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Fußball

Fürth-Krawalle: Jahn kritisiert Polizei

Nach den Ausschreitungen in Fürth erhebt sogar der Verein schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Er spricht von „Provokationen“.
Von Jan-Lennart Loeffler

Verein und Fans kritisieren die Polizei nach dem Spiel in Fürth. Foto: Eibner/Roland Sippel
Verein und Fans kritisieren die Polizei nach dem Spiel in Fürth. Foto: Eibner/Roland Sippel

Regensburg.Die Ereignisse rund um das Auswärtsspiel des SSV Jahn bei der SpVgg Greuther Fürth am vergangenen Samstag bewegen auch mehrere Tage danach noch Fans und Verantwortliche des Vereins. Wie berichtet, kam es vor und nach dem Spiel zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Jahn und der Polizei, die bereits bei der Ankunft der Jahn-Fans am Bahnhof begannen und sich im Stadion fortsetzten.

Nun hat sich neben den Ultras Regensburg auch der Verein selbst mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit gewandt. Der SSV Jahn spricht von „Provokationen“ und „Aggressionen“ vonseiten der eingesetzten Polizeikräfte.

Der Verein veröffentlichte eine Stellungnahme mit schweren Vorwürfen. „Beim Auswärtsspiel des SSV Jahn bei der SpVgg Greuther Fürth müssen dem von der Polizei eingesetzten Unterstützungskommando (USK) der Wille und die Bereitschaft für eine friedliche Durchführung der Fußballveranstaltung jedoch abgesprochen werden“, heißt es dort. „Provokationen und Aggressionen wurden vom USK nicht nur nicht vermieden, sondern teils sogar geschürt.“

Der SSV Jahn kritisiert im Einzelnen, dass der Fußmarsch von Mitgliedern der Fanszene zum Stadion unterbunden wurde sowie den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Auch sei eine deeskalierende Zusammenarbeit mit Fanvertretern von der Polizei abgelehnt worden. Was das Verhalten der Jahn-Fans angeht, so spricht der Verein von „vereinzelten Übertritten“, die „entsprechend zu ahnden seien“.

Die Ultras sprechen von „skandalösen Vorgängen“ und meinen damit das Verhalten der Polizei. Die Ultras werfen den Polizeikräften vor, mit unverhältnismäßiger Härte gegen die Anhänger des SSV Jahn vorgegangen zu sein. Den Aussagen in der Pressemitteilung der Polizei wird zum Teil vehement widersprochen. Vielfach wird betont, wie „ruhig“ sich die Fans verhalten hätten, dass „Provokationen durch die Polizei“ erfolgt seien. Auf die in der Polizeimitteilung erwähnten Sachbeschädigungen und Angriffe - unter anderem ist von Flaschenwürfen die Rede – auf die Polizei geht die Gruppierung nicht ein. Auf weitere Nachfragen der Mittelbayerischen möchte man nicht eingehen, und verweist auf das Fanprojekt.

Marsch zum Stadion verboten

Auch das Fanprojekt, eine von der Stadt, dem Land und der DFL getragene Einrichtung der Jugendarbeit, kritisiert in einer Stellungnahme das aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei. „Über mehrere Stunden hinweg kam es ab Ankunft am Fürther Hauptbahnhof immer wieder zu eskalierenden Verhaltens der Polizeibeamten gegenüber Fans des SSV Jahn.“ Kein Wort steht dort zum Verhalten der Jahn-Fans. Darüber möchte sich das Fanprojekt nicht äußern und verweist wiederum auf den Verein für weitere Informationen.

Bei Greuther Fürth möchte man zu dem ganzen Geschehen im Moment noch nichts sagen. „Es war eine Auseinandersetzung zwischen den Regensburger Fans und der Polizei“, sagt dazu ein Vereinssprecher. Unterstützung bekommen die Jahn-Fans von den Anhängern der Heimmannschaft. Zum Beispiel vom sogenannten Weiß-grünen Hilfefonds, der nach eigenen Angaben Fans, die im Zusammenhang mit Spielen mit der Justiz oder Sicherheitsorganen in Konflikt geraten, berät.

Der Hilfefonds beobachtet „seit einigen Wochen eine härtere Gangart der Polizei“. „Viel skandalöser“, so die Gruppierung auf ihrer Website, „sind allerdings die Geschehnisse, welche die Gästefans aus der Oberpfalz erleiden mussten.“ Die Einsatztaktik der Polizei wird auch von dieser Gruppierung heftig kritisiert.

Polizei verteidigt Einsatzkonzept

Sprecherin Elke Schönwald vom Polizeipräsidium Mittelfranken verteidigt die Einsatzkräfte. „Da beide Fanlager ein rivalisierendes Verhältnis haben, war das Konzept auf konsequente Fantrennung ausgelegt.“ Die Begegnung war im Vorfeld als Risikospiel eingestuft worden. Schönwald bestätigt auch den Eindruck der Fangruppierungen, dass aufgrund dessen, und wegen der zeitgleich stattfindenden Kirchweih mehr Beamte im Einsatz waren.

„Mit Lautsprecherdurchsagen wurde auf die Busse zum Stadion hingewiesen“, sagt Schönwald zur Situation am Bahnhof. Aufgrund der Kirchweih wollte die Polizei einen Marsch der Ultra-Gruppierungen durch die Fürther Innenstadt nicht zulassen. „Es haben auch Gespräche zwischen dem Einsatzleiter und der Fanszene stattgefunden“, sagt Schönwald auf die Vorwürfe, dass es dort keine Kommunikation mit den Fanbeauftragten oder Vertretern des Fanprojekts gegeben hat.

Die Ausschreitungen bewertet die Polizeisprecherin als „ungewöhnlich“ und verweist auf insgesamt friedliche verlaufenen Derbys in der letzten Zeit. „Das haben wir nicht alle Tage“, sagt Schönwald. Sie rechtfertig auch den Pfeffersprayeinsatz, der durch das Verhalten der Ultras notwendig geworden sei.

Welche Folgen der Samstagnachmittag von Fürth für den SSV Jahn oder die Polizei haben, ist derzeit noch offen. Der Verein wendet sich jetzt an das bayerische Innenministerium. Die Folgen für einige Jahn-Fans dürften sich bald zeigen: Gegen sieben Personen, die an den Ausschreitungen beteiligt waren, wurden bereits Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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