MyMz
Anzeige

Jahrestag

Frater Kugler: 10 Jahre Seligsprechung

Eustachius Kugler hat das Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg erbaut. Am Freitag steht ein Jubiläum an.

2009 wurde Eustachius Kugler im Regensburger Dom selig gesprochen. Erzbischof Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen und der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller applaudierten, als ein Gemälde des Seligen enthüllt wurde. Foto: Barmherzige Brüder
2009 wurde Eustachius Kugler im Regensburger Dom selig gesprochen. Erzbischof Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen und der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller applaudierten, als ein Gemälde des Seligen enthüllt wurde. Foto: Barmherzige Brüder

Regensburg.Er hat zwei Weltkriege erlebt, seine eigene Lebensplanung in jungen Jahren komplett über den Haufen geworfen und sich lebenslang mit einer körperlichen Beeinträchtigung arrangieren müssen. Er galt als bescheiden und demütig – und besaß gleichzeitig die Stärke, in Krisenzeiten mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ein gigantisches Bauprojekt zu realisieren. Für das Krankenhaus und den Orden der Barmherzigen Brüder Regensburg ist es keine Frage: „Eustachius Kugler war ein ganz besonderer Mensch“, heißt es in einer Mitteilung aus der Pressestelle des Krankenhauses.

Frida Schachinger
Frida Schachinger

Darin kommt auch eine Zeitzeugin zu Wort: „Immer, wenn ich mit meiner Mutter in den Luftschutzkeller kam, war Frater Eustachius Kugler schon da“, erinnert sich Frieda Schachinger heute noch gerne an ihn. „Er hat auf uns gewartet und mich gefragt: Hast Du Hunger? Magst Du ein Butterbrot?“ Wie viele andere Menschen, die Kugler persönlich kannten, ist auch sie fasziniert von der Persönlichkeit des Mannes, der am 4. Oktober 2009 im Regensburger Dom seliggesprochen wurde.

Seit einem Unfall hinkte er

Eustachius Kugler wurde bei Nittenau geboren. Foto: Barmherzige Brüder
Eustachius Kugler wurde bei Nittenau geboren. Foto: Barmherzige Brüder

Als Eustachius Kugler 1867 in Neuhaus bei Nittenau geboren wurde, konnte niemand ahnen, wie wichtig er einmal für die gesamte Region werden würde. Während seiner Lehrzeit als Bauschlosser wurde er bei einem Unfall verletzt und hinkte fortan. So kam er erstmals in Kontakt mit dem Orden der Barmherzigen Brüder. 1898 legte er die feierlichen Gelübde ab. Dort wirkte er nicht nur mit Hingabe und unermüdlichem persönlichen Einsatz für Arme, Schwache und Kranke, sondern entwickelte gleichzeitig eine Vision: Die Region brauchte dringend ein Krankenhaus – der Orden sollte der Motor dafür werden. Und Kugler gelang das Kunststück, in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten eines der größten Bauvorhaben in Regensburg zu realisieren. Seine Ordensbrüder hatten ihn seit 1925 viermal zum Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz wiedergewählt. Der Krankenhausbau begann Ende der zwanziger Jahre, als die Wirtschaftskraft in Deutschland stetig abnahm und der Orden selbst noch mit den Spätfolgen der Säkularisierung zu kämpfen hatte.

Eine Luftaufnahme zeigt das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder im Jahr 1930.  Foto: Bader
Eine Luftaufnahme zeigt das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder im Jahr 1930. Foto: Bader

Kugler nahm die Herausforderung an und schaffte es, die immense Finanzierungssumme von 8,3 Millionen Reichsmark zusammen zu bekommen. Und nicht nur das: Er engagierte für das Großprojekt den damaligen Star-Architekten Professor Albert Boßlet. Dessen im Stil des Bauhauses errichtete Gebäudetrakte St. Pius und St. Vinzenz (damals wurden Frauen und Männer getrennt versorgt) zählten zu den modernsten Einrichtungen in Deutschland. Die Einweihung am 19. Juni 1929 wurde entsprechend groß gefeiert.

Das Jubiläum

  • Feierlichkeit:

    Aus Anlass des 10. Jahrestags der Seligsprechung Eustachius Kuglers (Foto: Barmherzige) laden der Prior des Krankenhauses, Frater Seraphim Schorer, und die Geschäftsführung an diesem Freitag um 11 Uhr zum Pontifikalgottesdienst mit Weihbischof Reinhard Pappenberger in die Krankenhauskirche St. Pius ein.

  • Zeitzeugnisse:

    Danach wird das Buch „Das Gute sehen! 1929-2019“ präsentiert und die Ausstellung „Das Herz befehle! Seit 90 Jahren in Regensburg“ mit historischen Fotos eröffnet. Die 89-jährige Frieda Schachinger (Foto: Julia Gergovich) aus Regensburg hatte Kugler noch persönlich gekannt.

Der gute Geist Kuglers und sein Weitblick hätten dazu geführt, dass bereits wenige Jahre später eine Krankenpflegeschule auf dem Gelände eingerichtet wurde. Nicht einmal der Zweite Weltkrieg konnte dem Krankenhauskomplex etwas anhaben: Wie durch ein Wunder gab es bei den beiden Häusern lediglich geringe Gebäudeschäden trotz der Nähe zu den Messerschmitt-Werken, bei denen viele Menschen ums Leben kamen. Nach dem Krieg beschlagnahmten die Amerikaner das Krankenhaus als Militärhospital. Während schon 1946 die Versorgung von männlichen Kranken im eigentlichen Frauenkrankenhaus St. Vinzenz erfolgen konnte, mussten die Frauen in der Augustenschule stationär behandelt werden. 1954 gaben die amerikanischen Besatzer auch das Gebäude St. Pius an die Barmherzigen Brüder zurück. Das allerdings erlebte Kugler nicht mehr, er starb am 10. Juni 1946 „nach einem erfüllten Leben im Dienst der Mitmenschlichkeit“, wie es in der Mitteilung der Barmherzigen Brüder heißt.

Seit 90 Jahren in der Stadt

Heute ist das Krankenhaus Barmherzige Brüder das größte katholische Krankenhaus in Deutschland und mit den vielen Erweiterungen der vergangenen 90 Jahre auch das größte Krankenhaus Ostbayerns. Für die Regensburger gehöre das Krankenhaus zum Stadtbild wie der Dom und sei für viele – ganz im Sinne Kuglers – die erste Adresse, wenn es um Spitzenmedizin, beste Pflege und gelebte Barmherzigkeit gehe. Am 4. Oktober jährt sich die Seligsprechung Kuglers zum zehnten Mal. Krankenhaus und der Orden feiern dieses Jubiläum mit einem Pontifikalgottesdienst, zu dem alle Gläubigen herzlich eingeladen sind.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht