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Hilfe

Fall Liah: Keine Infos über die Spenden

Das Mädchen ist in die USA geflogen. Wer ihm dort helfen soll, ist unklar. Stadtpfarrer Reischl verlangt Transparenz.
Von Wolfgang Ziegler

Wie die Spenden für Liah bisher verwendet wurden und noch werden, ist undurchsichtig. Foto: Hueber-Lutz
Wie die Spenden für Liah bisher verwendet wurden und noch werden, ist undurchsichtig. Foto: Hueber-Lutz

Regensburg.Die todkranke Liah Mak (7), bei der Ende Juni ein golfballgroßer Gehirntumor festgestellt wurde, ist am Dienstag in die USA geflogen. Dort wird sie nach Informationen unserer Zeitung am MD Anderson Cancer Center der Universität von Texas in Houston einer sogenannten CAR-T-Zelltherapie unterzogen. Finanziert wird die Behandlung aus den Spenden, die beim „Benefizfestival für Liah“ am 29. Juli in Köfering zusammenkamen bzw. von vielen MZ-Lesern, Vereinen und Organisationen direkt auf das Spendenkonto für Liah bei der Katholischen Kirchenstiftung St. Anton eingezahlt wurden.

Die kleine Liah ist zu dem mindestens vierwöchigen Aufenthalt in Texas natürlich nicht alleine aufgebrochen. Dabei sind – neben medizinischem Personal – auch ihre Eltern, Katrin und Danny Mak (32 und 33), ihr kleiner Bruder Luca (3) sowie dem Vernehmen nach ihr Onkel, ein USA-Kenner. Im Vorfeld der Therapie in den Vereinigten Staaten wollten wir bereits am 3. September von der Familie wissen, welcher Mediziner die Behandlung durchführen wird und ob ein solch großer Betreuerstab – auch aus finanziellen Gründen – notwendig und sinnvoll ist. Wir warten seit mehr als einer Woche auf eine Auskunft.

Kirchenstiftung will Nachweis

Stattdessen wurde auf der Facebook-Seite „Kampf gegen Krebs – Hoffnung für Liah“ am selben Tag um 20.45 Uhr, mehr als zehn Stunden nach unserer schriftlichen Anfrage, gepostet, dass „wir keine Informationen mehr ausgeben, die uns, und damit den Heilungsprozess von Liah, stören könnten“. Unbeantwortet blieb damit auch unsere Frage, ob der Aufenthalt der Familie Mak im Schweizer Orselina am Lago Maggiore zur Gänze aus dem Spendentopf bezahlt worden war – was uns inzwischen gut unterrichtete Kreise bestätigten.

Dort war im Juli in der homöopathischen Clinica Dr. Dario Spinedi das Immunsystem des kleinen Mädchens mittels Globuli gestärkt worden. Schließlich wollten wir wissen, ob und gegebenenfalls wann die Kosten für Liahs Behandlung in der Schweiz und der aktuell startenden Therapie in den USA offengelegt werden sollen. Auch darauf erhielten wir keine Antworten.

Diese Fragen interessieren nun auch den seit 1. September amtierenden Stadtpfarrer der Pfarrei St. Anton, Wolfgang Reischl, dessen Kirchenstiftung das Spendenkonto für Liah eingerichtet hat.

„Wir müssen sagen: Bitte, macht mal die Bücher auf!“

Wolfgang Reischl, Stadtpfarrer von St. Anton

Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, sei Transparenz gefragt, da die Kirchenstiftung mit ihrem Namen für das Spendenkonto gerade stehe. Nach Reischls Worten habe sein Vorgänger, Stadtpfarrer Dr. Anton Hierl, Liahs Unterstützerkreis auferlegt, eine Buchhaltung zu machen. Die müsse jetzt auf den Tisch. „Wir unterstellen niemandem etwas, aber wir müssen sagen: ,Bitte, macht mal die Bücher auf!‘“, so Reischl. Das hat er so gestern auch in einer Mail formuliert: „Die Kirchenstiftung St. Anton hat heute via E-Mail das ,Team Liah‘ aufgefordert, eine Abrechnung bzw. einen Verwendungsnachweis über die Spendengelder abzugeben. Insbesondere geht es hier um die Abbuchungen Ende August und Anfang September“, schrieb er.

Freundin gab Gelder frei

Wie der Stadtpfarrer der Mittelbayerischen weiter sagte, habe ihn Danny Mak vor wenigen Tagen angerufen und „einen Geldbetrag für den Flug in die USA und die medizinische Behandlung angefordert“. Da für das Spendenkonto nicht nur er selbst verfügungsberechtigt sei, „sondern auch eine Freundin der Familie“ und er mit dem Fall nicht so genau betraut gewesen sei, habe man mit dieser Frau Kontakt aufgenommen, und diese habe den Betrag letztlich auch freigegeben.

Nach Reischls Wissen entscheide über die Sinnhaftigkeit der Verwendung von Spendengeldern grundsätzlich das „Team Liah“ um Nicole und Tobias Berghofer, die auch an der Spitze des gerade in Gründung befindlichen Hilfsvereins für Liah stünden und die die ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder nachweisen müssten. „Als Kirchenstiftung sind wir der Familie nur zur Seite gesprungen, damit Spendenquittungen ausgestellt werden konnten“, so Reischl. „Und wir werden uns wieder zurückziehen, sobald der Verein handlungsfähig ist.“

„Einsicht in das Konto habe ich nicht. Ich werde mich hüten, diesbezügliche Aussagen zu treffen.“

Nicole Berghofer vom „Team Liah“

Nicole Berghofer sagte der Mittelbayerischen am Telefon allerdings, dass sie und ihr Mann nur die Website „Kampf gegen Krebs – Hoffnung für Liah“ betreuten. „Einsicht in das Konto habe ich nicht. Ich werde mich hüten, diesbezügliche Aussagen zu treffen“, so Berghofer.

Keine detaillierten Informationen über die Verwendung der Spendengelder hat auch Christian Wild, der zweite Vorstand der „Dorfgemeinschaft Wolkering und Umgebung“, die das große Benefizfestival für Liah am 29. Juli in Köfering organisiert hatte, bei dem 85 507 Euro an Spenden eingenommen worden waren. „Das Festival war ein toller Erfolg, wir haben die Kohle komplett auf das Konto für Liah überwiesen“, so Wild. Im Betreff habe es sinngemäß geheißen: Für die Genesung von Liah und Krebsorganisationen. Denn für den Fall, dass Geld übrig bleibe, habe die Familie Mak angekündigt, entsprechende Organisationen und Forschungseinrichtungen zu unterstützen.

Aktualisierung der Redaktion: Die sieben Jahre alte Liah ist verstorben. Das teilte der Vater des Kindes am Mittwochabend (12.9.) auf Facebook mit. Das Schicksal des kleinen Mädchens hatte die Region tief bewegt und eine große Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

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