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Denkmalschutz

Für das Salettl die Karten neu gemischt

2014 wird geplant, 2015 die Sanierung des Regensburger Kleinods abgeschlossen. Damit nicht genug: Der Park insgesamt soll aufgewertet werden.
Von Thomas Rieke, MZ

Das Salettl wird nun doch nicht ganz in den Besitz des Gartenamts übergehen. Der erste Stock bleibt frei – sehr zur Freude von Hubert H. Wartner, dem Kopf des Geschichts- und Kulturvereins. Um den Stadtgärtnern für ihre Geräte und weitere Bedürfnisse im Stadtsüden genügend Platz zu verschaffen, lässt die Stadt den ehemaligen Schweinestall im Karl-Bauer-Park (rechts hinter Wartner) durch einen Neubau ersetzen. Foto: Rieke

Regensburg.Wer in diesen Frühlingstagen durch den Karl-Bauer-Park marschiert, dem sticht nicht nur die gewaltige Baustelle für das neue Bürgerheim ins Auge (MZ berichtete), sondern auch das sogenannte Salettl. Weil die Bäume noch kein Laub tragen, kann die Sonne das barocke Gartenhaus aus dem 18. Jahrhundert besonders ins Szene setzen – was freilich die Narben der Vernachlässigung hervorhebt. Zwar hat die Stadt dem Gebäude 2010 ein neues Dach verpasst (und damit vermutlich den Zusammenbruch im darauf folgenden schneereichen Winter verhindert). Doch Mauerwerk und vor allem die hölzerne Außentreppe waren weiter schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt, so dass die marode Substanz zuletzt weiter stark gelitten hat.

Unwillkürlich taucht die Frage auf: Lohnt sich eine Fortsetzung der Sanierung überhaupt noch? Die Verantwortlichen der Stadt antworten mit einem klaren „Ja“. Das Salettl sei ein geschütztes Einzelbaudenkmal, dessen Erhalt „auch aus kulturgeschichtlichen Gründen wichtig ist“, betont Juliane von Roenne-Styra, Leiterin der städtischen Pressestelle. Es sei noch originale Bausubstanz erhalten, einschließlich der Rankenmalerei im Inneren, und schließlich dürfe man nicht vergessen, dass das Häuschen in die historische Westmauer des ehemaligen Obermünstergartens eingebunden ist.

Die Stadt macht ernst

Hubert H. Wartner, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins (GKVR), dürfte angesichts dieses Bekenntnisses zu Rettungsmaßnehmen für das Salettl innerlich jubeln. Es gab eine Zeit, da hatte er große und auch berechtigte Zweifel, ob die Stadt wirklich an der Bewahrung des Kleinods interessiert war.

Das ist Schnee von gestern. Die Stadt macht, wie versprochen, ernst. Ein bauhistorisch verfeinertes Architektenaufmaß und wissenschaftliche Untersuchungen wurden in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in Auftrag gegeben. Ergebnisse diesbezüglich sollen Mitte April vorliegen. Für die restlichen Architektenleistungen holt die Verwaltung zurzeit Angebote ein.

Das BLfD und die Untere Denkmalschutzbehörde haben sich laut von Roenne-Styra dafür starkgemacht, das erste Obergeschoss unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu sanieren und die Außentreppe zu erneuern. Ferner hat sich gezeigt, dass die ursprünglich vorgesehene Unterbringung von Waschmöglichkeiten für das Gartenamtspersonal im Salettl mit dem Denkmalschutz unvereinbar wäre. Deshalb ist jetzt geplant, nur das Erdgeschoss als Büro- und Aufenthaltsraum herzurichten, die Umkleiden und die Duschen sollen aber in einem Nebengebäude an der Stelle des ehemaligen Schweinestalls untergebracht werden.

Weil dieser Stall in einem sehr schlechten Zustand ist und aufgrund der unterschiedlichen Höhenebenen für eine Nachnutzung durch die Stadtgärtner ungeeignet, soll er abgebrochen und durch einen in etwa gleich großen Neubau ersetzt werden. In diesem werden auch Arbeitsgeräte und -mittel für den täglichen Grünflächenunterhalt ihren Platz finden.

Unterm Strich schlagen die Maßnahmen mit weit mehr als den ursprünglich geplanten 220000 Euro zu Buche. Die Stadt rechnet nun mit über 700000 Euro, verweist aber gleichzeitig auf Förderung, die das BLfD in Aussicht gestellt habe. Weil die Planungsleistungen und andere Vorbereitungen Zeit in Anspruch nehmen, soll die Bauausführung erst 2015 stattfinden.

Wartner trägt es mit Fassung. Die aktuelle Entwicklung kommt seinen ursprünglichen Gedanken vielmehr entgegen als das Konzept, das unter dem früheren Gartenamtschef Ernst Stösser entstanden war. Stösser hatte eine Mehrfachnutzung aus organisatorischen Gründen stets abgelehnt. Nun aber scheint sogar wieder möglich, wovon der Kulturverein kaum noch zu träumen wagte: Ausstellungen. Lesungen, kleine Konzerte im ersten Stock.

Hat der Kulturverein einen Joker?

Noch ist diesbezüglich gar nichts spruchreif. Der GKVR-Vorsitzende hat aber schwer den Eindruck, als seien unter Stössers Nachfolger Dietrich Krätschell die Karten neu gemischt worden. Und ein Joker, zur rechten Zeit ausgespielt, könnte vielleicht zum Gesamtsieg führen.

Tatsächlich hat Krätschell den gesamten Karl-Bauer-Park ins Visier genommen. Er hat die feste Absicht, die Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen. Nicht nur die Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft sollen ihre Freude daran haben, sondern ganz Kumpfmühl. Bei den Überlegungen, „die wir noch heuer anstellen werden“, spielen ansprechende Sitzgelegenheiten und der alte, seit Jahren nicht mehr betriebene Brunnen ebenso eine Rolle wie die Transitfunktion, die Stadtgeschichte und das Sicherheitsgefühl der Parkbesucher.

Krätschell hat mitbekommen, dass Menschen, die ordnungsliebenden Bürgern ein Dorn im Auge sind, Gefallen an der Grünanlage gefunden haben. Sobald es das Wetter zulässt, treffen sie sich, um unter sich zu sein und zu bechern. Krätschell hat damit kein Problem. „Auch das gehört zum öffentlichen Raum, auch diese Leute zählen zur Gesellschaft.“ Er will die Gruppen nicht verdrängen, sondern versuchen, sie zu integrieren. Das bedeute viel Arbeit, auch ämterübergreifend. Der Behördenchef ist aber zuversichtlich, den „Sorgenkindern“ einen Verhaltenskodex abringen zu können, der ein friedliches Miteinander ermöglicht. Krätschell weiß, wovon er spricht – und kann auf ermutigende Erfahrungen an seinem früheren Wirkungsort Bremen berichten.

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