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Umwelt

Feuerwerke bei der Dult bleiben

Der Raketenzauber bei Volksfesten ist wegen der Feinstaubbelastung umstritten. Regensburg will aber daran festhalten.
Von Norbert Lösch

Kein ganz unproblematischer Hingucker: Vier Mal im Jahr gibt es ein Dult-Feuerwerk. Foto: Regensburg Tourismus GmbH/Thomas Richter
Kein ganz unproblematischer Hingucker: Vier Mal im Jahr gibt es ein Dult-Feuerwerk. Foto: Regensburg Tourismus GmbH/Thomas Richter

Regensburg.Straubing tut es, München tut es nicht, Regensburg tut es, Abensberg tut es nicht (mehr): Längst nicht bei allen großen Volksfesten in Bayern können Besucher Feuerwerke bestaunen. Der Raketenzauber ist heuer besonders umstritten, weil neben Argumenten wie Feinstaubbelastung, Tier- und Naturschutz sowie Lärmbelästigung zunehmend auch die von Pyrotechnik ausgehende Brandgefahr ins Spiel kommt. In Regensburg soll es anlässlich der Dult aber weiterhin vier große Feuerwerke geben: Die Vereinigung der Schausteller und die Stadt selbst wollen daran festhalten.

In Abensberg kam es, wie es kommen musste: Der Beschluss der dortigen Stadträte, vor allem wegen der Feinstauberzeugung künftig auf das Feuerwerk zum Gillamoos zu verzichten, polarisierte die öffentliche Meinung. „Spaßbremsen“ auf der einen, Raketen-Fans auf der anderen Seite, Beifall für die umweltpolitische Entscheidung hier, Unverständnis dort.

Dicke Luft nach dem Spektakel

150 bis 200 Kilogramm Pyrotechnik gehen bei jedem Dult-Feuerwerk in die Luft. Foto: Steffen
150 bis 200 Kilogramm Pyrotechnik gehen bei jedem Dult-Feuerwerk in die Luft. Foto: Steffen

Dass Feuerwerkskörper beim Abbrennen neben Feinstaub auch Schwermetallpartikel und andere Umweltgifte in die Luft abgeben, ist bekannt. So ist etwa nach der Silvester-Knallerei der schlechte Einfluss auf die Luftqualität in Großstädten noch Tage nach dem Jahreswechsel messbar.

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Kommentar

Mut wäre gut

Zugegeben: Ein Feuerwerk ist eine feine Sache. Und unumstritten: Feinstaub ist keine feine Sache. Wenn nun das Schöne aus dem Schlechten resultiert, ist...

Die Kontroverse hat Regensburg offensichtlich noch nicht erreicht. Bei der Herbstdult wird es wie gehabt am ersten und letzten Freitag des Volksfests – am 24. August und am 7. September – spektakuläre Feuerwerke geben. Insgesamt werden dabei 350 Kilogramm Pyrotechnik in den Nachthimmel steigen. Die seit den 1960er-Jahren bestehende Tradition will es so: Der Raketenzauber markiert den Beginn der Dult und läutet das letzte Festwochenende ein.

Wollen die Regensburger überhaupt Feuerwerke? Wir haben nachgefragt:

Umfrage: Wie stehen die Regensburger zu Feuerwerke

Die Stadt ist zwar Veranstalter der Dult, die Raketen lässt allerdings die Werbegemeinschaft Regensburger Dulten abbrennen. Laut deren Sprecher Hans-Christian Wagner lassen sich die 105 Beschicker das Spektakel pro Dult eine größere vierstellige Summe kosten. Der Feuerwerker, mit dem man seit vielen Jahren zusammenarbeite, achte sehr wohl auf ökologische Aspekte. Müll werde weitgehend vermieden, ebenso der Einsatz von Kunststoffen. Verzichten wollen Festwirte und Dult-Beschicker auf das Spektakel nicht: „Die Feuerwerke sind für uns ein wichtiger Bestandteil der Dult und haben auch einen hohen Anteil an deren Attraktivität“, sagt Wagner. Und: „Wenn es eine Diskussion darüber geben sollte, werden wir uns ihr stellen.“

Ein Thema im Ferienausschuss?

Einer, der die Diskussion anstoßen will, ist Stadtrat Benedikt Suttner von der ÖDP. „Es gibt tatsächlich einige Gründe, das zu hinterfragen“, sagt Suttner und will das kommende Woche in der Sitzung des Ferienausschusses des Stadtrats auch tun. Für ihn stellt sich unter anderem die Frage, ob in Zeiten von Umweltzonen und Grillverboten vier Feuerwerke allein wegen der Dult wirklich nötig sind.

„Die Häufigkeit und Intensität der Dult-Feuerwerke kann man durchaus hinterfragen.“

Benedikt Suttner, Stadtrat (ÖDP)

Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) spricht von einer Güterabwägung: „Es gibt aktuell keine Überlegungen, das Feuerwerk als Tradition abzuschaffen. Da die Feinstaubwerte nur sehr kurzfristig betroffen sind und die Jahresmittelwerte in Regensburg unter dem Grenzwert liegen, liegt eine Güterabwägung nahe.“ Alternativlos sei der Raketenzauber für ihn aber nicht: „Die zuletzt erlebten Illuminationen am Museum der Bayerischen Geschichte und am Brücktor könnten eine Alternative sein, für die ich mich durchaus erwärmen könnte.“

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