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Justiz

Freundin erstochen: 13 Jahre Haft

Der 32-Jährige metzelte die junge Regensburgerin mit dem Messer regelrecht nieder. Gewalt gab ihm das Gefühl von Macht.
von Marion von Boeselager

In der Metgebergasse stach der 32-Jährige seine Freundin nieder. Foto: Matthes
In der Metgebergasse stach der 32-Jährige seine Freundin nieder. Foto: Matthes

Regensburg.Mit massiven Faustschlägen und mehreren wuchtigen Messerstichen in Brust und Rumpf metzelte ein 32-Jähriger seine Freundin in ihrer Wohnung in der Metgebergasse in Regensburg regelrecht nieder. Für die bestialische Tat ohne nachvollziehbares Motiv wurde der Schreiner aus Wiesbaden am Montag vor dem Schwurgericht zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Es war nicht seine erste Bluttat an einer Lebensgefährtin.

Gewalt gehörte schon von Kindesbeinen zum Leben des an einer narzisstischen Störung leidenden Angeklagten. Daraus zog der Mann, der ein geringes Selbstwertgefühl hat, offenbar ein Gefühl von Macht.

Der Vorsitzende Richter der Schwurkammer Michael Hammer schilderte in seiner Urteilsbegründung den Lebensweg des 32-jährigen Wiesbadeners. Trotz Therapien und engmaschiger Betreuung sei er aus der Gewaltspirale nicht herausgekommen. Der Sohn eines Schreinermeisters wurde wohl schon als Kind vom Vater misshandelt. Schon früh zeigte er Verhaltensauffälligkeiten und kam später auf eine Schule für schwer Erziehbare. Mit zehn Jahren hatte er ein Schlüsselerlebnis: Er schlug einem 16-jährigen Widersacher den Kopf gegen die Wand und konnte erstmals Macht ausüben „Von da an suchte er sich Opfer, um sich abzureagieren“, sagte Hammer.

Drogen- und Alkoholexzesse

Ab der frühen Jugend griff der Angeklagte immer öfter zu Alkohol und Drogen wie Cannabis, Ecstasy, Kokain. Es kam zu Trinkexzessen. Die Kunden der Schreinerwerkstatt beschwerten sich, da er schon morgens betrunken war. Zwei Entgiftungen brach der Wiesbadener vorzeitig ab. 2012 begann er seine Beziehung zu einer jungen Frau, die aber schon bald von Gewalt geprägt war: Ende 2012 schloss er das Mädchen in der Werkstatt seines Vaters ein, bedrohte es mit einer Motorsäge und schlug es blutig. Dennoch verließ ihn die Freundin nicht.

Der Angeklagte (links) lebte ein Leben voller Gewalt. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (links) lebte ein Leben voller Gewalt. Foto: Boeselager

Anfang 2013 war der Angeklagte krank zu Hause. Die Freundin kochte für ihn und fragte, ob er ihr dabei helfen wolle. Darauf rastete er völlig aus, stach der Frau mit einem Messer in den Bauch, würgte sie und trat ihr mit dem Fuß ins Gesicht. Trotz Bitten seiner Mutter, den Rettungsdienst für die Verletzte zu holen, fuhr er sie erst ins Krankenhaus, als er ihr eingetrichtert hatte, sie solle dort sagen, sie habe sich beim Gulaschschneiden verletzt. Für diese brutale Tat wurde er zu drei Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt.

Die Freundin aus dem Bus geworefn

Nach seiner Entlassung in die Dauerbelastungserprobung Anfang 2017 lernte er seine neue Freundin, das spätere Opfer aus Regensburg, kennen. Sie war bei Verwandten zu Besuch und zog bald bei ihm ein. Doch schon wenig später war er im alten Fahrwasser, trank massiv Alkohol und schlug die Frau mit Fäusten. Einmal warf er sie aus einem Bus. Seinen Therapeuten und Betreuern verschwieg er die Rückfälle. Er schaffte es stets, einige Tage abstinent zu bleiben und saubere Urinproben abzugeben. Seine Freundin versöhnte sich immer wieder mit ihm, nahm eine Anzeige zurück. Schließlich zog sie aber dennoch wieder nach Regensburg.

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Im Dezember, wenige Wochen vor der Bluttat, berichtete der Angeklagte erstmals seiner Bewährungshelferin von den Rückfällen. Sie regte eine Krisenintervention an. Doch bevor es dazu kam, ließ er sich Ende Januar per Taxi nach Regensburg chauffieren. Er hatte seinen Besuch angekündigt. Die 33-Jährige ließ ihn abends in ihre Wohnung. Was dort genau geschah, ließ sich nicht mehr klären.

Nachbarn hörten Schreie

Zwei Nachbarn hörten kurz nach 20 Uhr eine laute Männerstimme und Minuten später gellende Schreie. Wenig später war die junge Frau tot. Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann dem Opfer, das in der Badewanne lag, mehrere wuchtige Faustschläge gegen den Kopf versetzte, darunter einen auf eine schon blutende Wunde. Danach muss die Frau aus der Wanne geflüchtet oder gezogen worden sein. Dann rammte der Mann ihr mit einem Küchenmesser mindestens acht Stiche in Brust, Rumpf, Becken und Bein. Bereits der erste traf das Herz. Das Opfer verblutete.

Der Mann versuchte erst, das Bad zu säubern. Dann informierte er seine Eltern und die Rettungsleitstelle. Der Polizei öffnete er blutverschmiert die Tür. Er erklärte, seine Freundin habe sich in Suizidabsicht selbst „gestochen“. Dies verwies der medizinische Gutachter jedoch ins Reich der Märchen.

Der Angeklagte habe bei seinen Stichen in die Brust der Frau deren Tod „billigend in Kauf genommen und damit gerechnet“, sagte Hammer. Der Angeklagte leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und einer Alkoholabhängigkeit. Möglicherweise sei die Tat „aus einer narzisstischen Kränkung heraus erfolgt“, meinte Hammer. Dabei hatte er maximal drei Promille im Blut. Er sei aber noch in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Nur seine Steuerungsfähigkeit war nicht ausschließbar vermindert. Eine erneute Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ordnete die Kammer mangels Erfolgsaussichten nicht an.

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