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Extremismus

„Frei.Wild“: Fischfangbecken für Rechte

Die Band „Frei.Wild“ spielt in Obertraubling. Kritiker waren sich bei einer Diskussion einig: Bei der Musik handelt es sich um rassistischen Rock.
Von Bettina Griesbeck, MZ

Die Band „Frei.Wild“ kommt bei rechten Gruppierungen an. Foto: Holger Fichtner/360graddesign.com/dpa

Regensburg.Am 13. Dezember findet das mittlerweile ausverkaufte Konzert der Südtiroler Band Frei.Wild in der ehemaligen Diskothek „Airport“ in Obertraubling statt. Die Musikrichtung ist nicht jedermanns Sache. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – über den Inhalt, der durch die Texte der Band transportiert wird, durchaus.

Angesichts des großen Zuspruchs und der stetig wachsenden Fangemeinde von Frei.Wild nahm es sich der Stadtjugendring Regensburg zusammen mit weiteren Kooperationspartnern zum Anlass, die Inhalte der Lieder genauer unter die Lupe zu nehmen.

Am Donnerstagabend waren Interessenten aus der Jugendarbeit sowie Lehrkräfte zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion ins W1, Zentrum für junge Kultur, eingeladen. Oberstudienrat Roland Woike aus dem Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der FOS/BOS Regensburg referierte kurz über die Band, bevor er drei Liedtexte genauer analysierte.

Losgelöst von den Vorwürfen zu Rassismus und Rechtsradikalismus entzauberte Woike in kurzer Zeit die „harmlosen“ Textzeilen von Frei.Wild-Hits wie „Das Land der Vollidioten“, „Südtirol Heimatland“ oder „Wir reiten in den Untergang“.

„Purer Nationalismus“

„In den Liedern steckt purer Nationalismus, es ist die Rede von Ahnen, Helden, Pathos. Da bedarf es wenig Erklärung“, sagte Woike unter Zustimmung der Anwesenden Zuhörer. Frei.Wild würde mit dem in ihren Texten immer wieder betonten Wir-Gefühl eine starke Bindung zwischen sich und den Fans erzeugen, erklärte Woike.

Und der Experte weiter: Bei „Wir reiten in den Untergang“ werde beispielsweise metaphorisch das Bild einer Jagd erzeugt, in der die Band das Frei.Wild sei, das gehetzt und getrieben werde. „Wie heute die Fans und die Band öffentlich abgestempelt werden, vergleichen Frei.Wild mit der Vernichtung der Juden. Bei diesem schiefen Zerrbild muss ich ganz schön schlucken“, erzählte Woike.

Anhand vieler Beispiele aus den Bereichen Sprache, Rhetorik und Inhalt zeigte Woike auf, dass die Musik voller politischer Themen, geschichtshistorischem Gehalt und gezielter Begrifflichkeit steckt. Frei.Wild-Sänger Philipp Burger, ehemaliges Mitglied einer rechtsradikalen Band, versichere jedoch immer wieder, dass seine Musik unpolitisch sei, so Woike.

„Band kann entzaubert werden“

Bereits im vergangenen Jahr spielte Frei.Wild in der Regensburger Donau-Arena ein Konzert vor rund 7000 Besuchern. Woike beschäftigte sich damals an seiner Schule über eine Projektarbeit in Form eines Fragekatalogs mit der Band und deren Texten. Ziel des Projekts war es, dass die Schüler sich selbstständig Gedanken zu der Musik und den Inhalten machen. Die Band könne ziemlich schnell entzaubert werden, von denen, die sich näher damit befassten, sagte Woike.

Über die Frage, warum junge Menschen auf derartige Konzerte gehen und was die Faszination von Frei.Wild ausmacht, diskutierte Woike im Anschluss an den Vortrag mit den Anwesenden. Besonders die Tatsache, dass Frei.Wild in Regensburg in wenigen Tagen wieder ein Konzert gibt, sorgte für Aufregung. „Frei.Wild-Konzerte sind ein Fischfangbecken für rechte Gruppierungen“, sagte Woike.

Helga Hanusa von der Initiative „Keine Bedienung für Nazis e.V.“ sagte, dass sowohl Kommunen als auch Veranstalter sich nicht mehr herausreden könnten, vom Inhalt der Musik nichts zu wissen: „Man muss aktiv dafür sorgen, dass Verträge so gestaltet sind, dass solche Bands nicht auftreten dürfen.“ Thekla Heizinger von der Jugendschutzstelle stimmte Hanusa zu und sagte, dass eine Aufklärung über den rassistischen Gehalt der Musik das A und O ist.

„Dieses Konzert hätte nicht stattfinden dürfen“, äußerte sich Bürgermeister Joachim Wolbergs 2012 nach dem Besuch des Frei.Wild-Konzerts in der Donau-Arena. Damit stimmten Woike und alle Anwesenden überein: Im Raum Regensburg sollte es keine Bühne für rassistisches Gedankengut mehr geben.

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