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Protest

Frieden fordern – gegen Israel hetzen

250 Menschen versammelten sich am Samstag zur Free-Palestine-Demonstration in Regensburg. Die Lage blieb friedlich – die Stimmung aber hasserfüllt.
von Pascal Durain, MZ

Als die Free-Palestine-Demonstranten eine Israel-Flagge entdeckten, kochten die Emotionen noch höher. Die Lage blieb aber friedlich.

Regensburg.Als sie die Israel-Flagge erblicken, bricht es aus einigen Demonstranten heraus, die Polizisten bringen sich in Stellung: „Ihr seid Mörder, Kindermörder seid ihr!“ – „Die sind schlimmer als Hitler“. Jugendliche heben den Mittelfinger, die Gegendemonstranten rufen „Free Gaza from Hamas“ („Befreit Gaza von der Hamas“) zurück. Zu Übergriffen kommt es an diesem Tag in Regensburg allerdings nicht.

Knapp 250 Menschen jeden Alters, fast alle mit Migrationshintergrund, haben sich eine Stunde vorher am Hauptbahnhof versammelt, um für Frieden im Gaza-Streifen und für ein freies Palästina zu demonstrieren. Palästina-Flaggen wehen neben türkischen oder albanischen. Auf den Plakaten steht „Free Palestine“, „Babymurderer Israel“ oder sie halten Bilder von getöteten Kindern und von Raketenangriffen in die Höhe.

„Der Zionismus ist das Problem“

Daniel, ein junger Mann, der gerade das Megafon in den Händen hält, sagt, was gerade im Gazastreifen passiere, könne man nicht mehr tolerieren. Er sei Halb-Türke und Halb-Deutscher, doch seine Nationalität spiele keine Rolle, wenn es um Gerechtigkeit geht. Hier stehe man ein für Frieden auf der ganzen Welt. Er betont, dass auch heute bitte alle friedlich bleiben sollten. Die Welt gehöre nicht den Reichen und Mächtigen, sondern allen. „Wir sind die 99 Prozent.“ Seine Worte werden immer wieder durch Jubel unterbrochen. Dann sagt er, die Medien würden den Leuten immer wieder eintrichtern, Israel habe ein Selbstverteidigungsrecht – welches Recht habe da Palästina, wer schütze die Mütter, Väter und Kinder dort vor dem Bombenhagel aus Israel. „Die einen verteidigen nur ihr Hab und Gut, die anderen bauen Siedlungen.“ Wieder Beifall.

Alles sei doch friedlich gewesen, ehe die Zionisten kamen. „Der Zionismus ist das Problem.“ Israel sei nicht an einer Zwei-Staaten-Lösung interessiert. Er fordert, dass die einseitige Berichterstattung aufhören müsse, später werden anwesende Journalisten beschimpft, bedroht, und beim Fotografieren behindert.

Neonazis kamen doch nicht

Was als friedliche Schülerdemo angekündigt war, schlägt um in einseitige Hass- und Hetzparolen gegen Israel, immer wieder werden Holocaustvergleiche gezogen. „Früher Opfer, heute Mörder“ – „Deutsche, Deutsche Augen auf – der Holocaust ist wieder auf“, skandieren sie, als der Demonstrationszug vor dem Regensburger Dom zum stehen kommt. „Frauenmörder Israel – Kindermörder Israel“. Deutschland und die USA würden den Konflikt finanzieren und unterstützen. Die Glocken des Regensburger Wahrzeichens läuten nicht. Mehr als drei Stunden lang ziehen die 250 durch die Domstadt, immer wieder fallen „Allahu Akbar“-Rufe („Allah ist groß“). Die Polizei hat die Lage im Griff, zu Ausschreitungen kommt es nur kurz und innerhalb der Gruppe selbst. Rechtsextreme des militanten Netzwerks Freies Netz Süd, die angekündigt haben, an der Demo teilzunehmen, sind nicht gekommen.

Weitere Free-Palastine-Demonstrationen angemeldet

Das war ein Grund, warum sich im Vorfeld das Bündnis „Free Gaza from Hamas“ gründete, um sich antisemitschen Gedankengut in den Weg zu stellen. „Wir sind gegen einseitige Schuldzuweisungen und Darstellungen des Nahost-Konflikts und plädieren für eine friedliche Beilegung“, meldete die Gruppe im Vorfeld. Am Samstag waren sie klar in der Minderheit: Knapp 50 Menschen versammelten sich in der Altstadt.

Bei anderen Free-Palastine-Demonstrationen in Europa, die es in der vergangenen Woche gab, eskalierte die Lage: In Essen gingen am Freitag 3000 Palästina-Unterstützer auf die Straße, dort wehten Hamas- neben Fahnen der Terrorgruppe ISIS, pro-israelische Demonstranten wurden angegriffen. In Berlin skandierten Dutzende antisemitische Parolen wie „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“, in Frankfurt am Main kam es zu heftigen Ausschreitungen. In Paris wurden Synagogen angegriffen. Für das Wochenende wurden in Ingolstadt, Landshut und Weiden weitere Free-Palastine-Demonstrationen angemeldet.

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