Regenfällen. Als ob die Dusche aufgedreht wird.“

In Zukunft fällt ein noch größerer Teil des Regens im Sommer als solcher Starkregen, heißt es vom Deutschen Wetterdienst (DWD) – weil es heißer wird, sagt Dr. Guido Wolz, Leiter der regionalen Wetterberatung. „Je höher die Temperaturen sind, desto höher ist das Potenzial, dass Starkregen auftreten kann, da die Luft dann mehr Wasserdampf aufnehmen kann.“ Bei „Subtropikluft“ steige das Risiko. Seine Daten bestätigen: 2018 erleben die Regensburger einen „sehr heißen Sommer“. Die Häufung solcher Sommer ist für ihn „ein Indiz, dass es Richtung Klimawandel geht“.

Klimaexpertin kommt im Herbst

Damit das Klima für die Regensburger trotzdem so erträglich wie möglich bleibt, will die Stadt gegensteuern. Schon im März hatte sie der Mittelbayerischen gegenüber die Einstellung eines „Klimaresilienzmanagers“ angekündigt. Inzwischen habe sie eine passende Kandidatin gefunden, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Da diese beruflich noch anderweitig gebunden sei, werde sie ihre neue Aufgabe voraussichtlich ab 1. Oktober wahrnehmen. Sie soll bei der Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes mitarbeiten, in enger Zusammenarbeit mit anderen städtischen Ämtern Maßnahmen entwickeln und zentrale Ansprechpartnerin für die Untersuchung der Arbeit im Rathaus auf klimarelevante Auswirkungen sein.

Hier sehen Sie, wie ein Gewitter am 9. Juni für einen Wasserfall am Dreifaltigkeitsberg sorgte.

Wolkenbruch in Regensburg

Der DWD registrierte am Donnerstag, bevor die von vielen ersehnte Kaltfront die Region erreichte, in Regensburg den 17. Hitzetag in Folge – und den 29. in diesem Jahr; wenn es 30 Grad hat oder mehr, verwenden Meteorologen diesen Begriff. Im Juni und Juli war es im Vergleich mit dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 um 2,9 Grad zu warm und insgesamt auch deutlich zu trocken; bei 20,8 Grad (Juli) und 19,1 Grad (Juni) lag 2018 das Monatsmittel. Die Zahl der heißen Tage – zwischen 1981 und 2010 gab es im Schnitt elf bis zwölf im Jahr – hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen und wird weiter zunehmen, erklärt Lothar Bock vom DWD-Klimabüro München. Das zeigten die Daten und die Projektionen für die Zukunft „relativ klar“.

Ein Interview mit einem Klimafolgenforscher lesen Sie hier.

Die Regensburger Klimaresilienzmanagerin soll im „Leitbild Energie und Klima“ Ansätze für ihre Arbeit finden. Dort sind einige Ideen und Ziele genannt, die meist auf eine Kühlung der Stadt abzielen, wie etwa zunehmende Begrünung von Fassaden und Dächern. Schon jetzt arbeite die Stadt stetig an einer „Durchgrünung“ der Altstadt, etwa indem sie Bäume pflanze, sagte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Sie achte auch in der Bauleitplanung darauf, dass flächensparend gebaut wird, so bleiben Frischluftschneisen erhalten und Wasser kann besser ablaufen oder versickern. Auch erarbeite die Verwaltung mit externen Fachleuten ein „Freiflächenentwicklungskonzept“. Dabei werde analysiert, welche Stadtgebiete inwieweit mit Grünräumen versorgt sind und wo neue geschaffen werden sollen.

Flächen nur für Ökobauern

Schörnig sagt: Die Feuerwehr sei für Starkregen ohnehin gut gerüstet. Auch kann es bei Unwettern zwar vorkommen, dass die Gullys die Wassermengen nicht mehr ganz fassen, die dann in Keller dringen. Das Kanalsystem habe in einer Stadt wie Regensburg aber naturgemäß mehr Stauraum als in kleineren Kommunen. Um die Folgen von starkem Niederschlag abzufedern, hat die Stadt außerdem beschlossen, ab 2019 beziehungsweise 2020 ihre landwirtschaftlichen Flächen nur noch zur ökologischen Bewirtschaftung zu verpachten. So behalte der Boden seine natürliche Speicherfähigkeit und sei nicht so anfällig für Erosion.

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