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Freizeit

Für WM-Muffel: Dauerkarte fürs Kino

Im Andreasstadel läuft ein Alternativprogramm zum Fußball. Aber auch Filmfreunde profitieren von Erfolgen der deutschen Elf.
Von Norbert Lösch

Dauerkarten für das Kino als Alternative zur „Fußballwut“ gibt es im Andreasstadel. Foto: Scheuerer
Dauerkarten für das Kino als Alternative zur „Fußballwut“ gibt es im Andreasstadel. Foto: Scheuerer

Regensburg.Jeden Tag ins Kino gehen – normalerweise ein teurer Spaß, den sich nur ganz überzeugte Cineasten gönnen. Die am Donnerstag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet aber allen, die lieber im Kinosessel sitzen als sich daheim vor der Glotze oder beim Public Viewing Spiele anzuschauen, ganz neue Perspektiven: Die Kinos im Andreasstadel bieten eine Flatrate für die Zeit der WM an – aber nur so lange, wie die deutsche Mannschaft in Russland im Spiel bleibt.

„Keine Lust auf Autokorsos, Vuvuzelas und Fanmassen in den Gassen? Damit die WM 2018 auch ihre guten Seiten hat, führen wir den WM-Pass für die Kinos im Andreasstadel ein“, heißt es auf der Homepage der Andreasstadel-Kinos. „Für einen einmaligen Preis von 20 Euro können Sie so viel und so oft bei uns Filme schauen, so lange die deutsche Elf im Turnier ist.“ Also mindestens während der Vorrunde vom 14. bis 29. Juni, längstens bis 15. Juli – falls die deutschen Nationalkicker den Einzug ins Finale schaffen sollten. Seit dem vergangenen Samstag kann das spezielle WM-Angebot, das in diesem Fall natürlich eher für ausgesprochene WM-Muffel gedacht ist, gebucht werden.

Filme jenseits des Mainstream

„Wir werden die beiden kleinen Kinos bespielen“, kündigt Medard Kammermeier an. Der Lichtspiel-Impressario verspricht jeden Abend zwei bis drei Filme, die ansonsten im normalen Programm laufen würden. „Das einzig Besondere ist ein kleines Frauenfilm-Festival von 7. bis 18. Juli. Aber da ist die WM ja schon ziemlich vorbei.“ Wenn ab Donnerstag in Russland der Ball rollt, gibt es auf den Zwölf-Quadratmeter-Leinwänden im Wintergarten und im Akademiesalon des Andreasstadels vielfältigen cineastischen Stoff zu sehen – von der Komödie über Dramen bis hin zum Horror-Thriller. Keine alten Kamellen, sondern angesagte Filme jenseits des Mainstream wie zum Beispiel „Swimming with Men“, „Die brillante Mademoiselle Neila“, „Der Buchladen der Florence Green“, „Am Strand“ oder „Killing Ground“.

Wir haben schon schlimme Sachen erlebt während einer Weltmeisterschaft.“

Medard Kammermeier, Kino-Betreiber

Die Idee mit der WM-Flatrate hatte Kammermeiers Juniorpartner Florian Scheuerer. Der geht wie alle Betreiber von Programmkinos in Regensburg auch mal unkonventionelle Wege, um Publikum in die Säle zu locken. Für 20 Euro sieht man sonst vielleicht zwei Streifen, mit der WM-Dauerkarte könnten es bis zu 50 werden. „Damit wollen wir einen Anreiz schaffen, dass insbesondere Fußball-Muffel günstig ins Kino kommen und vielleicht eine echte Alternative entdecken“, sagen die Programm-Macher. Kammermeier, ein alter Hase im Kino-Geschäft, hat nämlich gerade während Fußball-Weltmeisterschaften schon böse Erfahrungen gemacht. „Wenn WM ist, insbesondere wenn Deutschland spielt, sitzen die Leute daheim vor dem Fernseher oder bei öffentlichen Übertragungen. Da haben wir schon schlimme Sachen erlebt – eigentlich brauchst du da ein Kino gar nicht aufsperren.“

Das Konzept überzeugt offenbar nicht alle. Dass er die Dauer der Flatrate an die Erfolge der deutschen Mannschaft koppelt, habe ihm prompt den Vorwurf des Nationalismus eingebracht, sagt Kammermeier. Dabei ist das nur ein Gag, mit dem etwas Spannung aufgebaut werden soll. „Wir wollen die Alternative bieten, so lange die Fußballwut grassiert.“

Unter der WM leiden übrigens nicht nur Kinos oder Theater, sondern zum Beispiel auch der örtliche Einzelhandel. Leere Geschäfte und Einkaufszentren sind speziell bei Spielen mit deutscher Beteiligung kein seltenes Bild. Wer meint, das Fußball-Großereignis als Werbemittel nutzen zu wollen, um gegenzusteuern, der sollte bestimmte Spielregeln beachten, empfiehlt die Industrie- und Handelskammer Regensburg-Kelheim. Denn schnell sind die FIFA und ihre Schutzrechte oder die Rechte von Sponsoren berührt.

Bloß keine FIFA-Logos benutzen

Markenrechtlich geschützt sind zum Beispiel offizielle FIFA-Logos und -Embleme, aber auch Einzelbegriffe oder Wortkombinationen wie „FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Russland 2018“, „COPA MUNDIAL 2018“ oder „RUSSIA 2018“. Wer mit solchen Begriffen für das eigene Unternehmen wirbt, und wenn er nur einen „World Cup Fernseher“ anbietet, ist aus Sicht des Weltfußballverbands ein Trittbrettfahrer, dem ohne die erforderliche Lizenz empfindliche Strafen drohen.

Unverfänglich und legal sind dagegen Rabattaktionen, die nicht im direkten Zusammenhang mit der FIFA stehen. Die IHK nennt als Beispiele Werbesprüche wie „Das Fußballfieber steigt, die Preise fallen: 20 Prozent auf alles während der WM“, „Russische Wochen: Für den Zeitraum der Fußballweltmeisterschaft senken wir die Preise für alle Sportartikel um 20 Prozent“ oder „Für jedes geschossene Tor der deutschen Nationalelf erhalten Sie ein Prozent Rabatt auf unser gesamtes Sortiment“. Oder eben: „Der WM-Pass für die Kinos im Andreasstadel“.

Tipps für WM-Verweigerer

  • Filme im Freien, Musik im Ohr

    Der Fußball hat das Public Viewing nicht für sich allein gepachtet. Überall in Deutschland haben zig Kinos im Sommer ein Freiluftfilm-Angebot. Oder, wie im Andreasstadel, besondere Rabatt- und Flatrate-Aktionen, um Publikum in ihre Häuser zu locken. Internet-Portale empfehlen viele weitere Alternativen für WM-Muffel. Um die Belästigung durch Hup- oder Vuvuzela-„Konzerte“ zu minimieren, können Nicht-Fußballfans zu Ohrhörern greifen und Hörbücher oder ihre Lieblingsbands hören.

  • In Ruhe ausmisten und einkaufen

    Wer eine Beschäftigung sucht, während sich Freunde oder Partner dem Fußball-Erlebnis hingeben, dem wird das Ausmisten des heimischen Kleiderschranks oder das Ausprobieren neuer Kochrezepte ans Herz gelegt. Das bringe mitunter ein größeres Erfolgserlebnis, als es manchem Spieler auf dem grünen Rasen vergönnt ist. Shoppen gehen wird ebenfalls empfohlen. Wenn der Ball rollt, lässt sich in Einkaufszentren in Ruhe die Sommergarderobe auffrischen, die Suche nach einer leeren Umkleidekabine gestaltet sich deutlich einfacher als sonst.

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