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Protest

Für das Klima durch den Regen

Regensburgs Schüler demonstrierten erneut gegen den Klimawandel. Auch Erwachsene schlossen sich dieses Mal dem Marsch an.
Von Sandra Adler

Am 15. März demonstrierten Schüler wieder gegen den Klimawandel. Foto: Sandra Adler
Am 15. März demonstrierten Schüler wieder gegen den Klimawandel. Foto: Sandra Adler

Regensburg.Am Freitag gingen Regensburgs Schüler zum dritten Mal gegen den Klimawandel auf die Straße. Mit einer längeren Wegstrecke und vielen Zwischenkundgebungen war es die größte Demo bisher. 800 Demonstranten nahmen laut Polizei teil. Auch Erwachsene beteiligten sich am Protest. Darunter waren viele Eltern teilnehmender Schüler.

Der Zug sammelte sich um 11 Uhr am Neupfarrplatz. „Die Generation unserer Eltern hat kein Recht, uns die Zukunft wegzunehmen“, rief Marlene Böhm ins Mikrophon. „Und wir haben kein Recht, der uns folgenden Generation die Zukunft wegzunehmen.“ Die Rednerin erntete zustimmendes Klatschen, Johlen und Pfeifen aus dem Publikum, bevor sich der Zug über den Domplatz in Richtung Dachauplatz in Bewegung setzte.

Dort thematisierten die mit zwölf Jahren jüngsten Protestrednerinnen vor dem Supermarkt das Thema Mikroplastik. Beim Zwischenstopp auf dem Stobäusplatz verteufelten die Demonstranten lautstark Braunkohle und die zögerliche Energiewende.

Angeführt wurde der Zug von einem kleinen Lkw mit Lautsprechern, aus denen viel Reggae-Musik für eine bessere Welt klang. Von dort oben feuerten die Organisatoren immer wieder die nachfolgenden Demonstranten an: „Wir sind hier. Wir sind laut. Weil man uns die Zukunft raubt.“

Einige der Protestschilder hingen dank Dauerregen mittlerweile schlapp an den Holzlatten. Die kreativen Botschaften darauf gingen teilweise darauf ein, dass die Demonstranten für den Protest der Schule fern bleiben: „Macht ihr eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere!“

„Schulschwänzer“ vs. Profis

Jack Bryant hat sich nicht nur wegen seiner 14-jährigen Tochter dem Umzug angeschlossen, sondern „weil ich auch ein Mitverursacher von nicht optimalen Klimaverhältnissen bin.“ Der Kritik und den Vorwürfen gegenüber demonstrierenden Schülern begegnete er mit Ironie: „Bei dem Wetter sieht man ja: Das sind natürlich lauter Schönwetter-Schulschwänzer. Ich finde es toll, dass so viele Leute da sind, nicht nur junge, sondern auch ein paar ältere.“

Christian Ulmer hat die Schulentschuldigung für seinen Sohn Henri ohne Zögern unterschrieben: „Weil es in meinen Augen wichtig ist, dass die Kinder auf die Straße gehen, damit sich tatsächlich mal etwas ändert.“ Er begleitete ihn, weil er erst mal wissen wollte, wie die Demo abläuft, bevor sein Fünftklässler alleine mitgeht. „Eigentlich müsste jeder auf die Straße gehen, das ist ja auch ein Grund für mich mitzulaufen. Aber die Erwachsenen tun es von sich aus nicht“, ergänzte Ulmer.

Sohn Henri erinnerte sich an Christian Lindners Aussage, den Klimaschutz den Profis zu überlassen: „Aber die haben halt Jahre lang nichts getan und irgendwann ist es Zeit.“

„Beim Klima ist es schwierig, ob wir da noch die Kurve kriegen“, sagte eine 63-jährige Demonstrantin, die namentlich lieber nicht genannt werden will. Sie findet es gut, dass die Jugendlichen wieder politisches Bewusstsein empfinden. „Aber das gilt auch für meine Generation. Wir haben es uns ja auch bequem eingerichtet“, sagte sie selbstkritisch.

"Fridays for future" in Regensburg

Regensburg demonstriert viel

Nach dem Motto „Wer nicht springt, der ist für Kohle!“ hüpften die Demonstranten auf der Nibelungenbrücke auf und ab. Die Brücke musste wegen der Demo komplett gesperrt werden. In nördlicher Fahrtrichtung nur kurz, in südlicher Richtung dauerte die Sperrung etwa eine halbe Stunde, wie die Polizeiinspektion Süd nach der Demo bekannt gab. Laut Polizei-Einsatzleiter Armin Glötzl hielt sich der Rückstau aber in Grenzen. Die Sperrung dauerte kürzer als gedacht und die Autos konnten gut umgelenkt werden.

Auch sonst zog Glötzl eine positive Bilanz. Wie schon bei den ersten beiden Demos der Regensburger „Fridays For Future“-Bewegung blieb es friedlich. Gleichzeitig rechnet er mit weiteren solchen Demonstrationen in der Zukunft, „weltweit und gerade in Regensburg“, denn die Regensburger würden für ihre Themen einstehen. Eine aktuelle Studie gibt seiner Einschätzung recht. Demnach liegt Regensburg auf Platz Drei bei der Zahl der meisten Demonstrationen pro Einwohner, hinter Stuttgart und Dresden.

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