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Szene

Farbexplosion am Pürkelgut-Gelände

Mit Pulver-Wolken läutet das „Farbgefühle“ die Festivalsaison ein. Bedenklich sei das bunte Spiel nicht, sagt ein Facharzt.
Von Micha Matthes, MZ

Farbpulver-Schlacht unter freiem Himmel: Tausende Teilnehmer werden sich am Samstag wieder bei der Veranstaltungsreihe „Farbgefühle“ mit buntem Pulver bewerfen und auf einer Wiese bei Schloss Pürkelgut zu Elektromusik tanzen. Foto: Twinfalcon GmbH
Farbpulver-Schlacht unter freiem Himmel: Tausende Teilnehmer werden sich am Samstag wieder bei der Veranstaltungsreihe „Farbgefühle“ mit buntem Pulver bewerfen und auf einer Wiese bei Schloss Pürkelgut zu Elektromusik tanzen. Foto: Twinfalcon GmbH

Regensburg.In Blau, Grün, Rosa, Orange und Gelb wirbeln die Wolken über den Köpfen auf. Dann setzt die Musik wieder ein und während sich die Wolken herabsenken, tanzen die Menschen auf der Wiese weiter. Sie haben bunt eingestaubte Gesichter und T-Shirts, sie jubeln oder liegen sich in den Armen. Rund um den Globus sind die bunten „Holi“-Festivals, die aus einer alten indischen Tradition eine Party für die Jugend machen, schon lange ein fester Bestandteil des Veranstaltungs-Kalenders. Alleine in Deutschland soll es im Sommer 2017 mehr als 50 solche Feiern geben. In Regensburg geht am Samstag bereits zum sechsten Mal das Farbgefühle-Festival am Pürkelgut – auf dem gleichen Gelände, auf dem auch das Zuckerbrot und Peitsche Festival stattfindet – über die Bühne. Veranstalter Sascha Al-Mahmoud rechnet mit einem großen Ansturm.

Tickets gewinnen

  • Unser Medienhaus

    verlost zweimal zwei Tickets für das Farbgefühle-Festival am 3. Juni auf dem Gelände von Schloss Pürkelgut. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, schreibt bis Donnerstag, 24 Uhr, eine Mail mit den Kontaktdaten und dem Stichwort „Farbgefühle“ an gewinnspiel@mittelbayerische.de.

  • Das Farbgefühle-Festival

    findet in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal in Regensburg statt. Der Veranstalter erwartet bis zu 5000 Besucher.

Mehr als 4000 Besucher erwartet

4000 Tickets sind bereits verkauft. „Es ist der Auftakt der deutschlandweiten Farbgefühle-Tour und das Wetter wird bombastisch“, sagt er. Der Aufbau habe bereits begonnen. Es gibt eine große Bühne, getanzt wird auf einer grünen Wiese davor. „Alles fokussiert sich auf diesen Platz. Damit die sogenannten Big Throws auch gut zur Geltung kommen.“ MC Caramel gibt zu bestimmten Uhrzeiten das Kommando, dann werden die etwa zwei Euro teuren Tüten zerrissen und in die Luft geworfen – schlagartig schwebt eine riesige bunte Wolke über den Köpfen: ein gigantisches Bild, wenn tausende Menschen feiern. „So entsteht dann dieses schöne Farbenmeer“, sagt Al-Mahmoud. Einlass ist ab 13.30 Uhr. Der erste Big Throw startet dann ungefähr gegen 16 Uhr. Danach folgen etwa alle eineinhalb Stunden weitere.

4500 Gäste feierten schon im vergangenen Jahr im Rausch der Farben:

Regensburger geben sich Farbrausch hin

Das Festival Line-Up besteht vornehmlich aus Künstlern der elektronischen Musikszene. DJ Niels van Gogh, Evil Jared und 2 Elements sind in diesem Jahr unter anderem dabei. Beim Kauf von bestimmten Tickets sind bereits Farbbeutel im Preis inkludiert. Sie können aber auch an Ständen nachgekauft werden. Eigene Farbmischungen sind auf dem Festival tabu. „Wir kontrollieren am Eingang generell, was die Leute mit reinnehmen. Flüssigkeiten und Pulver werden ausgeleert oder abgenommen. Da geht es auch um Sicherheitsaspekte – schließlich wollen wir wissen, was auf dem Gelände in Umlauf ist“, sagt Al-Mahmoud.

Humorvolle Schilder und Kostüme sind aus Sicht des Veranstalters willkommen. Generell lautet der Dresscode aber „weiße Kleidung“, damit die geworfenen Farben optisch besser wirken.

Während ursprünglich beim Holi-Fest in Indien vor allem Blüten, Pulver aus Wurzeln und Kräuter durch die Luft flogen, die zum Teil sogar heilend wirken, kommen heute meist synthetische Lebensmittelfarben zum Einsatz, das Pulver basiert oft auf Maisstärke. Beim Vertrieb heißt es, das Pulver entspreche der Kosmetikverordnung, sei biologisch abbaubar und nicht-staubexplosionsfähig. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit riet kürzlich dennoch, das Pulver nicht ins Gesicht zu werfen und als Schutz zumindest Mund- und Nasentücher sowie Sonnenbrillen zu benutzen.

Veranstalter Al-Mahmoud hält die Farben aus Maismehl für „völlig unbedenklich“. Vor Ort gebe es Duschen und mehrere Möglichkeiten, sich das Gesicht zu waschen, sagt er. Auch Prof. Dr. Michael Pfeifer, Chefarzt der Fachklinik für Pneumologie in Donaustauf, sieht die Farbschlacht entspannt. „Wenn die Farben auf Maisstärke basieren, passiert da in der Regel nichts“, sagt er. Eine akute Schädigung der Atemwege sei also nicht anzunehmen. „Die Maisstärke besteht aus groben Bestandteilen, die in den oberen Atemwegen hängen bleiben.“ Weil die Farben der EU-Kosmetikverordnung unterlägen, könne man wohl auch davon ausgehen, dass es keine toxischen Schädigungen gebe. Grundsätzlich bleibe natürlich immer eine Restunsicherheit, sagt Pfeifer. „Außerdem sollten Asthmatiker eine erhöhte Staubbelastung vermeiden.“

Grundgedanke in Psyche verwurzelt

In allen Farben wirbeln die Wolken beim sogenannten „Big Throw“ über den Köpfen der tanzenden Menschen auf. Foto: Twinfalcon GmbH
In allen Farben wirbeln die Wolken beim sogenannten „Big Throw“ über den Köpfen der tanzenden Menschen auf. Foto: Twinfalcon GmbH

Die Idee für die Farbschlacht stammt ursprünglich aus Indien. Beim Holi-Fest vergesse das sonst hierarchische Land Kasten, Herkunft und Geschlecht, erklärt Sadbhuja Dasa, spiritueller Meister und Sprecher des Vereins für vedische Kultur in München. Am Tag vor dem ersten Vollmond im März begrüßen die Menschen den Frühling, werfen Gulal – so heißt das Pulver dort –, spritzen mit buntem Wasser, tanzen. Das Fest soll versöhnen und Toleranz bringen. Farben als Zeichen der Aufhebung von Kasten und kulturell-gesellschaftlichen Unterschieden. Denn danach sind alle Menschen bunt – und gleich.

Dasa reist fast jedes Jahr nach Indien. Auch dort sei das Holi-Fest schon materieller geworden, sagt er. „Das Spirituelle steht nicht mehr im Zentrum. Aber trotzdem besuchen auch viele Menschen zum Holi-Fest die Tempel.“ An sich sei es schön, dass sich der Feiertag so verbreitet hat. Der Grundgedanke dafür sei sehr tief in der menschlichen Psyche verwurzelt. „Da ist es nur natürlich, dass das im Westen eine entsprechende Resonanz findet.“ Selbstverständlich könne man jetzt nicht erwarten, dass die Besucher eines Festivals plötzlich spirituell sind, sagt Dasa. „Aber es wäre toll, wenn es bei den Festivals einen Bereich oder Zeitraum gibt, in dem das Spirituelle zum Tragen kommt.“

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