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Für sie ist die Kaiserin Sisi eine Rote

Die beiden Sozialdemokraten Heinz und Brigitte Neumaier pflegen das Erbe der berühmten Habsburgerin in Unterwittelsbach.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Heinz und Brigitte Neumaier tragen sich ins Gästebuch des Sterbebildmuseums ein. Im Goldrahmen hängen die Sterbebilder der Habsburger. Foto: Wanner
  • Sisi (1837 bis 1898) war eine schöne Wittelsbacherin.Foto: KEM Possenhofen& Rosemarie Mann-Stein

Regensburg.Es lohnte sich für Christina v. Flotows deutsches Adelsblatt, im Regensburger Stadtteil Grass eine Dependance einzurichten: Wer nicht alles schon Marianne Hildebrandts einzigartiges Sterbebild-Museum in der Nothaftstraße, das kleinste Museum der Stadt, besucht hat. Man kann es jeweils an den Fahnen ablesen, die im Garten gehisst werden.

Markus von Habsburg-Lothringen war vergangenes Jahr zum Kaffee da. Damals war rotweißrot geflaggt. Er ist ein sensibler und gescheiter Mann, den man in einer Gruppe von Menschen übersehen kann, so bescheiden tritt er auf. Wenn die Monarchie noch bestünde, dann würden Mag. Markus von Habsburg die Titel „Erzherzog von Österreich“ und „Prinz von Toskana“ zustehen. Andere sind nichts, aber spielen sich auf wie Graf Koks.

Exponate aus Regensburg geholt

Der Besitzer der Kaiservilla in Bad Ischl schaute sich das Sterbebild von seiner Urgroßmutter Sisi an (1837 bis 1898). Das hängt in einem Goldrahmen mit den anderen Habsburgern unter einem weißen Baldachin.

Jetzt flatterte die Bayernfahne am Mast. Die Kastellanin des Sisi-Schlosses Unterwittelsbach in Aichach kam, um für die nächste Ausstellung „Herzog - König - Kaiserin Sisi: Wir sind die Geschichte Bayerns“ (9. Mai bis 25. Oktober) Exponate zu holen. Der Erzherzog hätte sich sehr gefreut, wenn er wüsste, dass die Monarchie bei Sozialdemokraten Anhänger gewinnt. Kastellanin Brigitte Neumaier ist Stadträtin und Bezirksrätin der SPD Aichach. Seit 15 Jahren ist sie im Hauptberuf „Mädchen für alles“ im Schloss Unterwittelsbach. Als die Stelle zu haben war, gab sie alles auf. Sie war Leiterin eines Musikalienhandels samt Musikschule.

Eine resolute Person ist sie. Die Kastellanin hat eine rote Strähne im Haar wie ein Punk, aber ihre Söhne nannte sie Maximilian und Johannes Lamoral nach dem verstorbenen Thurn und Taxis. Seit einem Besuch in Schloss Linderhof an der Hand ihrer Oma, ist sie Monarchistin des Herzens. 700 Bücher übers Haus Wittelsbach stehen bei ihr zu Hause am Sissiweg in Unterwittelsbach in den Regalen. Wenn sie in ihrer Handtasche kramt, dann nicht nach dem Lippenstift, sondern nach ein paar weißen Handschuhen und einem Meterstab. Die Utensilien hat sie immer dabei. Die braucht sie für die Ausstellungen in Unterwittelsbach.

Unterwittelsbach heißt das Wasserschloss, an dem man zwangsläufig vorbei kommt, wenn man auf der B 16 nach Augsburg fährt. Es ist nur einen Kilometer entfernt, gleich hinterm Märchenwald. Gerne erzählt sie den Besuchern die Geschichte von Max in Bayern (Zither-Max), der im Gasthaus gegenüber gerne einmal auf der Zither spielte. Dann ging Sisi mit dem Hut herum und sammelte Münzen ein. Später sagte Sisi ihrer Kammerzofe, das sei das erste und einzige Mal, dass sie ihr Geld selbst verdient hätte.

„Sisi und SPD sind kein Gegensatz“, meint die Sozialdemokratin. Sie nimmt die österreichische Kaiserin damit posthum in die SPD auf. „Sisi ist eine Rote“, behauptet auch ihr „Prinz“ Heinz Neumaier, SPD-Mitglied, Archivar, Ehrenzeremonienmeister und Ex-Faschingsprinz der Karnevalsgesellschaft Paartalia.

Für die steile These lassen sich sogar Belege finden. In Zeiten eines starken Antisemitismus in Europa ließ die Hobby-Poetin ihrem Lieblingsdichter Heinrich Heine (1779 bis 1856) ein Standbild errichten. Sisi galt als einer der ersten emanzipierten Frauen. Sie war so kühn, sich in Griechenland einen Anker auf die Schulter tätowieren zu lassen.

Im Dialekt der Aichacherin ist Sisi eine „Wilschbacherin“. Wenn es nach ihr ginge, wäre „Unterwilschbach“ das Zentrum bayerns. Sisi war nicht nur in Possenhofen und in Gödöllö bei Budapest zu Hause. Eine Lithografie des königlichen Hofoffizianten Alois Flad aus dem Jahre 1841, auf dem das herzogliche Wasserschloss abgebildet ist, zeigt die Familie mit Herzog Max in Bayern im Kahn und seiner Frau Ludovika mit einem kleinen Mädchen im Türrahmen des Schlosses, das die vierjährige „Sisi“ darstellen soll, dazu schauen aus den Fenstern die siebenjährige Prinzessin Helene und der zehnjährige Prinz Ludwig.

Das Helenentor in Unterwittelsbach

Helene ist die spätere Fürstin von Thurn und Taxis (1834 bis 1890), an die in Regensburg noch das verträumte Helenentor bei den Englischen Fräulein erinnert. Ein Ölgemälde davon, aus der Hand des Regensburger Stadtmalers Werner Steib, war schon Teil einer Ausstellung im Sisi-Schloss, samt einem von ihm gemalten Fürstenwappen. Nene und ihre um drei Jahre jüngere Schwester haben hier gewohnt. Zu ihrer Kindheit haben sicherlich etliche unbeschwerte, stille Sommertage in diesem Wasserschlösschen gehört, das ihr Vater, Herzog Max in Bayern, liebevoll seine „Burg“ nannte. Mit Reiten und Spielen hat die kleine „Sisi“ ihre frühe Kindheit zeitweise in den Sommermonaten in Unterwittelsbach verbracht.

Bis 1955 blieb das Schloss in Familienbesitz, wurde aber ab 1940 als Notunterkunft von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen genutzt. 1955 kaufte es der Fürst zu Fürstenberg als Wohnsitz für seine frisch verheiratete Tochter. 1972 kaufte es eine Familie aus München, um es 1977 weiterzuverkaufen. Von 1977 bis 1999 diente das Schloss als Haupthaus einer Einrichtung zur Erziehungshilfe für Jugendliche. 1999 erwarb es die Stadt Aichach und restaurierte es. Nun beherbergt es das Sisi-Museum. Wenn man hinfährt, reißt eine Kastellanin mit SPD-Parteibuch die Eintrittskarten ab und führt durchs Herz Bayerns.

Wir sind Bayern

  • Das Wasserschloss

    Unterwittelsbach auf einem Aquarell des Architekten Oliver Lindauer. Die „Burg“ von Herzog Max und seiner Familie ist im Rahmen von Ausstellungen der Stadt Aichach und der Regio Augsburg Tourismus GmbH zeitweise von innen zu besichtigen.

  • Heuer ist die

    Sonderausstellung

  • „Herzog - König - Sisi - WIR sind die Geschichte Bayerns“

    vom 9. Mai bis 25. Oktober 2015 zu sehen.

  • Die Öffnungszeiten

    der Sonderausstellung (9. Mai - 25. Oktober): Dienstag - Freitag: 10 - 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag: 10 - 18 Uhr.

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