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Soziales

Frauennotruf sucht Unterstützer

Noch immer ist sexuelle Gewalt auch in Regensburg an der Tagesordnung. Die Anlaufstelle für Betroffene bräuchte deshalb dringend mehr Geld und Personal.
Von Flora Jädicke, MZ

MdL Tanja Schweiger (links) und Petra Siegrün werben für ein gewaltfreies Leben von Frauen. Foto: Jädicke

Regensburg.Seit mehr als 25 Jahren berät der „Frauennotruf – 24171“ Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Bekannt wurde die Nummer vor allem durch das Mahnmal an der Ecke Furtmayr-/Galgenberger Straße. Mit knapp zwei Planstellen bewältigen die Frauen einen Großteil der Arbeit. „Wir sind mit den Kapazitäten inzwischen an unseren Grenzen“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle beim Pressegespräch mit der Landtagsabgeordneten Tanja Schweiger von den Freien Wählern.

Schweiger war in die Beratungsstelle in der Alten Manggasse 1 gekommen, um sich über den Notruf zu informieren. Als Ergebnis will die gelernte Bank- und Diplomkauffrau die „Finanzstruktur prüfen“. Im Freistaat gebe es nur pro Einrichtung Zuschüsse. „Ich will in der Fraktion besprechen, welche Möglichkeiten es für betroffene Frauen in Bayern gibt, nach sexuellen Übergriffen Hilfe und Beratung zu bekommen. Die Frage ist: Wie gut sind wir bei den Frauennotrufen aufgestellt?“, sagt Schweiger. Im Bezirk gebe es nur fünf Einrichtungen, an die sich Frauen und Mädchen wenden können.

Darüber hinaus brauche der Verein mehr Öffentlichkeit. „Wir wollen das Tabu brechen, das mit sexueller Gewalt gegen Frauen noch immer einher geht“, sagt Petra Siegrün. Viele Unternehmen fürchten, sie könnten stillschweigend unter Verdacht geraten, wenn sie öffentlich für eine Einrichtung wie die unsrige spenden. „Da muss doch was vorgefallen sein!“, laute reflexhaft die Vermutung. So konnte der Verein, trotz groß angelegter Werbeaktion nur ein neues Mitglied gewinnen. „Man darf die Scham, die mit dem Thema verbunden ist, nicht unterschätzen“, sagt Siegrün. Viele Frauen schleppen die traumatischen Erfahrungen von sexueller Gewalt seit der Kindheit mit sich herum. „Sie funktionieren so lange, bis es nicht mehr geht.“

Die Entscheidung, sich an den Notruf 24171 zu wenden, kommt meist in einer lebensverändernden Situation. Sei es eine Schwangerschaft, eine neue Beziehung oder das Zusammentreffen vieler Ereignisse. An die 250 Frauen berät der Frauennotruf pro Jahr. 2012 waren es rund 900 Beratungen.

Betroffene können sich per E-Mail oder unter der Nummer 24171 (Vorwahl 0941) melden. Vielen fällt es leichter, den Erstkontakt über die Mail zu starten“, sagt Siegrün, bevor der persönliche Kontakt mit den ehrenamtlichen Therapeuten und Psychologen zustande kommt. An die Beratungsstelle kann sich jede Frau wenden, auch wenn sie nur den Verdacht hat, sexuelle Gewalt erlebt zu haben. Das Spektrum ist breit. Es reicht von anzüglichen Bemerkungen über die Figur bis zur Vergewaltigung.

Am 6. März geht bundesweit eine einheitliche Notfall-Nummer für Frauen ans Netz. Von dort aus, werden Frauen zur weiteren Beratung auch an den Frauennotruf 24171 weitergeleitet. Der Verein hat zahlreiche Kampagnen initiiert. In Kooperation mit der Buchhandlung Dombrowsky etwa, die kostenlose Einkaufstaschen mit dem Vereinslogo verschenkte. Die Kooperation mit Amazon zum Einkaufsbonus will Siegrün vor dem Hintergrund der negativen Entwicklungen beim Internet-Kaufhaus überdenken.

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