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Frau Wunder schützt ihre Schulkinder

Miracle Amadi lebt in Regensburg und hat 2011 in Nigeria eine Schule gegründet. Jetzt schnürt sie ein Corona-Hilfspaket.
Von Claus-Dieter Wotruba

Auch in Nigeria werden Corona-Masken gebraucht. Miracle Amadi startete für ihre Schule ein Hilfsprojekt. Foto: Amadi
Auch in Nigeria werden Corona-Masken gebraucht. Miracle Amadi startete für ihre Schule ein Hilfsprojekt. Foto: Amadi

Regensburg.Nigeria ist weit weg. Für Miracle Amadi sind die 6984,5 Kilometer, die Google als Entfernung von Regensburg in die Millionenstadt Benin City ausspuckt, aber ein Katzensprung. Wenigstens gedanklich. Benin City ist erstens ihre Heimatstadt und zweitens hat Frau Wunder – die Übersetzung ihres Vornamens – täglich Kontakt. Die Nigerianerin, die seit 2004 in Deutschland und längst in Regensburg lebt, hat zuhause eine Schule auf die Beine gestellt, die seit bald neun Jahren läuft.

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Miracle Amadi stemmte ihr verwunderliches Schulprojekt im mit 195 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas anfangs im Alleingang, sowohl finanziell als auch organisatorisch. Sie hatte sich schon als Kind in den Kopf gesetzt, zu helfen, wenn es ihr einmal besser gehen würde – und empfand Bildung als nachhaltigste Chance dazu. Denn in Nigeria ist der Schulbesuch längst keine Selbstverständlichkeit. 2012 kam Amadi die Idee, einen Verein zu gründen, damals noch in München: Das Miracle Hilfsprojekt war geboren.

Viele Mädchen, viele Ärmere

Nach der Verlagerung von Amadis Lebensmittelpunkt nach Regensburg hat sich hier ein Personenkreis gefunden, der nachhaltig am Bestand der beständig wachsenden Rhenium International School arbeitet, die nun rund 270 Kinder und Jugendliche (darunter über 50 Prozent Mädchen) auch aus ärmeren Familien besuchen und Platz für bis zu 450 Schüler böte. Seit zwei Jahren ist auch eine Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) vor Ort offiziell am Werk, die Miracle Amadi Foundation. Zweimal im Jahr schaut die Vereinsgründerin dort persönlich nach dem Rechten. Amadis Familie hilft direkt vor Ort in Benin City beständig mit.

Das ist Miracles Hilfsprojekt

  • Verein:

    Miracles Hilfsprojekt ist ein in München gegründeter und seit 2012 eingetragener Verein, der jetzt von Regensburg aus agiert und ein Büro in Pentling hat. Er bietet neben einer Mitgliedschaft zum Beispiel auch Patenschaften und manche Unterstützungsmöglichkeit mehr an. Nähere Infos sind im Internet unter www.miracle-hilfe.de, aber auch bei Facebook und neuerdings auf Instagram zu finden.

  • Spenden:

    Wer für das aktuelle Corona-Hilfspaket oder den Verein generell spenden will, kann das unter der Sparkassen-Kontonummer von Miracles Hilfsprojekt tun: IBAN DE61 750 500 0000 2657 9037.

Immer wieder tauchten auch namhafte Unterstützer wie die Globus- oder Daimler-Stiftung auf, die mit größeren Beträgen einen Ausbau ermöglichten. Sein Büro hat der Verein in Pentling – dank der Firma Stahl unentgeltlich in deren Räumen. Vor allem aber gilt es, 27 Festangestellte vom Direktor über Lehrer bis zum Wachmann für das Gelände zu bezahlen und die laufenden Kosten zu bewältigen. Und jetzt platzte auch noch das Coronavirus herein!

Hunger verschlimmert die Lage

Miracle Amadi dachte schnell nach, was bei ihr zuhause jetzt nötig ist. Die anhaltende Ausgangssperre in Nigeria bedeutet die vorübergehende Schließung der Schule wie in Deutschland auch. „Wir versuchen Online-Lernen so gut es geht, zu ermöglichen“, sagt Amadi. „Nicht alle haben Strom oder einen Computer. Aber es ist besser als nichts.“ Ein anderes Problem ist noch größer. „Viele Familien ernähren sich von der Arbeit von Tag zu Tag. Das hat das Hungerproblem natürlich verstärkt“, erklärt Amadi. „Das macht die Lage noch schlimmer.“

2500 Pakete für die Schülerinnen und Schüler samt ihren Familien waren der Plan. „Wir dachten erst, wir bräuchten mehr Geld, kommen aber mit 2500 Euro aus“, sagt Amadi und hofft für die Finanzierung – in der Landeswährung Naira ist es übrigens eine Million – auf Spenden. „Mit 1,15 Euro können wir eine Familie einen Tag ernähren – je nachdem, wie groß die Familie ist“, sagt Amadi. Die Näherinnen an der Schule machten sich frisch ans Werk, um tausende von Masken zu produzieren. Reis und Gari, eine Maniokknolle und das Hauptnahrungsmittel in Westafrika, und Bohnen sind neben der Schutzmaske ebenfalls dabei.

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Auch ohne Corona geht Miracle Amadi die Arbeit nicht aus – an Ideen fehlt es nicht. Die im Sommer 2019 begonnene Krankenstation steht vor der Fertigstellung. Ein Internat und Waisenhaus sind im Entstehen. Und die ersten Absolventen der Schule sollen in den Genuss eines Ausbildungszentrums kommen. Sie sind Nigerias Hoffnung – und auch die von Miracle Amadi, die von Anfang an den Wahlspruch „Hilfe zur Selbsthilfe“ gewählt hatte.

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